Ge­org E. Grimm: Ur­ge­stein des Rock ’n’ Roll

Bas­sist und „Ur­ge­stein der Rock­mu­sik“

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - Wolf­gang We­ber

Wenn die­ser Mann an­fängt zu er­zäh­len, dann möch­te man un­ent­wegt ru­fen: „Bitte schreib ein Buch über dein Le­ben!“Wer kann schon von sich be­haup­ten, als Mu­si­ker ein fes­tes En­ga­ge­ment im Ca­e­sar’s Pa­lace in Las Ve­gas ge­habt zu ha­ben? Wer plau­der­te schon mit Ray Charles, Bill Wy­man und Paul McCart­ney? Und wer stand ge­mein­sam mit Van Mor­ri­son auf der Büh­ne, um des­sen Welt­hit „Glo­ria“zu spie­len? Ge­org E. Grimm hat viel er­lebt in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten und des­halb ist es auch kein Wun­der, dass er tat­säch­lich seit ei­ni­ger Zeit an ei­nem Buch über sein span­nen­des Le­ben ar­bei­tet. „Aber im­mer, wenn ich den­ke, ich wä­re fer­tig, fal­len mir neue An­ek­do­ten ein, die un­be­dingt auch noch rein­müs­sen“, sagt er und lacht. In Karls­ru­he fühlt sich der Voll­blut­mu­si­ker seit vie­len Jah­ren sau­wohl. Ge­mein­sam mit sei­ner Le­bens­ge­fähr­tin, der Key­boar­de­rin Li­sa, lebt er in ei­nem denk­mal­ge­schütz­ten Haus in der Süd­west­stadt und noch im­mer ist der Mann am Bass ein sehr ge­frag­ter Mu­si­ker. „Im Mo­ment bin ich fes­tes Mit­glied in fünf ver­schie­de­nen Bands“, sagt er. Seit elf Jah­ren spielt er fast je­den Di­ens­tag und Mitt­woch im Scruf­fy’s Irish Pub in Karls­ru­he und dem­nächst wird er höchst­wahr­schein­lich mit dem eng­li­schen Gi­tar­ris­ten und zwei­fa­chen Gram­my-Ge­win­ner Al­bert Lee auf gro­ße Tour­nee ge­hen. „Das steht aber noch nicht end­gül­tig fest.“Als Grimm An­fang der 60er im mu­sik­ver­rück­ten Ham­burg den bri­ti­schen Mu­si­ker und „Mi­ter­fin­der der Beat­mu­sik“To­ny She­rid­an ken­nen­lern­te, fan­den sich schon da­mals zwei Freun­de fürs Le­ben. Ge­mein­sam be­strit­ten sie un­ge­zähl­te Kon­zer­te, un­ter an­de­rem bei meh­re­ren Tour­ne­en durch die DDR. „Die Sta­si hat­te uns ei­nen Of­fi­zier als Auf­pas­ser mit­ge­schickt“, er­zählt Grimm. „Das war der Andre­as, ein net­ter Kerl, der hat­te viel Spaß mit uns.“Am Abend des 9. No­vem­ber 1989 spiel­te Grimm mit She­rid­an al­ler­dings im West­teil Ber­lins. „Plötz­lich ström­ten im­mer mehr Leu­te in die Hal­le rein. Ir­gend­wann be­grif­fen wir, dass die Mau­er ge­fal­len war.“Auch an ei­nem an­de­ren denk­wür­di­gen Ter­min stand Grimm auf der Büh­ne. „Am 22. No­vem­ber 1963 spiel­ten wir in ei­nem Club der Ame­ri­ka­ner in Worms, als sich plötz­lich her­um­sprach, dass Ken­ne­dy er­mor­det wur­de. Ge­rüch­te be­sag­ten zu­nächst so­gar, es sei ein Deut­scher ge­we­sen. Das war nicht sehr an­ge­nehm.“Dass auch ein Mann, der al­le Grö­ßen der Pop- und Rock­mu­sik kennt, noch auf­ge­regt und ner­vös sein kann, zeigt das fol­gen­de Bei­spiel. Ir­gend­wann in den 90ern saß Ge­org E. Grimm wäh­rend ei­ner Tour­nee im Bus der be­rühm­ten Ever­ly Bro­thers, als ne­ben ihm ein Mann Platz nahm, der ihm ir­gend­wie be­kannt vor­kam. „Auf ein­mal er­kann­te ich ihn: Das war Dua­ne Ed­dy, mein Idol aus den 60er Jah­ren. Da­mals hat­te ich mir ex­tra ei­nen Fen­der VI Bass ge­kauft, um sei­ne Songs zu spie­len. Und jetzt saß er plötz­lich ne­ben mir.“Ei­ne An­ek­do­te, die si­cher­lich auch im Buch des weit ge­reis­ten Mu­si­kers auf­tau­chen dürf­te.

Fo­to: Ar­tis

Ein Mu­si­ker, der al­le kennt und mit vie­len schon zu­sam­men auf der Büh­ne stand: Ge­org E. Grimm fühlt sich in Karls­ru­he aus­ge­spro­chen wohl.

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