Der Br­ex­it-Fahr­plan

EU-Staa­ten stel­len in Brüs­sel Ver­hand­lungs­leit­li­ni­en vor

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Aktuell - AFP

Die EU-Staats- und Re­gie­rungs­chefs ha­ben bei ih­rem Br­ex­it-Son­der­gip­fel oh­ne Groß­bri­tan­ni­en un­ge­wöhn­li­che Ge­schlos­sen­heit de­mons­triert: Di­rekt nach Be­ginn des Tref­fens und oh­ne Än­de­run­gen be­schlos­sen sie am Sams­tag in Brüs­sel ein­stim­mig die Leit­li­ni­en für die an­ste­hen­den Aus­tritts­ver­hand­lun­gen mit Lon­don. EURats­prä­si­dent Do­nald Tusk er­klär­te, da­mit ste­he ein „so­li­des und fai­res po­li­ti­sches Man­dat“der 27 EU-Staa­ten für die Br­ex­it-Ge­sprä­che be­reit. Nach dem Br­ex­it-Re­fe­ren­dum im ver­gan­ge­nen Ju­ni hat­te Groß­bri­tan­ni­en vor ei­nem Mo­nat of­fi­zi­ell sei­nen EU-Aus­tritt er­klärt, der En­de März 2019 er­fol­gen soll. Die Staats- und Re­gie­rungs­chefs der an­de­ren 27 EU-Staa­ten zo­gen nun die „ro­ten Li­ni­en“für die Aus­tritts­ge­sprä­che, die ab Ju­ni von der EU-Kom­mis­si­on ge­führt wer­den sol­len. Die Leit­li­ni­en wa­ren in den ver­gan­ge­nen Wo­chen durch die Eu­ro­pa­be­ra­ter der Staats- und Re­gie­rungs­chefs vor­be­rei­tet wor­den. Ein EU-Ver­tre­ter sag­te, die Leit­li­ni­en sei­en nun nur ei­ne Mi­nu­te nach Gip­glied­staa­ten fel-Be­ginn an­ge­nom­men wor­den. Nach­fol­gend ein klei­ner Über­blick zu den Leit­li­ni­en für die auf zwei Jah­re an­ge­leg­ten Aus­tritts­ge­sprä­che.

Kei­ne EU-Spal­tung

Die Ge­sprä­che für den EU-Aus­tritt am 29. März 2019 soll­ten in ein „ein­zi­ges Pa­ket“mün­den. „Ein­zel­ne Tei­le kön­nen nicht se­pa­rat ge­re­gelt wer­den“, heißt es. Die EU-Re­gie­run­gen wol­len sich von Lon­don nicht ge­gen­ein­an­der aus­spie­len las­sen: Bi­la­te­ra­le Ver­hand­lun­gen ein­zel­ner Mit­glieds­län­der mit Groß­bri­tan­ni­en zum Br­ex­it wer­den aus­ge­schlos­sen. Die EU will „ih­re Ein­heit wah­ren und als Ein­heit han­deln“.

Cha­os ver­mei­den

Die EU will ei­nen „ge­ord­ne­ten Aus­tritt“Groß­bri­tan­ni­ens, um „be­deu­ten­de Un­si­cher­hei­ten“und „Stö­run­gen“durch den Br­ex­it zu ver­mei­den. Für die Zeit nach dem Aus­tritt wünscht sich die Rest-EU aus 27 Mit- das Ver­ei­nig­te Kö­nig­reich wei­ter „als en­gen Part­ner“.

EU-Bür­ger in Groß­bri­tan­ni­en

Das Schick­sal der 3,2 Mil­lio­nen EU-Bür­ger, die in Groß­bri­tan­ni­en le­ben, soll EU-Krei­sen zu­fol­ge mög­lichst bis En­de 2017 ge­klärt wer­den. Auf Druck Po­lens und Un­garns wur­de die For­de­rung auf­ge­nom­men, dass EU-Bür­ger, die be­reits fünf Jah­re im Ver­ei­nig­ten Kö­nig­reich le­ben, dau­er­haft blei­ben kön­nen. In die­sem Punkt strebt die EU „ge­gen­sei­ti­ge Ga­ran­ti­en“an, die dann auch für 1,2 Mil­lio­nen Bri­ten auf dem Kon­ti­nent gel­ten.

Schei­tern nicht aus­ge­schlos­sen

Die Staats- und Re­gie­rungs­chefs wol­len aber kei­ne Ei­ni­gung mit Lon­don um je­den Preis: „Die Uni­on wird hart dar­an ar­bei­ten, ein Er­geb­nis zu er­zie­len, wird sich aber dar­auf vor­be­rei­ten, die Si­tua­ti­on auch in den Griff zu be­kom­men, wenn die Ver­hand­lun­gen schei­tern soll­ten.“

Beim Br­ex­it-Son­der­gip­fel in Brüs­sel mach­te Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel deut­lich, dass die EU vor al­lem im Streit über die Schluss­rech­nung für Groß­bri­tan­ni­en hart blei­ben will. Hier die Kanz­le­rin im Ge­spräch mit Mal­tas Pre­mier­mi­nis­ter Jo­seph Mu­s­cat (links). Rechts Frank­reichs Prä­si­dent Fran­cois Hol­lan­de. Fo­to: AFP

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.