der bei... SONN­TAG

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region - Can­d­ace Car­ter I Künst­le­rin Tho­mas Liebs­cher

Ich müss­te ei­nen HB-Blei­stift an der Hand ha­ben, an­statt ei­nes Fin­gers. Das Zeich­nen be­glei­tet mich mein gan­zes Le­ben. Es ist ei­ne künst­le­ri­sche Ba­sis. Aber nur ei­ne von vie­len. Mich reizt es, in ver­schie­de­nen Spar­ten da­heim zu sein“, cha­rak­te­ri­siert sich Can­d­ace Car­ter selbst. Schaut man sich im vol­len, aber wohl­ge­ord­ne­ten Ar­beits­zim­mer der Künst­le­rin um, fal­len zu­nächst die Ge­mäl­de auf. Oft sind es Kör­per, die sie dar­stellt. Häu­fig Frau­en­kör­per. Sie er­schei­nen in vie­len Stil­nu­an­cen, von rea­lis­tisch über ver­frem­det bis hin zu abs­trakt. Die Karls­ru­he­rin nimmt sich lust­voll vie­ler The­men an und ver­tieft sich in je­ne Form, die sie als ge­eig­ne­te er­spürt hat. „Of­fen für Ab­sur­des blei­ben und sich gleich­zei­tig von der Schlan­ge im Su­per­markt in­spi­rie­ren las­sen.“Das sind Leit­sät­ze von Can­d­ace Car­ter, die sie mit er­fri­schen­der Lo­cker­heit pro­pa­giert. Eu­ro­päi­sches Schub­la­den­den­ken ist der Ame­ri­ka­ne­rin ein Graus. Gleich­zei­tig schöpft sie bei Ih­rem Mot­to „Any­thing goes“aus tie­fer Be­schäf­ti­gung mit der Tra­di­ti­on. Sie stu­dier­te an der Kunst­aka­de­mie Ham­burg, war fas­zi­niert von den Neu­sach­li­chen und Ma­lern wie Karl Hub­buch. Ei­ne Ex­kur­si­on zu des­sen Wir­ken in Karls­ru­he er­brach­te nicht nur neue Er­kennt­ni­se, son­dern auch Be­kannt­schaft und Ehe mit dem Künst­ler Tu­ti­lo Kar­cher. Der Flur ih­rer Alt­bau-Woh­nung er­weist sich als auf­ge­teil­te Ga­le­rie: An der lin­ken Wand hän­gen Wer­ke von ihm, rechts von ihr. „Ge­mein­sam ha­ben wir bei­spiels­wei­se die An­to­ni­us­kir­che in Eber­stein­burg aus­ge­malt“, er­zählt Can­d­ace Car­ter, die am Mai­fei­er­tag 66 Jah­re alt wird. An Sonn­ta­gen be­sucht das Paar oft den Got­tes­dienst in Karls­ru­hes ka­tho­li­scher Stadt­kir­che St. Ste­phan – für die Car­ter vier Por­traits von be­kann­ten Or­dens­leu­ten ge­schaf­fen hat. Die in­zwi­schen en­ge Ver­bin­dung zum Chris­ten­tum war für die Frau aus dem Mitt­le­ren Wes­ten der USA ein Wen­de­punkt. „Ich ge­hö­re ja zur Ge­ne­ra­ti­on der 1968er mit lin­ken Ide­en. Und als Do­nald Trump ge­wählt wur­de, hat­te ich zwei Ta­ge lang das Ge­fühl, ich wä­re von ei­nem Last­wa­gen über­fah­ren wor­den.“Gleich­zei­tig schöpft sie seit vie­len Jah­ren Im­pul­se aus der Be­schäf­ti­gung mit Men­schen der Mys­tik. „Ma­len ist dann für mich ei­ne spi­ri­tu­el­le Übung“. Und auch das ist ei­ne Kunst: ein Le­ben vol­ler In­ten­si­tät zu füh­ren, zwei Kin­der zu ha­ben, We­ge mit man­chen Wen­dun­gen ein­zu­schla­gen und mit Krea­ti­vi­tät plus Un­ter­richt das täg­lich Brot zu ver­die­nen. Karls­ru­he und sei­ne Kunst­sze­ne blie­ben im­mer ein Fix­punkt. Das in Ham­burg er­lern­te Deutsch Car­ters ist längst mit Ton­fall des Süd­wes­tens ver­mischt. Das neu­es­te Pro­jekt er­wei­tert noch­mals ih­re, wie sie selbst sagt, „Mix­tur“. Sie schreibt ei­nen Zu­kunfts­ro­man. Aus­stel­lun­gen und Na­tur der Re­gi­on sucht das Künst­ler­paar lie­ber auf als ent­fern­te Län­der. „Der Micha­els­berg über Un­ter­grom­bach ist ein Lieb­lings­platz und in Sulz­feld wer­de ich ab Spät­som­mer ei­nen Aus­stel­lungs­raum ha­ben – und Platz für den ,Frau­en­al­tar‘, be­rich­tet Car­ter. Je­nes 1979 ent­stan­de­ne Tri­pty­chon, das durch ganz Deutsch­land „wan­der­te“, ist so et­was wie die be­rühm­te Vi­si­ten­kar­te ei­ner un­prä­ten­tiö­sen Per­sön­lich­keit.

Sie kam als Stu­den­tin aus den USA nach Deutsch­land, stu­dier­te in Ham­burg an der Aka­de­mie und lebt seit 1983 in Karls­ru­he: die Ma­le­rin, Gra­fi­ke­rin und Per­for­mance-Künst­le­rin Can­d­ace Car­ter. Fo­to: Ar­tis

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