Das Ge­hirn

Ein Be­such in der Leit­stel­le von VBK und AVG

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region - Wolfgang We­ber

Wer als Laie auf den Bild­schirm von Micha­el Go­ren­flo schaut, ver­steht zu­nächst ein­mal gar nichts – nur Bahn­hof. Man sieht gel­be, ro­te und grü­ne Li­ni­en, ir­gend­wo blin­ken ein paar Lämp­chen. Das be­deu­tet: Am Bahn­über­gang in Mün­zes­heim gin­gen so­eben die Schran­ken run­ter, der Zug kann los­fah­ren. Go­ren­flo ist Zuglei­ter in der Zen­tra­len Leit­stel­le von VBK (Ver­kehrs­be­trie­be Karls­ru­he) und AVG (Alb­tal­Ver­kehrs­ge­sell­schaft). Hier, in der Karls­ru­her Ost­stadt, wird in ei­nem Drei­schicht­be­trieb rund um die Uhr das Ge­sche­hen auf dem rie­si­gen Stre­cken­netz kon­trol­liert, das sich von der Pfalz bis nach Heil­bronn und von Mosbach bis Freu­den­stadt er­streckt. Auch der Be­trieb der Stadt­bahn­li­ni­en S1 und S11 wird seit ei­ni­gen Wo­chen von hier aus ge­steu­ert, nach­dem die Alb­tal-Ver­kehrs­Ge­sell­schaft ih­re Zuglei­tung von Ett­lin­gen nach Karls­ru­he ver­legt hat. „Der Um­zug brach­te vie­le Vor­tei­le mit sich“, sagt Markus Fet­tig, Chef der AVG-Leit­stel­le. „Ab­stim­mungs­pro­zes­se wer­den er­leich­tert, so dass wir schnel­ler auf be­trieb­li­che Än­de­run­gen und Not­fäl­le re­agie­ren kön­nen.“Auch die Kun­den wür­den, so Fet­tig, von der neu­en Si­tua­ti­on pro­fi­tie­ren. „Die Kol­le­gen, die die Fahr­gast­in­for­ma­tio­nen für die An­zei­ge­ta­feln an den Hal­te­stel­len oder für den Ver­kehrsti­cker auf der Home­page ein­pfle­gen, sit­zen im glei­chen Raum. Die In­for­ma­ti­ons­ab­läu­fe wer­den da­durch ver­bes­sert.“Nicht nur op­tisch äh­neln die Ar­beits­plät­ze in der Leit­stel­le je­nen von Flug­lot­sen. Auch in­halt­lich kann man die Ar­beit durch­aus ver­glei­chen. „Nur dass eben die ,Flug­hö­he‘ bei uns im­mer Null Me­ter be­trägt“, sagt Fet­tig. Der 48-Jäh­ri­ge in­ter­es­sier­te sich schon als Kind für Zü­ge und Ei­sen­bah­nen und mach­te als 14-Jäh­ri­ger sein ers­tes Prak­ti­kum bei den Ver­kehrs­be­trie­ben. Wie ein Groß­teil der Mit­ar­bei­ter in der Leit­stel­le sitzt er manch­mal noch als „Trieb­fahr­zeug­füh­rer“in der ei­nen oder an­de­ren Bahn. „Den Be­trieb aus der Per­spek­ti­ve der Fah­rer zu ken­nen, ist un­ge­mein wich­tig.“Rund 80 Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter über­wa­chen in der Leit­stel­le den Tram- und Stadt­bahn­ver­kehr. Di­s­po­nen­ten und Fahr­dienst­lei­ter er­hal­ten über Mo­ni­to­re al­le re­le­van­ten In­fos zum Fahr­be­trieb, per Funk sind die mit den Fah­rern ver­bun­den, al­le Zug­be­we­gun­gen wer­den ver­folgt, bei Zwi­schen­fäl­len wird kor­ri­gie­rend ein­ge­grif­fen. „Die Kol­le­gen lei­ten bei Be­darf Bah­nen um, tau­schen de­fek­te Fahr­zeu­ge aus, zie­hen Bus­se für den Er­satz­ver­kehr her­an oder set­zen Re­pa­ra­tur­trupps in Marsch“, er­klärt Fet­tig. In Spit­zen­zei­ten sind bis zu 250 Bah­nen in ei­nem Schie­nen­netz von über 700 Ki­lo­me­tern gleich­zei­tig un­ter­wegs. „Die kleins­te Stö­rung kann sich wie bei ei­nem Do­mi­no-Ef­fekt aus­wei­ten.“Des­halb ar­bei­te man „pau­sen­los dar­an, Stö­run­gen so schnell wie mög­lich zu be­sei­ti­gen, da­mit al­le Fahr­gäs­te pünkt­lich und si­cher ihr Ziel er­rei­chen.“Wo­bei die Si­cher­heit im­mer das al­ler­wich­tigs­te Kri­te­ri­um sei – auch wenn die Bahn dann viel­leicht mal fünf oder sechs Mi­nu­ten spä­ter kommt.

Die Ar­beit äh­nelt je­ner von Flug­lot­sen

Die Leit­stel­le in der Karls­ru­her Ger­wig­stra­ße ist das „Ge­hirn“der bei­den Ver­kehrs­un­ter­neh­men AVG und VBK. Mit ih­ren rund 80 Mit­ar­bei­tern ist sie ei­ne der größ­ten in Süd­deutsch­land. Die Ar­beit an den Mo­ni­to­ren ist ver­gleich­bar mit der von Flug­lot­sen. Fo­to: Ar­tis

Blick auf ei­nen der Mo­ni­to­re: Die Mit­ar­bei­ter se­hen dort ge­nau, wo wel­cher Zug ge­ra­de steht oder fährt und wie pünkt­lich er ist. Fo­to: ww

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