Das Wort zum Sonn­tag

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region - von Bernhard Renz, Re­fe­rent für Ar­beit­neh­mer­pas­to­ral, Ras­tatt

Der rö­misch-ka­tho­li­sche Erz­bi­schof Don Hel­der Ca­ma­ra er­zähl­te ein­mal fol­gen­de Ge­schich­te: Zwei Kut­scher blie­ben auf ei­ner schlam­mi­gen Stra­ße im Dreck ste­cken. Bei­de spran­gen vom Kutsch­bock. Der ei­ne knie­te nie­der und be­te­te lang und in­nig. Der an­de­re spuck­te in die Hän­de, schob und zog un­ter Schrei­en und Flu­chen den Wa­gen, sporn­te die Tie­re an, leg­te Holz un­ter die Rä­der. Schließ­lich stieg ein En­gel vom Him­mel her­ab, um zu hel­fen, aber nicht dem from­men Be­ter, son­dern dem an­de­ren. Na­tür­lich zie­hen wir dar­aus nicht den Schluss, es sei rich­tig, dass wir un­flä­tig mit Schimpf­wör­tern um uns wer­fen und es ist nicht schlimm, dass wir flu­chen. Aber der­je­ni­ge, der Gott die Ver­ant­wor­tung für al­les auf­lädt und selbst nur be­tet, oh­ne groß ei­ge­ne An­stren­gun­gen zu un­ter­neh­men, der hat das Chris­ten­tum nicht ver­stan­den. Ora et la­bo­ra, be­te und ar­bei­te – nach die­ser Richt­schnur le­ben die Be­ne­dik­ti­ner. Gott steht uns dann zur Sei­te, wenn wir un­se­re Auf­ga­ben an­pa­cken; und wenn das vie­le tun, dann kön­nen wir mehr be­we­gen, als nur ei­nen Kar­ren aus dem Dreck zu zie­hen, dann kön­nen wir viel mehr er­rei­chen. Das be­deu­tet für uns Chris­ten: Wenn je­der an­packt, wenn wir uns ge­mein­sam für ei­ne fried­li­che­re ge­rech­te­re Ge­sell­schaft, wenn wir uns für un­se­re Mit­men­schen ein­set­zen, dann kön­nen vie­le mit ei­nem ge­mein­sa­men Ziel noch mehr be­we­gen als je­der für sich al­lein. Wir sind vie­le – wir sind eins. Un­ter die­sem Mot­to fei­ern die Ge­werk­schaf­ten am 1. Mai den Tag der Ar­beit. Da­bei dür­fen wir als Chris­ten nicht feh­len. Denn nur als Ge­mein­schaft sind wir stark – nur als Ge­mein­schaft ist es uns mög­lich, Ve­rän­de­run­gen zu er­rei­chen. Zu­sam­men schaf­fen wir das – pa­cken wir es an! Und wir kön­nen si­cher sein, dass Gott auf un­se­rer Sei­te ist und mit an­packt.

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