Se­nio­ren­re­si­denz: Al­ters­sitz für mü­de Zir­kus­bä­ren

Ei­ne Sta­ti­on in der Ukrai­ne als Zufluchts­ort für ge­schun­de­ne Zir­kus­tie­re

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite -

Bäu­me zum Klet­tern, Was­ser zum Pl­an­schen und täglich fri­schen Fisch und Ge­mü­se. Den fünf Braun­bä­ren geht es in ih­rem weit­läu­fi­gen Ge­he­ge in der ukrai­ni­schen Stadt Schy­to­myr of­fen­sicht­lich gut. Das war nicht im­mer so. In ih­rem frü­he­ren Le­ben wur­den die Tiere miss­han­delt und ge­quält – zur Be­lus­ti­gung im Zir­kus, zum Trai­ning für Jagd­hun­de oder als le­ben­di­ges Spiel­zeug. Bis sie die in Wi­en an­säs­si­ge Tier­schutz­or­ga­ni­sa­ti­on „Vier Pfo­ten“ret­te­te und in ih­re Bä­ren­sta­ti­on im Nord­wes­ten der Ukrai­ne brach­te. Seit 2012 gibt es die Sta­ti­on und schnell ent­wi­ckel­te sie sich zu ei­ner Haupt­at­trak­ti­on in der Re­gi­on. An die­sem Tag ist ei­ne Schul­klas­se zu Be­such. „Ich ha­be schon Bä­ren im Zoo in Kiew ge­se­hen, aber die wa­ren viel trau­ri­ger als die­se hier. Hier sind sie glück­lich“, sagt My­rosla­wa, ei­ne der Schü­le­rin­nen. Der An­blick der Bä­rin Ma­scha stimmt die Zehn­jäh­ri­ge den­noch trau­rig: „Sie ist frü­her schwer ge­schla­gen wor­den und hat jetzt Nar­ben.“„Ma­scha war in ei­nem schreck­li­chen Zu­stand, als wir sie be­kom­men ha­ben“, er­in­nert sich Olex­an­dr Leo­now, der die Bä­ren­sta­ti­on lei­tet. „Das Hals­band hat­te das Na­cken­fell weg­ge­scheu­ert, der Schwanz war ab­ge­ris­sen und die Schnau­ze zer­kratzt.“Ma­scha war da­zu miss­braucht wor­den, Hun­de für die Jagd auf Bä­ren ab­zu­rich­ten. Es sind Pri­vat­leu­te, die sich an die Bä­ren­sta­ti­on wen­den, wenn sie Tier­quä­le­rei be­ob­ach­ten. Die Mit­ar­bei­ter ge­hen dem Fall dann nach und ver­su­chen die Bä­ren in Si­cher­heit zu brin­gen. Kommt ein Braun­bär in der Bä­ren­sta­ti­on an, rei­sen Ve­te­ri­nä­re aus Ös­ter­reich oder Deutsch­land an, um das Tier zu un­ter­su­chen und zu imp­fen. „Es gilt als schick, sich zu Hau­se oder in ei­nem Re­stau­rant ei­nen Bä­ren zu hal­ten“, sagt Ta­ras Boy­ko, der bei „Vier Pfo­ten“für Wild­tie­re zu­stän­dig ist. Die meis­ten Jung­tie­re stam­men aus Russ­land, wo die Bä­ren­jagd er­laubt ist. „Die­se Bä­ren­jun­gen wer­den als Ge­schen­ke ge­kauft oder für das Trai­ning von Jagd­hun­den“, sagt Schkwyr­ja. „Auf dem Schwarz­markt be­gin­nen die Prei­se bei 945 Eu­ro und rei­chen bis zu meh­re­ren tau­send Dol­lar für ein Jun­ges.“Im Sep­tem­ber will die Tier­schutz­or­ga­ni­sa­ti­on ei­ne wei­te­re Bä­ren­sta­ti­on in der Re­gi­on Lem­berg (Lwiw) er­öff­nen. Denn die Braun­bä­ren wer­den ihr Re­ser­vat nicht mehr ver­las­sen. Durch die Ge­fan­gen­schaft hat sich ihr Ver­hal­ten der­art ver­än­dert, dass sie nicht mehr in der La­ge sind, in der Wild­nis mit Art­ge­nos­sen zu­sam­men­zu­le­ben. „Un­ser Pro­jekt gibt den Bä­ren die Chan­ce, den Rest ih­res Le­bens un­ter nor­ma­len Be­din­gun­gen zu ver­brin­gen“, sagt Schkwyr­ja. „Und es führt den Men­schen die Fol­gen der Tier­quä­le­rei vor Au­gen.“

Fo­to: AFP

Ge­müt­li­che Se­nio­ren­re­si­denz: Ein Braun­bär, der frü­her im Zir­kus schwer ar­bei­ten muss­te und miss­han­delt wur­de, ge­nießt sei­nen Le­bens­abend in der Bä­ren­sta­ti­on in der Ukrai­ne.

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