Ge­org Veit: Ein Mu­si­cal über Drais

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - Tho­mas Liebs­cher

Karls­ru­he und Mann­heim sind wich­ti­ge Le­bens­sta­tio­nen für den Er­fin­der des Fahr­rads: Karl Drais wur­de in Karls­ru­he ge­bo­ren, in Mann­heim mach­te er 1817 die ers­te do­ku­men­tier­te Fahrt mit sei­ner Lauf­ma­schi­ne. Karls­ru­he und Mann­heim sind eben­falls die bei­den prä­gen­den Städ­te für Ge­org Veit. Er schien al­so prä­des­ti­niert da­für, je­nes Stück zu schrei­ben, das Karl Drais und das Ju­bi­lä­um „200 Jah­re Fahr­rad“wür­digt. Veit stu­dier­te Ge­schich­te und Li­te­ra­tur in Karls­ru­he. Die Fä­cher­stadt ist seit­dem Hei­mat ge­wor­den. Gleich­zei­tig hat er ein krea­ti­ves Wohn­zim­mer in der Qua­dra­te­stadt. In Mann­heim ist er seit zwei Jahr­zehn­ten künst­le­ri­scher Lei­ter des gro­ßen Ver­an­stal­tungs­hau­ses Ca­pi­tol. Dort rea­li­sier­te 52-jäh­ri­ge Au­tor, Schau­spie­ler und Re­gis­seur zu­sam­men mit mu­si­ka­li­schen Köp­fen das be­ein­dru­cken­de Mu­si­cal „Karl Drais – Die trei­ben­de Kraft.“„Ich ver­leug­ne in Mann­heim nicht, dass ich gern Karls­ru­her bin und zwi­schen den Städ­ten pend­le. Von zu Hau­se zum Bahn­hof und in Mann­heim vom Bahn­hof bis zu un­se­rem Thea­ter in der Neckar­stadt neh­me ich üb­ri­gens im­mer das Fal­t­rad“, er­zählt Veit. Dass er in dem ehe­ma­li­gen Ki­no Ca­pi­tol mit 700 Plät­zen sei­ne künst­le­ri­sche Hei­mat fand, war Zu­pa­cken nach Zu­fall zu ver­dan­ken: „Ich mach­te mei­nen Zi­vil­dienst in Mann­heim und hat­te als Ak­teur bei Ama­teur­thea­tern in Bruch­sal Kon­tak­te. Als die ers­te Ei­gen­pro­duk­ti­on im Ca­pi­tol an­stand, es war ‚Der klei­ne Hor­ror­la­den‘, sprang ei­nen Tag vor dem Cas­ting und vier Wo­chen vor der Pre­mie­re der Re­gis­seur ab – und man frag­te mich.“Veit blieb gern hän­gen und bau­te bei­spiels­wei­se das Kin­der- und Ju­gend­thea­ter auf. Ein Li­bret­to schrieb er be­reits für das Mu­si­cal um die letz­ten drei Ta­ge von Ma­ri­lyn Monroe. Beim Stück über Drais steu­er­te Micha­el Her­ber­ger (Mit­be­grün­der der Söh­ne Mann­heims) die süf­fi­ge und teil­wei­se tief be­rüh­ren­de Mu­sik bei. Die Song­tex­te stam­men von Ri­no Ga­lia­no. Die Hand­lung wird von sechs Fi­gu­ren vor­an­ge­trie­ben: Drais Vater, ein Ge­richts­prä­si­dent, ist mit da­bei, ei­ne sei­ner vier Schwes­tern und ei­ne er­fun­de­ne Haus­häl­te­rin - mit kur­pfäl­zer Di­rekt­heit ge­spielt und ge­sun­gen von Ma­ri­on LaM­ar­ché. (Bei den Ett­lin­ger Schloss­fest­spie­len einst in der Rol­le Ja­nis Jo­p­lins.) Auch Han­na Gan­dor aus Karls­ru­he wirkt mit. Nächs­te Vor­stel­lung in Mann­heim ist am Mon­tag, 29. Mai. „Bei den Le­bens­um­stän­den von Drais ha­ben wir uns an das we­ni­ge ge­hal­ten, was wirk­lich klar ist, und nicht an die üb­len Nach­re­den“, be­tont Veit. Er sieht Drais gro­ße Er­fin­der­kraft – die ge­ni­al ein­fa­chen Idee, zwei Rä­der hin­ter­ein­an­der lau­fen zu las­sen, ist nur ein Teil sei­nes Wir­kens – durch ei­ne Zeit der ge­sell­schaft­li­chen „Mü­dig­keit“und po­li­ti­schen Re­stau­ra­ti­on ge­bremst. Man spürt wie Veit brennt für sei­ne Au­to­ren­und Thea­ter­ar­beit. Auch an Sonn­ta­gen, wenn er den ei­ge­nen Nach­wuchs gern in „sein“Kin­der­thea­ter mit­nimmt. An­sons­ten ist ihm die Fa­mi­li­en­zeit zu Hau­se wich­tig. Und Be­su­che im Staats­thea­ter. So­wie die Pfle­ge lang­jäh­ri­ger Karls­ru­her Ver­bin­dun­gen, bei­spiels­wei­se zum Ge­wer­be­hof mit dem Ca­fé Pa­la­ver.

Fo­to: Ar­tis

Ei­ner der trei­ben­den Kräf­te fürs er­folg­rei­che Karl-Drais-Mu­si­cal in Mann­heim ist der Karls­ru­her Ge­org Veit. Er schrieb den Text zum Stück, wähl­te die Ak­teu­re aus und führt Re­gie.

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