Ge­schenkt ist noch zu teu­er

Von Rei­se­gut­schei­nen bis hin zu an­geb­li­chen Te­st­rei­sen: Die fie­sen Tricks bei Rei­se­ge­win­nen

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Reise & Urlaub -

Herz­li­chen Glück­wunsch, Sie ha­ben ge­won­nen! Das Früh­jahr ist nicht nur Hoch­sai­son bei der Ur­laubs­pla­nung. Auch Gau­ner ha­ben Hoch­kon­junk­tur. Sie flu­ten Brief­kas­ten und Mail­post­fach mit un­se­riö­sen An­ge­bo­ten. Die Vor­freu­de aufs Fe­ri­en­glück trübt man­chem Ver­brau­cher die Sin­ne. Da denkt man an Son­ne und ver­drängt, dass nie­mand et­was zu ver­schen­ken hat. Ein Feh­ler, denn er­war­tungs­fro­hen Rei­sen­den wird gna­den­los das Geld aus der Ta­sche ge­zo­gen. Wir nen­nen die ty­pi­schen Ab­zo­cker-Me­tho­den und was sich da­ge­gen tun lässt. Der Trick mit dem Fe­ri­en­gut­schein ist der Klas­si­ker der Rei­se­gau­ne­rei­en. Wer freu­te sich auch nicht über die „Lu­xus­rei­se in die Tür­kei im Wert von 490 Eu­ro“? Für das ein­sam ge­le­ge­ne Ho­tel ist dann wirk­lich nichts zu zah­len, Essen und Ge­trän­ke sind aber oft völ­lig über­teu­ert. Ein­zi­ge Ab­wechs­lung: Aus­flü­ge zu ge­sal­ze­nen Prei­sen mit Ver­kaufs­ver­an­stal­tung. Tipp: Ort und La­ge des Ho­tels in ei­nem Be­wer­tungs­por­tal wie Ho­li­day­check prü­fen. Be­reits seit 2012 ist Ge­winn­wer­bung ver­bo­ten, bei der der Ver­brau­cher et­was zah­len muss, um die Prä­mie zu be­kom­men (EuGH, Az. C428/11). Trotz­dem wim­melt es wei­ter von un­se­riö­sen An­bie­tern. Die Ver­brau­cher­zen­tra­le Ham­burg hat ei­ne Lis­te mit mehr als 200 Un­ter­neh­men auf www.vzhh.de on­li­ne ge­stellt. Ihr Tipp: „Nicht mit­fah­ren. Nichts bestellen. Nicht an­ru­fen.“Das gilt auch für fol­gen­de Va­ri­an­ten:

Im In­ter­net ver­spricht ein An­bie­ter kos­ten­lo­se Über­nach­tun­gen in Lu- xus­ho­tels. Zu zah­len sind nur die Ne­ben­kos­ten und 49 Eu­ro „Be­ar­bei­tungs­ge­bühr“. Aber nicht nur Früh­stück und Essen, Flug und Trans­fers müs­sen teu­er be­zahlt wer­den, son­dern auch zahl­lo­se Ge­büh­ren: für dieVer­mitt­lung et­wa, Sai­son-, Ein­zel­zim­mer­und Die­sel­zu­schlag. Am En­de zahlt man drauf. Und weil das Ho­tel ja ge­schenkt war, kann man nicht mal re­kla­mie­ren.

Das wä­re doch was! Tat­säch­lich set­zen meh­re­re Fir­men auf die­se Ma­sche. Sie ver­spre­chen „Fe­ri­en zum Null­ta­rif in den teu­ers­ten Fünf­ster­ne­ho­tels“. Die Stif­tung Wa­ren­test hat es mehr­fach aus­pro­biert und ur­teilt: „Dum­men­fang“. Für 100 Eu­ro Abo­ge­büh­ren er­hält der „Tes­ter“nur ein­mal das An­ge­bot, ei­ne ein­fa­che Ab­stei­ge im tou­ris­ti­schen Nie­mands­land gra­tis zu tes­ten. Der Ho­te­lier spe­ku­liert auf zah­len­de Gäs­te für sein Re­stau­rant. Die Tes­ter ra­ten, das Geld zu­rück zu ho­len, wenn der Bank­ein­zug nicht zu lan­ge her ist.

Die freund­li­che Da­me am Te­le­fon macht ei­ne Um­fra­ge, als Be­loh­nung winkt ei­ne Gra­tis­rei­se. Bei ge­naue­rer Be­trach­tung stellt die sich frei­lich nur als hal­bes Dop­pel­zim­mer her­aus. Für ein Ein­zel­zim­mer heißt es kräf­tig auf­zah­len. Oder man über­re­det ei­nen Freund mit­zu­kom­men, der dann ei­nen völ­lig über­teu­er­ten Preis zahlt. Tipp: Be­loh­nung weg­wer­fen. Psy­cho­lo­gi­schen Zwang auf die Ge­win­ner aus­zu­üben, ist un­lau­te­rer Wett­be­werb und da­mit un­zu­läs­sig.

Ei­ne Nach­richt lan­det auf dem Han­dy, es ist ei­ne Rei­se-Ge­winn­mit­tei­lung. Ver­die­nen will vor­erst aber nur die Fir­ma: Der „Ge­win­ner“soll zu­rück­ru­fen. Wer dem Rück­ruf­re­flex nach­gibt, der ist so­fort bis zu zwei Eu­ro los. Dann knackst es ent­we­der nur, oder man lan­det in teu­ren End­losan­sa­gen vom Band, bis der An­ru­fer ent­nervt auf­gibt. Tipp: Kei­ne teu­ren Ser­vice­num­mern an­ru­fen. Wer nichts zu ver­ber­gen hat, nennt auch sei­ne Po­st­adres­se.

Ei­ne ur­al­te Bau­ern­fän­ger­me­tho­de: Der er­war­tungs­fro­he Ge­win­ner lan­det in ei­ner Wer­be­ver­an­stal­tung für La­ma­de­cken oder Time­sha­ring-Fe­ri­en­woh­nun­gen. Vor­sicht vor Ge­win­nen, die ab­ge­holt wer­den müs­sen.

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