„War noch nicht per­fekt“

Tho­mas Röh­ler hat Speer­wurf-Re­kord – und will mehr

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport - Chris­toph Leuch­ten­berg

Selbst beim besten Wurf sei­nes Le­bens schöpf­te Tho­mas Röh­ler nicht sein gan­zes Po­ten­zi­al aus – und be­wahr­te da­mit wohl ei­nen arg­lo­sen Ka­me­ra­mann vor dem jä­hen Kar­rie­re­en­de. Die­ser hat­te näm­lich sein Sta­tiv beim Speer­wurf-Wett­be­werb des Dia­mond-Le­ague-Mee­tings in Do­ha all­zu op­ti­mis­tisch auf der 95-Me­ter-Mar­ke auf­ge­baut. Röh­lers Ge­schoss schlug im vier­ten Durch­gang bei 93,90 Me­ter und vor den Fü­ßen des TV-Mit­ar­bei­ters ein – deut­scher Re­kord für den Jena­er, Rie­sen­glück für den stoi­schen Ka­me­ra­mann, der nicht ein­mal zuck­te. „Wie nah das am per­fek­ten Wurf war? Zu­min­dest war er nicht per­fekt“, sag­te Olym­pia­sie­ger Röh­ler nach sei­nem Rie­sen­coup beim Sai­son­ein­stand dem Sport­in­for­ma­ti­ons­dienst (sid): „Es hat ja schließ­lich schon je­mand wei­ter ge­wor­fen, al­so kann es noch bes­ser ge­hen.“Die Wei­ten­jagd ist da­mit er­öff- net, selbst die irr­wit­zi­ge 100-Me­ter-Mar­ke scheint nicht il­lu­so­risch zu sein. 1984 hat­te DDR-Iko­ne Uwe Hohn in Ber­lin das al­te Speer-Mo­dell mit sei­nem le­gen­dä­ren Wurf auf 104,80 Me­ter in Ren­te ge­schickt – durch­lö­cher­te Zu­schau­er in der Ge­gen­kur­ve woll­te der Welt­ver­band dann doch nicht ris­kie­ren. Mit dem ak­tu­el­len Ar­beits­ge­rät hat nur ei­ner wei­ter ge­wor­fen, als es Röh­ler am Frei­tag­abend in Ka­tar tat: Der Tsche­che Jan Ze­lez­ny hält seit 1996 den Welt­re­kord mit 98,48 Me­ter, er­zielt in Röh­lers Hei­mat­stadt Je­na – ein Re­likt aus ei­ner, vor­sich­tig aus­ge­drückt, an­de­ren Wurf-Epo­che. „Ich bin jetzt ei­ner von Zwei­en, die so weit ge­wor­fen ha­ben. Das macht im Mo­ment schon ex­trem glück­lich“, sag­te Röh­ler, der den al­ten deut­schen Re­kord von Ray­mond Hecht aus dem Jahr 1995 (92,60) pul­ve­ri­sier­te. Da­bei hat­te Röh­ler vor der Abrei­se nach Do­ha noch ge­sagt: „Die ers­ten vier bis fünf Wett­kämp­fe sind ei­gent­lich nur ein Trai­ning auf sehr ho­hem

Auch der Of­fen­bur­ger Jo­han­nes Vet­ter stark

Ni­veau.“Nun wur­de gleich der Sai­son­auf­takt zu ei­nem Traum­start ins WM-Jahr – bei den Ti­tel­kämp­fen in Lon­don (4. bis 13. Au­gust) kann Röh­ler als drit­ter Speer­wer­fer nach Ze­lez­ny und Andre­as Thor­kild­sen (Nor­we­gen) Olym­pia­sie­ger und Welt­meis­ter wer­den. „Zu die­sem frü­hen Sai­son­zeit­punkt sind die 93 von heu­te schon gi­gan­tisch. Wir wer­den aber von un­se­rem Weg Rich­tung WM nicht ab­wei­chen“, sag­te Röh­ler. In des­sen Schat­ten ging in Do­ha fast ein we­nig un­ter, dass Jo­han­nes Vet­ter (Of­fen­burg) als Zweit­plat­zier­ter mit per­sön­li­cher Best­leis­tung von 89,68 Me­ter bei­na­he zum vier­ten deut­schen 90-Me­ter-Wer­fer der Ge­schich­te ge­wor­den wä­re.

Sai­son­ein­stand mit Pau­ken­schlag: Spee­wer­fer Tho­mas Röh­ler (Je­na) er­ziel­te beim Mee­ting in Do­ha mit 93,90 Me­ter ei­nen gran­dio­sen deut­schen Re­kord. Stark war auch Jo­han­nes Vet­ter (LG Of­fen­burg/89,68). Fo­to: avs

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