Boo­men­de Floor­ball-Szene

Ent­wick­lung so schnell wie das Spiel

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport - Ekart Kin­kel

Wenn die Eis­ho­ckey­sai­son in die Som­mer­pau­se geht, wer­den in Skan­di­na­vi­en die Schlitt­schu­he in den Schrank ge­packt und die Floor­ball-Schlä­ger her­aus­ge­holt. Seit vie­len Jah­ren ist das schnel­le Mann­schafs­spiel vor al­lem in Finn­land und Schwe­den ei­ne der be­lieb­tes­ten Sport­ar­ten. Die wich­tigs­ten Floor­ball-Par­ti­en ge­hen dort re­gel­mä­ßig vor weit über 10 000 Zu­schau­ern über die Büh­ne. Die WM 2014 in Schwe­den wur­de von rund 200 000 Zu­schau­ern ver­folgt.

Jun­ge Sport­art auch in Karls­ru­he auf Vor­marsch

In Deutsch­land ge­hört das auch als Uni­ho­ckey be­kann­te Spiel zwar noch zu den Rand­sport­ar­ten. Doch in Karls­ru­he hat sich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ei­ne echte Floor­bal­lSze­ne ent­wi­ckelt und im Früh­jahr fei­er­te die Mann­schaft der DJK Karls­ru­he-Ost mit dem Ge­winn der Meis­ter­schaft in der Re­gio­nal­li­ga Süd den bis­her größ­ten Er­folg der jun­gen Ver­eins­ge­schich­te. Beim End­tur­nier mit den besten Re­gio­nal­li­ga­ver­tre­tern be­leg­te die DJK dann am En­de zwar nur den vier­ten und da­mit letz­ten Platz, am po­si­ti­ven Run­den­fa­zit von Ab­tei­lungs­lei­ter Mat­thi­as Bren­zin­ger än­der­te dies al­ler­dings nichts. „Die­se Sai­son war ein­fach der Ham­mer“, schwärmt er an­ge­zin­ger sichts von sie­ben Sie­gen und nur ei­ner Nie­der­la­ge in der Re­gio­nal­li­ga­run­de. Vor sie­ben Jah­ren be­gann die Floor­ball-Ge­schich­te in der Fä­cher­stadt mit ei­ner von Bren­zin­ger ge­grün­de­ten Hoch­schul­grup­pe. Mit der Auf­nah­me des Floor­ball-Ver­ban­des Ba­den-Würt­tem­berg in den Ba­di­schen Sport­bund (BSB) wur­de im März ei­ne wei­te­re Wei­che zur fes­ten Ver­an­ke­rung des Trend­sports, der di­ver­se Ele­men­te von Eis- oder Hal­len­ho­ckey ver­eint, in der re­gio­na­len Sport­land­schaft ge­stellt. „Die Ent­wick­lung war so schnell wie das Spiel“, sagt Bren­zin­ger mit ei­nem Schmun­zeln, denn beim Stock­ball­spiel sind Schnel­lig­keit und Kon­di­ti­on Trumpf. Wäh­rend ei­ner Be­geg­nung sind die Spie­ler qua­si per­ma­nent in Be­we­gung. An­sons­ten braucht es zum Floor­ball spie­len nicht be­son­ders viel. Ein paar fes­te Turn­schu­he, ei­nen Satz Schlä­ger mit ge­schwun­ge­ner Kunst­stoff­schau­fel und na­tür­lich noch den klei­nen, wei­ßen Plas­tik­ball mit sei­nen 26 Lö­chern. Das Re­gel­werk ist eben­falls recht über­schau­bar und auch für Lai­en schnell zu durch­schau­en: Bo­dy­checks und Wegsto­ßen sind ta­bu. Leich­tes Drü­cken beim Kampf um den Ball da­ge­gen er­laubt. Um das ra­san­te Spiel noch schnel­ler zu ma­chen, ist der Rück­pass zum Tor­hü­ter ver­bo­ten, der Fuß­pass hin­ge­gen er­laubt. Der Schlä­ger­kopf soll­te sich stets un­ter­halb der Hüf­te be­fin­den und in ei­ner Zo­ne vor dem Ge­häu­se darf sich le­dig­lich der je­wei­li­ge Kee­per auf­hal­ten. We­gen der ein­fa­chen Re­geln und der gro­ßen Dy­na­mik ist Floor­ball für Bren­zin­ger auch ein idea­ler Sport für Quer­ein­stei­ger. „Aber die Leu­te dau­er­haft an den Ver­ein zu bin­den, ist lei­der nicht ein­fach“, weiß er, und die Fluk­tua­ti­on in­ner­halb des Teams sei doch recht hoch. Für die „exo­ti­schen Farb­tup­fer“sor­gen in ste­ter Re­gel­mä­ßig­keit die skan­di­na­vi­schen Spie­ler, denn Aus­land­stu­den­ten aus Finn­land und Schwe­den ge­hö­ren bei der DJK seit der ers­ten St­un­de zu den Leis­tungs­trä­gern. Durch die Grün­dung ei­ner Floor­ball-Ab­tei­lung beim Mehr­spar­ten­ver­ein Post Süd­stadt Karls­ru­he be­kam die Floor­ball-Szene in der Fä­cher­stadt zu­dem ei­nen wei­te­ren Schub. Beim PSK steht vor al­lem die Nach­wuchs­ar­beit im Pro­gramm und durch ei­ne Ko­ope­ra­ti­on mit der ver­eins­ei­ge­nen Kin­der­sport­schu­le (KiSS) sol­len Mäd­chen und Jun­gen früh für das Floor­ball-Spiel be­geis­tert wer­den. Mit der Auf­nah­me des Floor­ball-Ver­ban­des in den BSB wur­de für Mat­thi­as Bren- ein wei­te­rer wich­ti­ger Schritt in Rich­tung Brei­ten­sport un­ter­nom­men. Denn nun winkt nicht nur die Auf­nah­me in den Lan­des­sport­bund, auch För­der­gel­der für den Trai­nings­be­trieb und ei­ne bes­se­re Aus­bil­dung der Übungs­lei­ter schei­nen nur noch ei­ne Fra­ge der Zeit.

Gilt als die am schnells­ten wach­sen­de Mann­schafts­sport­art: Floor­ball. In fast 60 Mit­glieds­staa­ten des Welt­ver­ban­des gibt es mitt­ler­wei­le knapp zwei Mil­lio­nen An­hän­ger. Floor­ball Deutsch­land ver­eint als Dach­ver­band über 10 000 Spie­ler. Von den Na­tio­nal­mann­schaf­ten und Bun­des­li­gen bis zum Brei­ten­sport. Fo­to: ima­go

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