R. Gre­go­ry Chris­tie: Ein Buch über John F. Ken­ne­dy

R. Gre­go­ry Chris­tie hat zum 100. Ge­burts­tag von John F. Ken­ne­dy ein Kin­der­buch il­lus­triert

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - In­ter­view: Tan­ja Ka­sisch­ke

Für Ber­lins Kin­der war der 26. Ju­ni 1963 ein tol­ler Tag. Sie hat­ten schul­frei, weil der ame­ri­ka­ni­sche Prä­si­dent John F. Ken­ne­dy die Stadt be­such­te. Er fuhr mit ei­nem Au­to­kor­so durch Berlin und hielt ei­ne Re­de vor dem Rat­haus im Stadt­teil Schö­ne­berg, in der er den be­rühm­ten Satz sag­te: „Ich bin ein Ber­li­ner!“Die Be­völ­ke­rung ju­bel­te, weil er sich an die deut­sche Aus­spra­che wag­te. Er woll­te zei­gen, dass die USA Freun­de und Ver­bün­de­te West-Ber­lins wa­ren. Vor 54 Jah­ren hat­te die Aus­sa­ge des Prä­si­den­ten gro­ße Be­deu­tung, da­mals war Berlin ei­ne ge­teil­te Stadt. John F. Ken­ne­dy und sei­ne Re­de sind un­ver­ges­sen. Men­schen welt­weit kön­nen da­mit et­was an­fan­gen, auch wenn sie 1963 noch gar nicht ge­bo­ren wa­ren. Wie R. Gre­go­ry Chris­tie. Sei­ne Ge­schich­te und was er mit John F. Ken­ne­dy ver­bin­det, des­sen Ge­burts­tag sich 29. Mai 2017 zum 100. Mal jährt, ver­rät Gre­go­ry im In­ter­view. Gre­go­ry, du bist Il­lus­tra­tor und zeich­nest Ge­schich­ten für und über Kin­der. Im Buch „Zeit, zu han­deln“von dir und der Au­to­rin Sha­na Co­rey geht es in­des um ei­nen er­wach­se­nen Po­li­ti­ker, John F. Ken­ne­dy, den US-Prä­si­den­ten von 1961 bis 1963. Wie fühlt es sich an, ei­nen so be­rühm­ten Mann zu zeich­nen?

R. Gre­go­ry Chris­tie: Es fühlt sich sehr gut an. Ich lie­be es, Por­traits zu zeich­nen. Das be­zie­he ich nicht nur auf Ken­ne­dy, im Buch kom­men wei­te­re Per­so­nen vor, die da­mals wich­tig wa­ren und viel be­wirk­ten, zum Bei­spiel der Bür­ger­recht­ler Mar­tin Lu­ther King. Er war schwarz und Pfar­rer in der Stadt At­lan­ta. Er hat sich da­für ein­ge­setzt, dass far­bi­ge US-Ame­ri­ka­ner die­sel­ben Rech­te be­kom­men, wie Wei­ße, dar­un­ter das Recht zu wä­hist len. Prä­si­dent Ken­ne­dy mach­te dar­aus ein Ge­setz. Ein so wich­ti­ges Er­eig­nis in der Ge­schich­te mei­nes Lan­des als Kin­der­buch um­zu­set­zen, war toll. Spielt es für dich ei­ne Rol­le, dass Kin­der heut­zu­ta­ge John F. Ken­ne­dy nur aus Er­zäh­lun­gen ken­nen? Chris­tie: Ja. Zeich­nun­gen wir­ken an­ders als Fotos. Ich ha­be ver­sucht, die Ge­sichts­zü­ge der Per­so­nen nicht zu deut­lich zu zeich­nen. Das ist so, als lässt man ei­ne Tür of­fen für die Le­ser, den Raum da­hin­ter zu er­kun­den. Die ab­ge­bil­de­te Per­son bleibt er­kenn­bar, aber was sie in der Si­tua­ti­on denkt oder fühlt, darf je­der für sich deu­ten. Du bist 1971 ge­bo­ren und hast John F. Ken­ne­dy nicht selbst er­lebt. Was ha­ben dir dei­ne El­tern oder Groß­el­tern von ihm er­zählt oder was hast du über ihn in der Schu­le ge­lernt?

Chris­tie: Ken­ne­dy zählt zu den wich­tigs­ten Per­so­nen in der Ge­schich­te der USA. Nicht nur weil er Prä­si­dent war. Er war es in ei­ner schwie­ri­gen Zeit, als welt­wei­te Kon­flik­te wie die Tei­lung Ber­lins von den Re­gie­run­gen viel Ge­duld und Di­plo­ma­tie er­for­der­ten. Ei­ne fal­sche Ent­schei­dung – und ein Krieg hät­te ge­droht. John F. Ken­ne­dy stand für ei­ne Po­li­tik, die sich we­ni­ger um Macht und mehr um die Men­schen dreh­te. Er ist auch un­ver­ges­sen, weil er früh starb. Der Prä­si­dent wur­de bei ei­nem At­ten­tat er­schos­sen. In der Ge­ne­ra­ti­on mei­ner El­tern weiß wirk­lich je­der, was er am Tag des At­ten­tats, dem 22. No­vem­ber 1963, gera­de mach­te, als die Nach­rich­ten den Tod des Prä­si­den­ten mel­de­ten. Du hast über Mar­tin Lu­ther King ge­spro­chen. Ist er für die USA eben­so wich­tig wie Ken­ne­dy?

Chris­tie: Ich wür­de sa­gen, ja. Ein Grund für mei­ne Wahr­neh­mung ist si­cher, dass ich selbst schwarz bin. Ich bin in den USA ge­bo­ren und auf­ge­wach­sen, mei­ne El­tern sind Ame­ri­ka­ner, mein Groß­va­ter stamm­te aus Ja­mai­ka. Mit die­sem Hin­ter­grund ge­hör­te es ein­fach da­zu, Mar­tin Lu­ther King zu ken­nen. Ich le­be heu­te in At­lan­ta, der Stadt, die auch sein Zu­hau­se war. Das heißt, wie du ver­bin­den al­le Men­schen in At­lan­ta et­was mit ihm?

Chris­tie: Nein, das ist tat­säch­lich an­ders. Die Leu­te kön­nen mit dem Na­men et­was an­fan­gen, aber sie ha­ben ver­ges­sen, was Kings Traum war: Dass al­le US-Bür­ger glei­che Bil­dungs­chan­cen ha­ben, ei­nen Be­ruf ler­nen und im Le­ben et­was er­rei­chen kön­nen. Das aber nicht die Wirk­lich­keit. Ich fän­de es schön, Kings Zie­le wür­den wie­der spür­ba­rer. Viel­leicht er­gibt sich das aus dem Ken­ne­dy­Ju­bi­lä­um. Viel­leicht trägt auch dein Buch da­zu bei! Die Zeich­nun­gen sind so le­bens­echt ge­lun­gen, wel­che Vor­la­gen hast du ver­wen­det?

Chris­tie: Ich ha­be Fil­me und Do­ku­men­ta­tio­nen aus den 1960er Jah­ren im Fern­se­hen an­ge­schaut, um mich in die Zeit da­mals hin­ein­zu­ver­set­zen: Wie ha­ben sich die Men­schen be­wegt? Was hat­ten sie für Kla­mot­ten an? Und dann ha­be ich mich na­tür­lich an Fotos ori­en­tiert.

Ab­bil­dun­gen: Gre­go­ry Chris­tie / Nord-Süd-Ver­lag

Am 29. Mai vor 100 Jah­ren wur­de John F. Ken­ne­dy ge­bo­ren. Vor 54 Jah­ren wur­de er bei ei­nem At­ten­tat ge­tö­tet. Das lin­ke und das mitt­le­re Bild stam­men aus dem Buch „Zeit, zu han­deln“, er­schie­nen im Nord-Süd-Ver­lag. Das Buch (rechts das Co­ver) kos­tet 18 Eu­ro und ist für Kin­der ab acht Jah­ren. Das Bild in der Mit­te zeigt John F. Ken­ne­dy als Prä­si­dent bei sei­ner be­rühm­ten Berlin-Re­de am 26. Ju­ni 1963: Da­mals sag­te er den be­rühm­ten Satz: „Ich bin ein Ber­li­ner!“

Fo­to: privat

R. Gre­go­ry Chris­tie ist zu jung, um Ken­ne­dy noch er­lebt zu ha­ben. Er hat sich aber vie­le Fil­me und Do­ku­men­ta­tio­nen über ihn an­ge­schaut.

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