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Der Sonntag (Mittelbaden) - - Tipps & Themen - Bo

Macht, „po­ten­tia“, Po­tenz: Dar­um dreh­te sich al­les, im Krieg wie in der Lie­be. Weib­li­cher Wi­der­stand feu­er­te die männ­li­che Ero­be­rungs­be­gier­de erst rich­tig an. So ha­ben Ka­ri­ka­tu­ris­ten die von vie­len Sei­ten be­dräng­te Ma­ria The­re­sia von Ös­ter­reich (17171780) kurz nach ih­rem Re­gie­rungs­an­tritt schon mal als Op­fer ei­ner Ver­ge­wal­ti­gung dar­ge­stellt. Be­son­ders dreist agier­te der Preu­ßen­kö­nig Fried­rich II.: Er mar­schier­te ins wohl­ha­bends­te Ter­ri­to­ri­um der Habs­bur­ger Mon­ar­chie ein, und be­grün­de­te dies da­mit, dass er der schutz­lo­sen Erb­toch­ter doch nur hel­fen wol­le – vor­aus­ge­setzt, sie tre­te ihm Schle­si­en ab. Über 1 000 Sei­ten – bei der Ma­ria-The­re­sia-Bio­gra­fie von Bar­ba­ra Stoll­berg-Ri­lin­ger kommt die Lust beim Le­sen. Die His­to­ri­ker­preis­trä­ge­rin ent­klei­det die Kö­ni­gin (als Erb­toch­ter) und Kai­se­rin (als Ehe­frau) kon­se­quent von den My­then, die den nüch­ter­nen Blick auf die spät­ba­ro­cke Herr­sche­rin ver­ne­beln. Zugleich zeich­net sie das Panorama ei­ner Epo­che, die ganz an­ders tick­te als das bür­ger­li­che 19. Jahr­hun­dert oder die Ge­gen­wart. Ei­ner Epo­che, in der „Wei­ber­herr­schaft“vor­kam, aber hei­kel war – und die vor 300 Jah­ren ge­bo­re­ne Ma­ria The­re­sia schon des­halb ei­ne Aus­nah­me­per­sön­lich­keit, weil sie das Ge­schäft des Re­gie­rens mit gro­ßer Akri­bie be­trieb. Bar­ba­ra Stoll­berg-Ri­lin­ger, Ma­ria The­re­sia. Die Kai­se­rin in ih­rer Zeit. Ei­ne Bio­gra­phie, 1083 Sei­ten, C.H.Beck Ver­lag, 34 Eu­ro. ★★★★★

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