Mit „Sher­lock“durch London

Der Meis­ter­de­tek­tiv lockt Se­ri­en­fans in Mas­sen nach London

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Reise & Urlaub - Bea­te Baum

Doch, es ist nach­voll­zieh­bar! Die Ba­ra­cke der „Smith­field Am­bu­lan­ce“ver­deckt das Erd­ge­schoss des St Bar­tho­lo­mews Kran­ken­hau­ses. Platz ge­nug für ein Sprung­kis­sen, auf dem Be­ne­dict Cum­ber­batch als Sher­lock zum En­de der zwei­ten Staf­fel der BBC-Se­rie si­cher lan­den konn­te. Fans rings um den Glo­bus rät­seln bis heu­te, wie der De­tek­tiv den Sprung vom Dach über­lebt hat. Von ei­nem Dach, das be­reits ein we­nig ver­fal­len aus­sieht; die gan­ze lin­ke Seite scheint leer zu ste­hen. Ein­zel­ne Fens­ter sind zu­ge­na­gelt. Grund­sätz­lich wird das äl­tes­te Kran­ken­haus Eu­ro­pas je­doch noch ge­nutzt und das Vier­tel am Smith­field Mar­ket, dem Fleisch­markt im Her­zen Lon­dons, ist ein sehr quir­li­ges. London und Sher­lock Hol­mes. Auch wenn Co­n­an Doyle als zu­ge­zo­ge­ner Schot­te teil­wei­se mit Blick auf den Stadt­plan ar­bei­te­te und man­che Be­schrei­bun­gen not­ge­drun­gen va­ge hielt, fin­det man heu­te noch vie­le Stät­ten aus sei­nen Ge­schich­ten in der bri­ti­schen Haupt­stadt wie­der. Die Baker Street kön­nen Stadt­be­su­cher auf den Spu­ren des De­tek­tivs da­bei ver­nach­läs­si­gen. Zu­min­dest das Mu­se­um in Num­mer 239 – das mit Son­der­ge­neh­mi­gung die Zahl B trägt. Zwar sind in dem schmu­cken Stadt­haus di­ver­se Räu­me nach Be­schrei­bun­gen in Doy­les Ge­schich­ten aus­ge­stat­tet; ob das je­doch 15 Pfund Ein­tritt und mit­un­ter lan­ge War­te­zei­ten Wert ist, er­scheint frag­lich. Zu­mal es im Mu­se­um of London ein hübsch nach­ge­bau­tes Vik­to­ria­ni­sches Kar­ree bei frei­em Ein­lass zu er­le­ben gibt und im „ Sher­lock Hol­mes“, ei­nem Pub na­he Tra­fal­gar Squa­re, ei­ne stim­mungs­vol­le Samm­lung an Ar­te­fak­ten so­wie ein nach­ge­stell­tes De­tek­tiv-Ar­beits­zim­mer im ers­ten Stock. Al­les ge­müt­lich bei ei­nem Bier und viel­leicht ei­nem „Mrs Hud­son Steak & Ale Pie“zu ge­nie­ßen. „Frü­her hieß die Kn­ei­pe The Nor­thum­ber­land Arms“, weiß Ruth Sil­lers, die ei­ne klei­ne Grup­pe Neu­gie­ri­ger auf Doy­les und Hol­mes Spu­ren durch den Be­zirk um Cha­ring Cross führt. Der Pub taucht in vie­len Ge­schich­ten auf und zieht Fans der BBC-Se­rie mit Be­ne­dict Cum­ber­batch ma­gisch an. Die 16-jäh­ri­ge In­de­rin De­vya­ni Sai­ni ist be­gie­rig auf al­le De­tails. „Ein paar Ge­schich­ten von Co­n­an Doyle ha­be ich auch schon ge­le­sen“, sagt sie und be­rich­tet dann ein we­nig ent­täuscht, dass „Spee­dy’s“ge­schlos­sen war, als sie dort war. „Sie wis­sen schon, in der North Go­wan Street, wo die Se­rie ge­dreht wird.“Die rea­le Sand­wich-Bar wur­de von An­fang an in den Dreh­plan ein­be­zo­gen, na­tür­lich gibt es dort mitt­ler­wei­le auch „Sher­lo­ckWraps“. „Der Tra­fal­gar Squa­re mit der Na­tio­nal­Ga­le­rie tauch­te aber auch in der Se­rie auf“, trös­tet Ruth Sil­lers das Mäd­chen und rät ihr noch zu ei­nem Spa­zier­gang durch das No­bel­vier­tel Bel­gra­via. „Da kannst du Ms Ad­lers Vil­la se­hen.“Vie­le Sze­nen der be­lieb­ten ak­tua­li­sier­ten Doyle-Ad­ap­ti­on wur­den nicht in London ge­dreht. Denn selbst für BBC ist es un­mög­lich, dau­er­haft gan­ze Stra­ßen­zü­ge sper­ren zu las­sen. So muss­ten für nicht so leicht wie­der er­kenn­ba­re Ge­gen­den Or­te in Wa­les die­nen. Das vik­to­ria­ni­sche London Co­n­an Doy­les lässt sich da­ge­gen noch wun­der­bar in der Stadt auf­spü­ren. Vor al­lem im West-End, bis heu­te das Thea­ter­vier­tel. Im „Adel­phi“ließ der Au­tor ei­ne Thea­ter­ver­si­on von „Das ge­spren­kel­te Band“auf­füh­ren, im „Ru­les“, dem äl­tes­ten Re­stau­rant Lon­dons, speis­te Doyle gern mit Ru­dyard Ki­pling und Robert Lou­is Ste­ven­son. Und gleich um die Ecke saß das „Strand“-Ma­ga­zin, in dem die Ge­schich­ten er­schie­nen. Am Tou­ris­ten­ma­gnet Co­vent Gar­den, dem Platz mit den ehe­ma­li­gen Markt­hal­len, wo heu­te Pan­to­mi­men und Stra­ßen­mu­si­ker um die Gunst der Be­su­cher wett­ei­fern, macht Ang­lis­tin und London-Ken­ne­rin Sil­lers ih­re Grup­pe noch auf ei­nen Feh­ler in Doy­les „Der blaue Kar­fun­kel“auf­merk­sam: „In der Weih221 nachts­ge­schich­te wer­den hier die Gän­se ver­kauft. Aber Co­vent Gar­den war im­mer ein Blu­men- und Ge­mü­se-Markt“, so die Stadt­füh­re­rin.

Zieht „Sher­lock“-Fans ma­gisch an: Der Pub in der Nor­thum­ber­land Street, un­weit Cha­ring Cross Sta­ti­on und Tra­fal­gar Squa­re, von au­ßen. Fo­to: Baum

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