Spek­ta­ku­lä­re Bau­stel­le

Die al­te Zug­spit­ze-Seil­bahn weicht ei­nem Neu­bau

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Reise & Urlaub - Hans-Wer­ner Ro­dri­an

Jähr­lich fah­ren ei­ne hal­be Mil­li­on Men­schen auf Deutsch­lands höchs­ten Berg. Die­sen Som­mer be­kommt die Zug­spit­ze ei­nen neu­en Lift: Nach 54 Jah­ren Be­trieb hat die gu­te al­te Eib­see-Seil­bahn An­fang April ih­ren Be­trieb ein­ge­stellt. Wenn al­les klappt, dann soll der Nach­fol­ger am 21. De­zem­ber in Be­trieb ge­hen. Wäh­rend der Bau­zeit ge­langt man als Be­su­cher mit der fast hun­dert Jah­re al­ten Zahn­rad­bahn und von dort mit der klei­nen Gip­fel­bahn vom Glet­scher auf den Zug­spitz­gip­fel. Auf der ös­ter­rei­chi­schen Seite schwebt zu­dem die Ti­ro­ler Zug­spitz­bahn von Ehr­wald hoch. Wie auch im­mer: Wer sich ak­tu­ell zur Auf­fahrt ent­schließt, der er­lebt ei­ni­ges an Bau­lärm, aber auch ei­nen ganz be­son­de­ren Blick auf Deutsch­lands spek­ta­ku­lärs­te Bau­stel­le. Beim Be­trach­ten von Schwei­ßern und Stahl­bau­ern stockt selbst hart­ge­sot­te­nen Na­tu­ren der Atem. Die Berg­sta­ti­on aus Stahl und Glas ragt nicht we­ni­ger als 30 Me­ter weit über den Ab­grund hin­aus. Und über die nack­ten Stahl­trä­ger spa­zie­ren die Ar­bei­ter, als ob das gar nichts wä­re. Un­ter ih­nen ist tat­säch­lich 1500 Me­ter lang nichts. Da­ge­gen wir­ken die be­rühm­ten Zwan­zi­ger-Jah­re-Fotos von den New Yor­ker Hoch­haus­bau­ern wie Kinderkram. Al­les an dem Neu­bau ist ex­trem. Und die neue Bahn sam­melt be­reits vor ih­rer Fer­tig­stel­lung Welt­re­kor­de. Sie wird den welt­weit größ­ten Hö­hen­un­ter­schied ei­ner Seil­bahn in ei­ner Sek­ti­on auf­wei­sen, 1 945 Me­ter geht es oh­ne Zwi­schen­halt in die Hö­he. Das Seil über­brückt da­bei stüt­zen­los ei­ne Dis­tanz, so groß wie nir­gend­wo auf der Welt: Von der ein­zi­gen vor­ge­se­he­nen Stüt­ze bis zur Berg­sta­ti­on hängt es 3 213 Me­ter frei in der Luft. Die Stüt­ze selbst ist eben­falls ein­ma­lig: Sie wird 127 Me­ter hoch sein – auch das ist Welt­re­kord. Mit 600 Per­so­nen pro St­un­de trans­por­tiert die neue Zug­spitz­bahn mehr als dop­pelt so vie­le Gäs­te wie zu­vor. Ein Bau­ta­ge­buch lis­tet die nächs­ten vor­ge­se­he­nen High­lights. So wer­den die Be­su­cher im Ok­to­ber zu­se­hen kön­nen, wenn ein wei­te­rer Hö­he­punkt des Baus er­war­tet wird: der Seil­zug der vier je 150 Ton­nen schwe­ren Trag­sei­le. Wer sich für Tech­nik be­geis­tert, der kann sich auch da­vor schon zwei­mal täg­lich ei­ner Bau­stel­len­füh­rung an­schlie­ßen: Sie star­tet um 9.45 Uhr und 15 Uhr und dau­ert je­weils 45 Mi­nu­ten. Die Tou­ren be­gin­nen stets vor dem Ki­osk im ers­ten Stock der Berg­sta­ti­on und sind – bis auf das Auf­fahrt­sti­cket – kos­ten­los. Bei der Füh­rung er­fährt man dann auch, dass die neue Seil­bahn an­ders hei­ßen wird als die al­te „Baye­ri­sche Zug­spitz­bahn“: Sie nennt sich ganz in­ter­na­tio­nal „Seil­bahn Zug­spit­ze“. Das, so hofft man, kön­nen In­der und Chi­ne­sen bes­ser aus­spre­chen. Und die wer­den ge­braucht, um die 50 Mil­lio­nen Eu­ro Bau­kos­ten wie­der her­ein zu ho­len. Das Bau­ta­ge­buch im In­ter­net ist zu fin­den un­ter: www.zug­spit­ze.de Wet­ter­te­le­fon (0 88 21) 79 79 79.

Neu­bau der Ex­tre­me: Die neue Zug­spitz­bahn sam­melt schon vor ih­rer Fer­tig­stel­lung Re­kor­de. Sie wird den welt­weit größ­ten Hö­hen­un­ter­schied ei­ner Seil­bahn in ei­ner Sek­ti­on auf­wei­sen. Das gan­ze oh­ne Stüt­zen. Fo­to: Baye­ri­sche Zug­spitz­bahn Berg­bahn AG

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