„Die Au­ra des Ech­ten“

Bis En­de Ok­to­ber kann man die Gr­ab­ka­pel­le im Karls­ru­her Hardtwald be­su­chen

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Freizeit & Ausflüge - Mt

Seit dem 1. April ste­hen die To­re der Gr­ab­ka­pel­le im Karls­ru­her Hardtwald wie­der of­fen: Im­mer don­ners­tags bis sonn­tags kann man ei­nen Blick in die­ses un­ge­wöhn­li­che Mo­nu­ment der ba­di­schen Ge­schich­te wer­fen. Und sonn­tags gibt es wie­der die be­lieb­ten Son­der­füh­run­gen. Die Gr­ab­ka­pel­le im Hardtwald (Adres­se: Klost­erweg 11, 76131 Karlsruhe) ist ein be­lieb­tes Aus­flugs­ziel und ein Klein­od der ba­di­schen Ge­schich­te: Die Groß­her­zogs­fa­mi­lie ließ den Sand­stein­bau nach dem Vor­bild der fran­zö­si­schen Ka­the­dral­go­tik als Fa­mi­li­en­grab­le­ge er­rich­ten. An­lass da­für war der Tod ei­nes Soh­nes im ju­gend­li­chen Al­ter – das Be­dürf­nis der El­tern, ei­nen stil­len Ort für ih­re Trau­er zu ha­ben. Dass in der Gruft un­ter dem Kir­chen­raum bis heu­te die To­ten der eins­ti­gen Herr­scher­fa­mi­lie lie­gen, trägt si­cher zur be­son­de­ren Stim­mung in der Ka­pel­le bei. „Be­son­de­re Au­then­ti­zi­tät“at­tes­tiert denn auch Micha­el Hörr­mann, der Ge­schäfts­füh­rer der Staat­li­chen Schlös­ser und Gär­ten Ba­den-Würt­tem­berg, dem Ort: „Die star­ke Au­ra des Ech­ten – das ist auch für je­man­den, der häu­fi­ger das Mo­nu­ment be­sucht, im­mer wie­der be­zwin­gend.“Nicht nur für die Karls­ru­her ist die Gr­ab­ka­pel­le, die nur wäh­rend der wär­me­ren Mo­na­te von April bis Ok­to­ber ist, ein Ziel für Spa­zier­gän­ge und Be­su­che. „In der Ab­ge­schie­den­heit des tie­fen Wald­frie­dens“, nörd­lich des Karls­ru­her Schlos­ses im Hardtwald, ließ das Groß­her­zog­spaar Fried­rich I. und Luise von Ba­den die­ses Mau­so­le­um in den Jah­ren 1889 bis 1896 für ih­ren früh ver­stor­be­nen jüngs­ten Sohn, Prinz Lud­wig Wil­helm, er­rich­ten. Der Ver­lust des Kin­des im Jahr 1888 hat­te in ih­nen die Sehn­sucht nach ei­nem Ge­denk­ort in der Ein­sam­keit ge­weckt. Des­halb wur­de die Gr­ab­stät­te fern­ab vom Be­trieb der Re­si­denz­stadt am öst­li­chen Rand des Schloss­gar­tens er­baut. Heu­te sind hier 18 Mit­glie­und der der Fa­mi­lie der Groß­her­zö­ge von Ba­den be­stat­tet. Die Groß­her­zog­li­che Gr­ab­ka­pel­le ist ein Klein­od der Ar­chi­tek­tur des 19. Jahr­hun­derts. Weit­hin sicht­bar ist ihr Turm in go­ti­schen For­men, mit Was­ser­spei­ern und Fia­len. Das Mau­so­le­um aus ro­tem Bunt­sand­sein be­ein­druckt be­son­ders durch sei­ne de­tail­rei­che Aus­stat­tung, et­wa durch die fei­nen St­ein­metz­ar­bei­ten an den Säu­len, die die Ge­wöl­be tra­gen. In den Qu­er­schif­fen des Kir­chen­rau­mes er­in­nern drei Gr­ab­ma­le mit mar­mor­nen Lie­ge­fi­gu­ren an Prinz Lud­wig Wil­helm und sei­ne El­tern. Still und fried­lich, als ob sie schlie­ge­öff­net fen, lie­gen der Prinz und das Groß­her­zog­spaar auf ih­ren mit kunst­voll dra­pier­ten Stof­fen be­deck­ten Ru­he­stät­ten. Die Wer­ke des Karls­ru­her Bild­hau­ers Her­mann Volz sind Glanz­leis­tun­gen der Skulp­tur des spä­ten 19. Jahr­hun­derts. Die Ober­kir­che mit den Mar­mor­bild­nis­sen der groß­her­zog­li­chen Fa­mi­lie ist für Be­su­cher bis 30. Ok­to­ber don­ners­tags bis sonn­tags ge­öff­net. Ein­bli­cke in die sonst un­zu­gäng­li­che Gruft be­kommt man bei Son­der­füh­run­gen, die jetzt wie­der an­ge­bo­ten wer­den.

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