Herz­blut im Hei­mat­mu­se­um

Klei­ne­re Aus­stel­lun­gen und ihr Weg vom Er­in­ne­rungs- zum Er­leb­nis­ort

Der Sonntag (Mittelbaden) - - DIE REGION - Lie

Heu­te ist der In­ter­na­tio­na­le Mu­se­ums­tag. Für vie­le staat­li­chen und städ­ti­schen Häu­ser ei­ne Ge­le­gen­heit, mit frei­em Ein­tritt und Son­der­füh­run­gen auf ih­re Samm­lun­gen und Aus­stel­lun­gen be­son­ders auf­merk­sam zu ma­chen. (Be­richt zum re­gio­na­len Pro­gramm auf Sei­te 5.) Die gro­ßen Mu­se­en er­freu­en sich auch an an­de­ren Ta­gen ei­nes an­hal­ten­den Be­su­cher­zu­spruchs. Mit Son­der­schau­en und Events be­setz­ten sie ei­nen fes­ten Platz in der Kul­tur­sze­ne. Doch die Mu­se­ums­land­schaft be­steht nicht nur aus den von Pro­fis ge­lei­te­ten Ein­rich­tun­gen. Vie­le klei­ne, far­bi­ge, kräf­ti­ge Pf­länz­lein tum­meln sich zwi­schen den Gro­ßen der Bran­che. Die Zahl der eh­ren­amt­lich ge­lei­te­ten Hei­mat­mu­se­en ist nach wie vor groß in Ba­den-Würt­tem­berg. Wie kön­nen die „Klei­nen“beim Pu­bli­kum punk­ten, ha­ben sie über­haupt Chan­cen, mit ana­lo­gen Din­gen in der di­gi­ta­len Welt? Bei ei­ner Ta­gung im Ba­di­schen Lan­des­mu­se­um Karls­ru­he (BLM) mach­te Axel Bur­karth den Eh­ren­amt­li­chen aus Dör­fern und Stadt­tei­len Mut für ih­re Samm­lungs­prä­sen­ta­ti­on. Un­ter an­de­rem mit fol­gen­dem Ar­gu­ment: „Die Hei­mat­mu­se­en wer­den durch mo­der­ne Ent­wick­lun­gen im­mer in­ter­es­san­ter. Denn dort küm­mern sich noch Leu­te, die mit den ge­sam­mel­ten Din­gen et­was an­fan­gen kön­nen. Sie ste­cken Herz­blut hin­ein – und das mer­ken die Be­su­cher“, sag­te der Fach­mann von der Lan­des­stel­le für Mu­se­ums­be­treu­ung Ba­den-Würt­tem­berg. Bei den gro­ßen Häu­sern er­kennt er „im­mer ähn­li­cher wer­den­de Prä­sen­ta­tio­nen“. Die klei­nen könn­ten ih­re In­di­vi­dua­li­tät da­ge­gen set­zen. Da­bei wür­den die neu­en Me­di­en es den eh­ren­amt­li­chen Be­treu­ern leich­ter ma­chen, die Be­son­der­hei­ten in den Samm­lun­gen zu er­ken­nen und her­aus­zu- stel­len. Was macht bei­spiels­wei­se ei­nen Lo­cher von 1886 mu­se­ums­reif? Die Tat­sa­che, dass ge­ra­de sein Pa­tent für die bis heu­te blei­ben­de Form ge­sorgt hat. Wäh­rend vie­le an­de­re Ex­em­pla­re des klei­nen Bü­ro­werk­zeugs sich nicht durch­setz­ten. Re­cher­chen beim deut­schen Pa­tent­amt sei­en heu­te on­line mög­lich. Über­haupt könn­ten durch Such­ma­schi­nen oder Platt­for­men wie Ebay im­mer ge­naue­re In­for­ma­tio­nen über Ex­po­na­te her­aus­ge­fil­tert wer­den. Bri­git­te Heck, Volks­kund­le­rin am BLM, ver­wies bei der Ta­gung des Ar­beits­krei­ses Hei­mat­pfle­ge auf den Wett­be­werb „Hei­mat­mu­se­um hat Zu­kunft“, der 2018 wie­der im Re­gie­rungs­be­zirk Karls­ru­he aus­ge­schrie­ben wird. Er will da­zu bei­tra­gen, dass sich klei­ne Mu­se­en vom rei­nen Er­in­ne­rungs- zum Er­leb­nis­ort wan­deln und ei­nen of­fe­nen Hei­mat­be­griff pfle­gen.

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