Raus aus dem Schat­ten des Chiem­sees

Nord­west­lich des „Baye­ri­schen Mee­res“liegt die Egg­stät­ter-Hem­ho­fer Se­en­plat­te

Der Sonntag (Mittelbaden) - - REISE & URLAUB - Mag

Die Egg­stät­ter-Hem­ho­fer Se­en­plat­te liegt nord­west­lich des Chiem­sees. Wer die A 8 von Mün­chen in Rich­tung Salz­burg fährt, dem ent­geht die­ses be­rühm­te „Baye­ri­sche Meer“kaum. Doch die ver­streu­ten klei­ne­ren Se­en las­sen die meis­ten links lie­gen. Ein Feh­ler. Die Se­en­plat­te ist das äl­tes­te Na­tur­schutz­ge­biet Bay­erns. Zahl­rei­che Tie­re und Pflan­zen sind hier zu Hau­se. Ih­re Exis­tenz ver­dan­ken die Se­en rie­si­gen Eis­blö­cken. Als sich die Glet­scher nach der letz­ten gro­ßen Eis­zeit zu­rück­zo­gen, blie­ben sie zu­rück und schmol­zen in der Wär­me­pe­ri­ode. Die Mul­den (To­te­is­lö­cher) füll­ten sich mit Was­ser. Heu­te zählt die Se­en­plat­te 17 von Grund­was­ser und Re­gen ge­speis­te Se­en. Die Land­schaft ist von Moo­ren, Bä­chen, Mi­sch­wäl­dern und Tüm­peln ge­kenn­zeich­net. „Das ist ein nähr­stoff­ar­mes Ha­bi­tat oh­ne Grund­was­ser­an­bin­dung, in dem nur Spe­zia­lis­ten über­le­ben“, er­klärt die Bio­lo­gin Ur­su­la Bern­rit­ter. Zum Bei­spiel Li­bel­len. Die Ge­gend ist reich an die­sen flug­be­gab­ten In­sek­ten. Rund vier Fünf­tel der in Eu­ro­pa ver­tre­te­nen Ar­ten kä­men auch an der Se­en­plat­te vor. Das macht die Se­en­plat­te zu ei­ner der li­bel­len­ar­ten­reichs­ten Ge­gen­den Deutsch­lands. Zum Bei­spiel lebt die sel­te­ne Zier­li­che Moos­jung­fer hier, ei­ne von 50 Ar­ten. Doch nicht nur In­sek­ten füh­len sich im Voral­pen­land wohl. „Hier ist ge­lob­tes Kräu­ter­land“, sagt Ilo­na Baur. Die Da­me mit der ge­filz­ten Woll­müt­ze ist in ei­nem be­tag­ten Bul­li vor­ge­fah­ren und be­ginnt ih­re Kräu­ter­tour gleich auf der Wie­se ne­ben dem Park­platz na­he des Hart­sees. Und sie­he da: Man muss nicht auf die Frau­en­in­sel im Chiem­see über­se­he set­zen und den Kräu­ter­gar­ten des Klos­ters be­su­chen, um Aro­men und heil­sa­me Hal­me zu fin­den. „Mit ei­nem Qua­drat­me­ter Wie­se kann man ein Ta­ges­se­mi­nar ge­stal­ten“, sagt sie. Giersch – gut bei Rheu­ma. Vo­gel­mie­re – schmerz­lin­dernd und reich an Kie­sel­säu­re. Oder die Taub­nes­sel als „gro­ße Wund­heil­pflan­ze“: Sie al­le fin­det man auf den Wie­sen des Na­tur­schutz­ge­biets. In fünf Mi­nu­ten man hier ge­nug Kräu­ter für ei­nen gan­zen Smoot­hie, ver­spricht Baur. In vie­len der Se­en ist Ba­den zwar ver­bo­ten. Am Lang­bür­g­ner-, am Pel­ha­mer- und am Hart­see, auf de­nen es an­ders als am Chiem­see be­schau­lich zu­geht, gibt es aber Strand­bä­der. Und wäh­rend an man­chem Som­mer­tag auf dem gro­ßen Nach­bar­see re­ger Boots­ver­kehr herrscht, sind auf dem Hart­see nur ein paar Mie­tru­der­boo­te un­ter­wegs. Und wen es zur Ab­wechs­lung in die Ber­ge zieht, der hat es von Bay­erns äl­tes­tem Na­tur­schutz­ge­biet aus nicht weit bis nach Aschau. Von dort fährt ei­ne Seil­bahn täg­lich hoch zur fast 1 700 Me­ter ho­hen Kam­pen­wand, dem Haus­berg der Ge­gend. Schon in der Gon­del sieht man den Chiem­see und die al­ten To­te­is­lö­cher.

Rauf in die Ber­ge: Ei­ne Seil­bahn fährt täg­lich hoch zur Kam­pen­wand, dem Haus­berg des Chiem­gaus. Von hier hat man ei­nen herr­li­chen Blick auf das „Baye­ri­sche Meer“und die Egg­stät­ter-Hem­ho­fer Se­en­plat­te. Fo­to: Weiß­brod

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