„Bee­ren­pflü­cken ver­bo­ten“

Karls­ru­her Schloss­gar­ten­bahn fei­ert 50. Ge­burts­tag / Buch zum Ju­bi­lä­um

Der Sonntag (Mittelbaden) - - DIE REGION -

Die letz­ten Mi­nu­ten vor der Ab­fahrt sind fast so in­ter­es­sant wie die Fahrt selbst: Mar­kus Möh­nert, Schaff­ner und Pu­bli­kums­lieb­ling der Karls­ru­her Schloss­gar­ten­bahn, warnt in oh­ren­be­täu­ben­der Laut­stär­ke vor den „In­dia­nern, Räu­bern und Ban­di­ten“im Schloss­gar­ten und weist ein­dring­lich dar­auf hin, dass „das Blu­men- und Bee­ren­pflü­cken wäh­rend der Fahrt strengs­tens ver­bo­ten ist.“Seit 1985 ge­hört Möh­nert prak­tisch zum In­ven­tar der Schloss­gar­ten­bahn und je­der, der in die­ser Zeit mal mit dem „Bähn­le“ge­fah­ren ist, kennt den Ei­sen­bahn­fan mit der Tril­ler­pfei­fe. Ganz klar, dass Jo­chen Zef­fe­rer vom Karls­ru­her Ver­ein Treff­punkt Schie­nen­nah­ver­kehr Karls­ru­he e.V. (kurz TSNV) den dienst­äl­tes­ten Mit­ar­bei­ter der Schloss­gar­ten­bahn in sei­nem so­eben er­schie­ne­nen Buch lo­bend und aus­führ­lich er­wähnt. Das hoch­in­ter­es­san­te, 160 Sei­ten di­cke Werk über „ein quick­le­ben­di­ges Re­likt der Bun­des­gar­ten­schau 1967“er­zählt reich be­bil­dert die wech­sel­haf­te Ge­schich­te der be­lieb­ten Bahn in vie­len De­tails. „Die Idee zu die­sem Buch hat­te Ste­phan Viel“, er­zählt Zef­fe­rer, der dann in mo­na­te­lan­ger Re­cher­che noch sehr viel über die Ge­schich­te der Bahn her­aus­fand. Drei Loks und fünf Wag­gons sind nor­ma­ler­wei­se ab­wech­selnd im Ein­satz. Da ist zum ei­nen die gel­be Por­sche-Lok, die 1967 zur Bun­des­gar­ten­schau nach Karls­ru­he kam und noch heu­te ih­re Run­den dreht. Dann gibt es die 1991 durch die Ver­kehrs­be­trie­be um­ge­bau­te Die­sel­lok und schließ­lich den Pu­bli­kums­lieb­ling: die 1939 ge­bau­te Dampf­lok „Greif“. „Sie ist hier ei­gent­lich gna­den­los un­ter­for­dert“, sagt Mar­co Mül­ler. Der an­ge­hen­de Leh­rer hat die Lok, die frü­her in ei­nem St­ein­bruch ein­ge­setzt wur­de und dort rich­tig schwer schuf­ten muss­te, vor ei­nem Jahr ge­mein­sam mit Stef­fen Wai­de­lich ge­kauft und fun­giert in sei­ner Frei­zeit häu­fig als Lok­füh­rer. „Ei­gent­lich könn­te sie viel schnel­ler fah­ren, aber hier geht das na­tür­lich nicht“, sagt er mit leich­tem Be­dau­ern. Dann star­tet er zur nächs­ten Run­de. Be­trie­ben wird die Schloss­gar­ten­bahn – mit Aus­nah­me der in Pri­vat­be­sitz be­find­li­chen „Greif“– von den Ver­kehrs­be­trie­ben Karls­ru­he. De­ren lang­jäh­ri­ger Lei­ter Dieter Lud­wig ha­be das „Bähn­le“, so er­in­nert sich Zef­fe­rer, einst als „wirt­schaft­lichs­ten Be­triebs­zweig des ge­sam­ten Un­ter­neh­mens“be­zeich­net, weil es re­la­tiv we­nig Un­kos­ten ver­ur­sacht, aber von Kar­frei­tag bis Al­ler­hei­li­gen doch ei­ni­ges Geld in die Kas­sen spült. Im­mer­hin las­sen sich pro Jahr rund 50 000 Pas­sa­gie­re auf dem 2,7 Ki­lo­me­ter lan­gen Rund­kurs durch den Schloss­gar­ten fah­ren. Die Stre­cke ist zwar kurz, aber sehr ab­wechs­lungs­reich. Mal pas­siert man ei­nen Kin­der­spiel­platz, dann fährt man durch ei­ne Art „Ur­wald“, an­schlie­ßend qu­er über herr­li­che Lie­ge­wie­sen und dann auch noch mit­ten durch die Schre­ber­gär­ten, die vor 50 Jah­ren zur Bun­des­gar­ten­schau an­ge­legt wur­den. Und im­mer ste­hen links und rechts Men­schen, die fröh­lich win­ken und fo­to­gra­fie­ren. Heu­te, mor­gen und am kom­men­den Sonn­tag fährt zu­sätz­lich zur „Greif“üb­ri­gens auch wie­der die Dampf­lok „Em­ma“aus Frank­furt durch den Schloss­gar­ten. Schließ­lich er­for­dert ein run­der Ge­burts­tag auch sei­ne ganz be­son­de­ren Gra­tu­lan­tin. Wolf­gang We­ber Das Buch „Die Schloss­gar­ten­bahn in Karls­ru­he“lässt mit über 170 Ab­bil­dun­gen aus al­len Epo­chen der Park­ei­sen­bahn de­ren Ge­schich­te le­ben­dig wer­den. Das Buch ist zum Preis von 19,90 Eu­ro im KVV-Kun­den­zen­trum am Markt­platz so­wie in den Karls­ru­her „Tha­lia“-Fi­lia­len er­hält­lich. Au­ßer­dem kann das Buch deutsch­land­weit über den Buch­han­del be­zo­gen oder im In­ter­net un­ter www.tsnv.de be­stellt wer­den.

Vom Karls­ru­her Zeich­ner und Car­too­nist Stef­fen Butz stammt die­se Zeich­nung der Schloss­gar­ten­bahn mit ih­ren wich­tigs­ten Sta­tio­nen und Se­hens­wür­dig­kei­ten. Auch die äl­tes­te Ess­kas­ta­nie Deutsch­lands, die mit­tels Krü­cken am See steht, hielt er im Bild fest. Was fehlt, sind die „In­dia­ner, Ban­di­ten und Räu­ber“, vor de­nen vor Ab­fahrt des Zugs ge­warnt wird. Zeich­nung: Stef­fen Butz

Sie ist der Pu­bli­kums­lieb­ling im Karls­ru­her Schloss­gar­ten: die 1939 ge­bau­te Dampf­lok „Greif“. Ne­ben ihr sind noch zwei wei­te­re Loks re­gel­mä­ßig im Ein­satz. Fo­to: Ar­tis

Di­enst­äl­tes­ter Mit­ar­bei­ter: Seit 1985 ge­hört Mar­kus Möh­nert zur Schloss­gar­ten­bahn. Fo­to: MM

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