Welt­of­fen­heit beim „Zel­ti­val“

Von Nils Land­gren über Yous­sou N’Dour bis hin zu „Ma­mi und die Pap­per­la­pa­pis“

Der Sonntag (Mittelbaden) - - DIE REGION -

Von An­fang an ha­ben wir ver­sucht, zeit­ge­nös­si­sche Ten­den­zen in der Mu­sik­sze­ne hier bei uns ab­zu­bil­den“sagt Bernd Bel­sch­ner und er­wähnt die „mu­si­ka­li­sche und kul­tu­rel­le Viel­falt“des be­lieb­ten Som­mer­fes­ti­vals auf dem Karls­ru­her Toll­haus-Are­al. Seit 33 Jah­ren gibt es das „Zel­ti­val“, in die­sem Som­mer steigt die 23. Auf­la­ge und der Toll­haus-Chef be­zeich­ne­te die welt­of­fe­ne und fa­mi­li­en­freund­li­che Ver­an­stal­tung beim Pres­se­ge­spräch als „fast schon tra­di­tio­nell“. Tra­di­ti­on hat längst auch schon die Zu­nei­gung, wenn nicht gar Lie­be vie­ler Künst­ler zum „Zel­ti­val“, die oft­mals lu­kra­ti­ve­re An­ge­bo­te aus­schla­gen, nur um in Karls­ru­he da­bei sein zu kön­nen. Dies gilt in die­sem Jahr bei­kum spiels­wei­se für das spa­ni­sche Duo Fu­el Fan­dan­go, das am 6. Au­gust ge­mein­sam mit den bri­ti­schen Sound­tüft­lern von Nu­biyan Twist für den Ab­schluss sorgt. Ein an­de­res Bei­spiel ist Hel­ge Schnei­der. Er ist mal wie­der mit Band un­ter­wegs und füllt nor­ma­ler­wei­se Hal­len, die weit­aus grö­ßer sind als das Toll­haus. „In al­ter Ver­bun­den­heit“, so Bel­sch­ner, tre­te er aber auch in die­sem Som­mer auf, und zwar un­ter dem Mot­to „240 ye­ars of Sin­gen­de Her­ren­tor­te“(Sonn­tag, 9. Ju­li). Mit dem se­ne­ga­le­si­schen Sän­ger Yous­sou N’Dour (18. Ju­li), ei­nem der wich­tigs­ten und er­folg­reichs­ten afri­ka­ni­schen Künst­ler der Ge­gen­wart, dem is­rae­li­schen Song­wri­ter-Star Asaf Avi­dan (12. Ju­li), dem ame­ri­ka­ni­schen Ro­aring-Twen­ties-Nost­al­gi­ker Scott Brad­lee und sei­ner Post­mo­dern Ju­ke­box (15. Ju­li) so­wie dem nor­we­gi­schen Jazz­po­sau­nis­ten Nils Land­gren (30. Ju­li), der nach bal­la­des­ken Pro­gram­men wie­der ein­mal mit sei­ner kna­cki­gen Funk Unit un­ter­wegs ist, sind pro­mi­nen­te Gäs­te der al­ler­ers­ten Mu­si­ker-Li­ga an­ge­kün­digt. Er­öff­net wird das „Zel­ti­val“am 6. Ju­li von der aus dem Um­feld der An­ti-Pe­gi­daDe­mons­tra­tio­nen ent­stan­de­nen Ban­da In­ter­na­tio­na­le aus Dres­den. Das mitt­ler­wei­le fast 20-köp­fi­ge Kol­lek­tiv mit Mu­si­kern aus Sy­ri­en, Bur­ki­na Fa­so, Pa­läs­ti­na, Iran und dem Irak hat im ver­gan­ge­nen Jahr zahl­rei­che Prei­se ge­won­nen und mehr als 60 Kon­zer­te in Deutsch­land ge­spielt. Gro­ßes, ge­mein­sa­mes Ziel war es, Hei­mat­mu­sik neu zu in­ter­pre­tie­ren, Her­zen zu öff­nen, Vor­ur­tei­le und Res­sen­ti­ments ab­bau­en zu hel­fen und zur Ver­stän­di­gung zwi­schen neu­en und alt­ein­ge­ses­se­nen Sach­sen, Deut­schen und Eu­ro­pä­ern bei­zu­tra­gen. Re­gio­nal, über­re­gio­nal und auch au­ßer­halb Deutsch­lands wird das Pro­jekt mit Mo­dell­cha­rak­ter von ei­nem im­mer grö­ßer wer­den­den Pu­bli- ver­folgt. „Es ist ein wich­ti­ges Zei­chen zur Er­öff­nung, dass ge­ra­de die­se Band auf­tritt“, sag­te Bel­sch­ner und sprach von Über­le­gun­gen, wo­mög­lich auch in der Re­gi­on le­ben­de Künst­ler mit ins Pro­gramm ein­be­zie­hen zu kön­nen. Wie sehr man beim „Zel­ti­val“auch auf Fa­mi­li­en und Kin­der ach­tet, zeigt ein ganz be­son­de­rer Auf­tritt am Sonn­tag­nach­mit­tag (16. Ju­li) um 15 Uhr. Da näm­lich gibt es ei­nen Auf­tritt der Karls­ru­her All­star-For­ma­ti­on „Ma­mi und die Pap­per­la­pa­pis“. Die Band um Sän­ge­rin San­die Wol­lasch ver­spricht hand­ge­mach­te Mu­sik für Klein und Groß. Selbst Mu­sik­freun­de oh­ne Kin­der wer­den hier ga­ran­tiert ih­re Freu­de ha­ben! Toll­haus-Mit­ar­bei­ter Se­bas­ti­an Bau, der an der Pro­gramm­ge­stal­tung be­tei­ligt war, sprach von „knapp 280 Künst­lern, Tech­ni­kern und Tour­be­glei­tern aus 17 bis 20 Län­dern“, die in den fünf Wo­chen das Som­mer­fes­ti­val mit der ganz be­son­de­ren „Wohl­fühlAt­mo­sphä­re“be­su­chen. „Welt­of­fen­heit“ist aber nicht nur auf der Büh­ne, son­dern auch da­vor ge­fragt, denn „wir set­zen uns ger­ne mit nicht-deut­schen Tu­gen­den aus­ein­an­der“, wie Bel­sch­ner be­ton­te. Ne­ben ei­nem Spar­preis-Pa­ket (beim Kauf von acht Kar­ten für vier Kon­zer­te gibt es 20 Pro­zent Ra­batt) gibt es auch wie­der ei­ne Rei­he von Kon­zer­ten (Mot­to: Top Ten) zum Ein­tritts­preis von zehn Eu­ro. Noch gibt es für al­le Kon­zer­te Kar­ten, aber ver­mut­lich nicht mehr all­zu lan­ge. Wolf­gang We­ber Ti­cket-und Pro­gramm-Infos: www.zel­ti­val.de

Scott Brad­lee ver­hilft mit sei­ner „Post­mo­dern Ju­ke­box“auch kom­plett ab­ge­nu­del­ten Ever­greens ei­nen neu­en Glanz. Ge­bo­ten wird aber nicht nur was für die Oh­ren, son­dern auch fürs Au­ge. Fo­tos: pr

Der Kö­nig der tan­zen­den Blatt­läu­se gibt sich die Eh­re: Hel­ge Schnei­der kommt zum „Zel­ti­val“.

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