Welt­rei­se lässt Bäu­me wach­sen

„Bam­boo-Bas­ti“star­tet mit Fahr­rad aus Bam­bus zum Trip um den Glo­bus

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SONNTAGSKINDER - Tan­ja Ka­sisch­ke

Ein Schwarz­wäl­der zieht in die Welt. Al­lein auf sei­nem Fahr­rad, zwei Sat­tel­ta­schen Ge­päck. Das ist we­nig für die lan­ge Rei­se. Zwei Jah­re soll sie dau­ern und durch 24 Län­der in Eu­ro­pa, Asi­en, Aus­tra­li­en, Nord­ame­ri­ka und Afri­ka füh­ren. Was wie ein Mär­chen oder ein Ki­no­film klingt, pas­siert dem­nächst im Le­ben von Se­bas­ti­an Gut­mann. Er wird frem­de Kul­tu­ren ent­de­cken, er wird sich mit Men­schen ver­stän­di­gen müs­sen, de­ren Spra­chen er nicht spricht, aber ir­gend­wie will er vor­an­kom­men. Heu­te in ei­ner Wo­che, am 11. Ju­ni, star­te­te sei­ne Welt­rei­se „Ri­de for the pla­net“, über­setzt: „Rad­le für den Pla­ne­ten“. Das Aben­teu­er hat ei­nen erns­ten Hin­ter­grund. Se­bas­ti­an Gut­mann, ge­nannt Bas­ti, wohn­haft in München, hat sich vor­ge­nom­men, auf sei­ner Rei­se Bäu­me zu pflan­zen. „Ich will, dass noch mehr Men­schen un­se­re Um­welt schüt­zen“, be­grün­det er. „Bäu­me ste­hen für gu­tes Kli­ma und sau­be­re Luft.“Bas­ti ist auf ei­nem Bau­ern­hof in Elz­ach im Schwarz­wald in der Nä­he von Frei­burg auf­ge­wach­sen. Der Wald hat ihn sein Le­ben lang um­ge­ben, als Jun­ge hat­te der 25-Jäh­ri­ge so­gar vor, Forst­wirt­schaft zu stu­die­ren. Wie man Holz ver­ant­wor­tungs­be­wusst ver40000 ar­bei­tet, dass die Wäl­der nach­wach­sen kön­nen und das Kli­ma im Gleich­ge­wicht bleibt, in­ter­es­sier­te ihn. Des­halb mach­te er in den Fe­ri­en ein Prak­ti­kum in ei­nem Sä­ge­werk. Dort hat­te Bas­ti ei­nen schlim­men Un­fall, bei dem er fast sei­ne lin­ke Hand ver­lor. „14 Ope­ra­tio­nen in­ner­halb ei­nes Jah­res wa­ren nö­tig, um die Hand zu ret­ten“, er­in­nert er sich an die Kli­nik­auf­ent­hal­te. Die Nar­ben auf sei­nem Arm sind nicht zu über­se­hen. Sie­ben Jah­re ist der Un­fall her, da­mals be­schloss Bas­ti, „dass ich et­was be­we­ge. Ich ha­be so viel Glück, dass ich noch le­be.“Er mach­te ei­ne kauf­män­ni­sche Leh­re und grün­de­te mit ei­nem Freund ei­ne klei­ne Fir­ma, die nach­hal­tig her­ge­stell­te Mö­bel aus dem Schwarz­wald ver­kauft. Da­bei stieß Se­bas­ti­an Gut­mann auf den Ver­ein „Plant for the pla­net“(Pflan­ze für den Pla­ne­ten): Kin­der und Ju­gend­li­che aus Bay­ern ha­ben sich 2007 als Grup­pe zu­sam­men­ge­schlos­sen, um Men­schen welt­weit an­zu­re­gen, in ih­ren Län­dern Bäu­me für ein bes­se­res Kli­ma zu pflan­zen, und Roh­stof­fe wie das Holz nicht nur zu ver­brau­chen, son­dern für Nach­schub zu sor­gen. „Dass auch die kom­men­den Ge­ne­ra­ti­on et­was da­von ha­ben“, er­gänzt Bas­ti. „So ha­be ich es da­heim vor­ge­lebt be­kom­men.“Ein schnell nach­wach­sen­des Holz, das im Schwarz­wald al­ler­dings nicht vor­kommt, ist Bam­bus. Tat­säch­lich zählt man es zu den Grä­sern. Es ist aber ge­nau­so sta­bil wie Holz. Aus Bam­bus hat sich Se­bas­ti­an ein Fahr­rad ge­baut, weil er fand, „wenn ich mei­ne Welt­rei­se mit Um­welt­schutz ver­bin­de, passt ein Bam­bus­fahr­rad gut. Das ist glaub­wür­dig.“In zwei Jah­ren will er da­mit ei­ne Stre­cke von Ki­lo­me­tern be­wäl­ti­gen. Das ent­spricht der Län­ge des Äqua­tors. Ein­mal um die Welt. Ähn­lich wie ein Ge­sel­le auf der Walz wird Bas­ti in Baum­schu­len oder Gärt­ne­rei­en vor­spre­chen und um lan­des­ty­pi­sche Baum­setz­lin­ge bit­ten. Wo er sie nicht ge­schenkt be­kom­men kann, hofft der Elz­a­cher auf Baum­pa­ten, die Geld spen­den. Auch in Ban­gla­desh, Ma­lay­sia oder Ma­rok­ko, in wel­cher „Spra­che“auch im­mer. Noch ist Eng­lisch die ein­zi­ge Fremd­spra­che, die Bas­ti spricht. Über­nach­ten wird er im Zelt. „Vi­el­leicht la­den mich auch Men­schen, die ich ken­nen­ler­ne, ein, bei ih­nen zu über­nach­ten. Ich ha­be ver­sucht, mich so gut wie mög­lich vor­zu­be­rei­ten. Da­mit sich mei­ne Fa­mi­lie nicht zu vie­le Sor­gen macht. Bis nach Sin­ga­pur ha­be ich mei­ne Rou­te ge­plant, das war schon we­gen der Vi­sa er­for­der­lich.“Ei­nen zwei­ten Rei­se­pass hat Se­bas­ti­an Gut­mann be­an­tra­gen müs­sen, um al­le Ein­rei­se­ge­neh­mi­gun­gen der Rei­hen­fol­ge nach be­wil­ligt zu krie­gen. Im Ju­ni 2019 will er wie­der zu Hau­se sein – vi­el­leicht, um doch noch Forst­wirt­schaft zu stu­die­ren, und ei­nes Ta­ges den Hof des Va­ters wei­ter­zu­füh­ren.

So sieht ein Fich­te-Setz­ling aus. Un­ter­wegs wird Bas­ti vie­le wei­te­re Setz­lin­ge be­nö­ti­gen.

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