Gro­ße Lee­re bei Lö­wen

Doch Is­ma­ik plant wei­ter – und will ge­gen 50+1 Re­gel kla­gen

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SPORT - Erik Roos

Kein Trai­ner, kei­ne Spie­ler, kein Ge­schäfts­füh­rer – nicht ein­mal ei­ne Li­ga: Bei 1860 München herrscht nach dem tie­fen Sturz in den Ama­teur­fuß­ball plötz­lich die gro­ße Lee­re. Ei­ne der we­ni­gen Kon­stan­ten beim an­ste­hen­den Neu­start heißt aus­ge­rech­net Ha­san Is­ma­ik. Der so­gar im Ver­ein höchst um­strit­te­ne In­ves­tor aus Jor­da­ni­en gibt nicht auf – und will nun so­gar ge­gen die 50+1-Re­gel vor­ge­hen. „Ich woll­te das nie ma­chen, aber jetzt wer­de ich ge­gen 50+1 kla­gen“, sag­te Is­ma­ik der Süd­deut­schen Zei­tung (SZ). Mit noch mehr Macht will der 40-Jäh­ri­ge ganz of­fen­bar an sei­nen ge­wohnt küh­nen Vi­sio­nen fest­hal­ten, En­de 2016 hat­te er noch of­fen von der Cham­pi­ons Le­ague ge­träumt. Pi­kant: Is­ma­ik war wohl da­von aus­ge­gan­gen, dass in der vier­ten oder fünf­ten Li­ga die 50+1-Re­gel nicht gilt. „Red Bull hat in der fünf­ten Li­ga an­ge­fan­gen, rich­tig?“, hat­te er der SZ ge­sagt. Ei­ne von den deut­schen Clubs stets ge­scheu­te Kla­ge ge­gen die recht­lich um­strit­te­ne 50+1-Re­gel könn­te nach An­sicht vie­ler Ex­per­ten durch­aus Er­folg ha­ben. Mit die­ser Re­gel ist vom Deut­schen Fuß­ball Bund (DFB) und der Deut­schen Fuß­ball-Li­ga (DFL) fest­ge­hal­ten, dass nur Ka­pi­tal­ge­sell­schaf­ten am Spiel­be­trieb der Li­zenz­li­gen teil­neh­men kön­nen, an de­nen der je­wei­li­ge Ver­ein die Mehr­heit der Stimm­an­tei­le hält. Da­mit soll ei­ne Über­nah­me der teil­neh­men­den Ge­sell­schaf­ten mit ent­spre­chen­den Ent­schei­dungs­be­fug­nis­sen durch In­ves­to­ren ver­hin­dert wer­den, der Ver­ein al­so die Ent­schei­dungs­ho­heit be­hält. Ein stei­ler Auf­stieg der Lö­wen nach Leip­zi­ger Vor­bild wä­re aber auch dann kaum zu er­war­ten. Zu groß ist der ge­gen­wär­ti­ge Scher­stell­bar. ben­hau­fen, zu uto­pisch scheint der­zeit je­de Hoff­nun­gen auf ge­re­gel­te Ver­hält­nis­se. Hin­zu kommt der tie­fe Gr­a­ben zwi­schen Is­ma­ik und der ak­tu­el­len Ver­eins­füh­rung. Das Lö­wen-Prä­si­di­um wehr­te sich ge­gen Vor­wür­fe Is­maiks, be­ste­hen­de Pro­ble­me nicht an­ge­gan­gen zu sein. „Wir neh­men be­frem­det zur Kennt­nis, dass un­ser Mit­ge­sell­schaf­ter öf­fent­lich den Ver­ein zum Sün­den­bock er­klärt“, heißt es in ei­ner von der Ver­eins­füh­rung un­ter­schrie­be­nen Mit­tei­lung. Ei­ne en­ge Zu­sam­men­ar­beit über die kom­men­den Mo­na­te oder gar Jah­re scheint ak­tu­ell kaum vor- Oh­ne­hin ver­bie­tet sich im Mo­ment je­der Ge­dan­ke, der über den Start der kom­men­den Sai­son hin­aus­geht. Selbst die Li­ga­zu­ge­hö­rig­keit ist of­fen, auch wenn der­zeit al­les auf die Re­gio­nal­li­ga hin­deu­tet – aber eben nur un­ter den Re­geln von 50+1. „Ich ha­be Herrn Is­ma­ik in die­sen Räu­men die 50+1-Re­gel er­klärt, und auch, dass de­ren Be­stim­mun­gen auch beim BFV gel­ten. Nur dann kann 1860 Re­gio­nal­li­ga spie­len“, sag­te Rai­ner Koch, DFB-Vi­ze­prä­si­dent und zu­gleich Chef des baye­ri­schen Fuß­ball-Ver­ban­des (BFV), am Frei­tag­abend. Mit der künf­ti­gen Li­ga ist auch die Fra­ge nach dem Sta­di­on ver­bun­den. Vie­les deu­tet auf ei­nen Aus­zug aus der Al­li­anz Are­na und ei­ne Rück­kehr in das von den Fans ge­lieb­te Grün­wal­der­sta­di­on hin. Koch er­klär­te, der Ver­ein müs­se die­se Fra­ge nun mit der Stadt München klä­ren. Gleich­zei­tig wür­den vie­le klei­ne­re Klubs künf­tig wohl für die Lö­wen-Gast­spie­le um­zie­hen müs­sen. „Die Re­gio­nal­li­ga Bay­ern hat mit ei­nem völ­lig neu­en Fan-Auf­kom­men zu rech­nen“, so Koch. Hin­zu kom­men zahl­rei­che sport­li­che Fra­gen. Ab­stiegs­coach Vi­tor Pe­rei­ra hät­te schon in der 3. Li­ga nicht mehr zur Ver­fü­gung ge­stan­den, zu­dem dürf­te aus dem teu­ren Pro­fi­ka­der kein ein­zi­ger Spie­ler den Gang in den Ama­teur­fuß­ball mit­ma­chen. Als neue Grund­la­ge könn­te das Auf­ge­bot der bis­he­ri­gen zwei­ten Mann­schaft die­nen, die ver­gan­ge­ne Sai­son in der Re­gio­nal­li­ga Rang zwei be­legt hat­te. Im­mer­hin: Ei­ne In­sol­venz des Klubs ist laut Ver­eins­vi­ze­prä­si­dent Heinz Schmidt ak­tu­ell kein The­ma, auch wenn „ei­ne Über­schul­dung zwei­fels­oh­ne vor­han­den“sei. Da aber die Auf­wen­dun­gen als Ama­teur­ver­ein künf­tig deut­lich ge­rin­ger sind, hofft Vi­ze­prä­si­dent Hans Sitz­ber­ger so­gar auf ein we­nig mehr Frei­heit. 1860 müs­se nicht mehr je­de For­de­rung von Ha­san Is­ma­ik er­fül­len, sag­te Sitz­ber­ger: „Jetzt füh­le ich mich nicht mehr ab­hän­gig.“

1860-Prä­si­di­um wehrt sich ge­gen Vor­wür­fe

An­geb­lich fün­dig ge­wor­den: Nach der Ab­sa­ge von Lu­ci­en Fav­re scheint Pe­ter Bosz von Ajax Ams­ter­dam der neue Mann für den Trai­ner­pos­ten beim Fuß­ball-Bun­des­li­gis­ten Bo­rus­sia Dortmund zu sein. Fo­to: avs

Wie geht’s wei­ter bei den Münch­ner Lö­wen? Vie­les ist noch un­klar. Fo­to: avs

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