KSC: War­ten auf die Li­zenz

Zu­ver­sicht nach Nach­bes­se­run­gen

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SPORT - Ha­rald Lin­der

Samuel Be­ckett, der bri­ti­sche Dra­ma­ti­ker er­lang­te 1949 mit sei­nem Thea­ter­stück „War­ten auf Go­dot“Welt­ruhm. Die Haupt­fi­gu­ren des Stücks sind die bei­den Land­strei­cher Es­tra­gon und Wla­di­mir, die ih­re Zeit da­mit ver­brin­gen, auf ei­ne Per­son na­mens Go­dot zu war­ten. Ein War­ten, das ver­geb­lich ist, denn tat­säch­lich er­scheint er nie. Jetzt ist ein Ver­gleich des KSC mit den Be­ckett­schen Land­strei­chern na­tür­lich eben­so ab­surd wie des­sen Thea­ter­stück und beim KSC war­tet man auch nicht auf Go­dot, son­dern – und hof­fent­lich nicht ver­ge­bens – auf die Li­zenz für die Drit­te Li­ga. Die möch­te der Ver­ein im zwei­ten An­lauf er­hal­ten. Die Ant­wort dar­auf soll in den nächs­ten Ta­gen er­fol­gen und soll­te der KSC vom DFB die Be­stä­ti­gung be­kom­men, dass er die Auf­la­gen für das Er­tei­len die­ser Dritt­li­ga-Li­zenz er­fül­len konn­te, wird er in der neu­en Spiel­zeit zu­min­dest nicht mit „blan­ker Brust“auf­lau­fen müs­sen. In der ver­gan­ge­nen Wo­che hat der bis­he­ri­ge Haupt­spon­sor „Klai­ber Mar­ki­sen“sein En­ga­ge­ment beim KSC um ein wei­te­res Jahr ver­län­gert, wie in ei­ner ei­gens da­für ein­be­ru­fe­nen Pres­se­kon­fe­renz ver­kün­det wur­de. Das war vor knapp ei­nem Mo­nat längst nicht klar, denn da woll­te Ralf Klai­ber sein En­ga­ge­ment beim KSC „ei­gent­lich be­en­den“, er sag­te. Dann aber ha­be er sich über­legt, „dass wir uns nach sie­ben Jah­ren Zu­sam­men­ar­beit nicht ein­fach durch die Hin­ter­tür ver­ab­schie­den wol­len“und ge­stand, dass es am En­de ei­ne „zu 70 Pro­zent emo­tio­na­le und nur zu 30 Pro­zent wirt­schaft­li­che Ent­schei­dung“ge­we­sen sei, wei­ter­zu­ma­chen. Al­ler­dings zu deut­lich ver­min­der­ten Kon­di­tio­nen. Denn an­stel­le der bis­he­ri­gen rund 600 000 Eu­ro, die Klai­ber bis­her pro Sai­son an­geb­lich an den KSC über­wies, wer­den es in der Drit­ten Li­ga wohl nur noch 300 000 Eu­ro sein, die aus Forst in den Wild­park flie­ßen. Für den KSC den­noch ei­ne wich­ti­ge Ein­nah­me­quel­le, um die DFB-Auf­la­gen zu er­fül­len, für die es laut Prä­si­dent In­go Wel­len­reu­ther vor al­lem auf­grund der mas­siv ge­sun­ke­nen TV-Ein­nah­men „ei­ni­ger hef­ti­ger Klimm­zü­ge“be­durf­te, da­mit der kauf­män­ni­sche Ge­schäfts­füh­rer Rolf Ul­rich am Frei­tag die voll­stän­di­gen Un­ter­la­gen in der DFB-Ge­schäfts­stel­le in Frank­furt frist­ge­recht hin­ter­le­gen konn­te. So war lan­ge Zeit die Un­ter­schrift der KSCHaus­ban­ken un­ter die neu­en Kre­dit­ver­trä­ge un­si­cher. Erst nach meh­re­ren Ver­hand­lungs­run­den und dem er­kenn­ba­ren Spar­wil­len des KSC gab es von den Kre­dit­in­sti­tu­ten „grü­nes Licht“für die wei­te­re Ge­wäh­rung des bis­lang ein­ge­räum­ten „Kon­to­kor­rent­kre­dits“, des­sen Ge­samt­hö­he drei Mil­lio­nen Eu­ro be­tra­gen soll. Der in die­sem Zu­sam­men­hang von den Ban­ken ge­for­der­te Spar­kurs be­deu­tet für den KSC al­ler­dings er­heb­li­che Ein­schnit­te im Nach­wuchs­be­reich und in der U 23, was sich der Ver­ein bis­lang pro Jahr rund 2,5 Mil­lio­nen Eu­ro kos­ten ließ. Es gab so­gar die Über­le­gung, die U 23, die mit 800 000 Eu­ro zu Bu­che schlug, gänz­lich ab­zu­mel­den, was aber nach ei­ner Re­du­zie­rung de­ren Bud­gets auf we­ni­ger als die Hälf­te ver­mie­den wer­den konn­te. Im Nach­wuchs­leis­tungs­zen­trum muss­te eben­falls der Rot­stift an­ge­setzt wer­den. Das be­trifft vor al­lem Tei­le des dort be­schäf­tig­ten Per­so­nals, das vor­han­den sein muss, wenn ein sol­ches Zen­trum mit drei Ster­nen zer­ti­fi­ziert ist, wie das NLZ beim KSC. An die­sen Per­so­nal­kos­ten wird jetzt kräf­tig ge­spart, ob­wohl da­durch der „Drei-

Spar­kurs trifft den Nach­wuchs­be­reich

Ster­ne-Sta­tus“, der dem KSC in der Drit­ten Li­ga al­ler­dings so­wie­so nur noch 150 000 Eu­ro statt der bis­he­ri­gen 360 000 Eu­ro aus dem DFL-Topf brin­gen wür­de, ver­lo­ren geht. Der Li­zenz­spie­le­re­tat wur­de von 5,5 Mil­lio­nen Eu­ro auf fünf Mil­lio­nen re­du­ziert, doch all die­se Spar­maß­nah­men al­lei­ne hät­ten nicht aus­ge­reicht, wenn der KSC ne­ben der Un­ter­stüt­zung durch sei­nen Vi­ze­prä­si­den­ten Gün­ter Pi­lar­s­ky nicht noch wei­te­re Geld­ge­ber und Gön­ner ge­fun­den hät­te, die mit Bürg­schaf­ten oder Kos­ten­ver­zich­ten mit­ge­hol­fen ha­ben, die Li­zenz­auf­la­gen zu er­fül­len. So war bei­spiels­wei­se Pi­lar­s­ky in der ver­gan­ge­nen Wo­che noch zu Be­such bei Micha­el Köl­mel in Leip­zig, dem be­kannt­lich zehn Pro­zent aus den TV-Ein­nah­men zu­ste­hen und ver­ein­bar­te mit die­sem of­fen­bar ei­nen Ver­zicht auf die zwei­te Ra­te des ihm noch zu­ste­hen­den TV-Ho­no­rars für die ab­ge­lau­fe­ne Sai­son in Hö­he von rund 400 000 Eu­ro. Ob all die­se „Klimm­zü­ge“ge­hol­fen ha­ben, um die Li­zenz zu er­hal­ten, wird sich in den nächs­ten Ta­gen zei­gen. In­go Wel­len­reu­ther ist je­den­falls zu­wie ver­sicht­lich, dass der KSC am 21. Ju­li die Drit­te Li­ga in An­griff neh­men kann. Sport­lich sind die Pla­nun­gen da­für in vol­lem Gan­ge. Im Lau­fe der ver­gan­ge­nen Wo­che ver­pflich­te­te Oli­ver Kreu­zer mit Kai Bü­low und Do­mi­nik Stroh-En­gel (bei­de 31) die ex­ter­nen Neu­zu­gän­ge fünf und sechs. Ne­ben dem ehe­ma­li­gen „Lö­wen“-Ka­pi­tän Kai Bü­low, der dem KSC schon vor dem Ab­stieg der Sech­zi­ger zu­ge­sagt hat­te, wo­bei der De­fen­siv­ak­teur aus Rück­sicht auf die Re­le­ga­ti­ons­spie­le der Münch­ner dar­um bat, dies erst da­nach öf­fent­lich zu ma­chen, scheint der KSC mit dem ehe­ma­li­gen Darm­städ­ter „Auf­stiegs­ga­ran­ten“Do­mi­nik Stroh-En­gel ei­nen An­grei­fer ge­fun­den zu ha­ben, der die Tor­mi­se­re der BlauWei­ßen be­en­den könn­te. Bei­de un­ter­schrie­ben Ver­trä­ge bis 2019. Aus dem auf­ge­lös­ten Li­zenz­spie­ler­ka­der von 1860 München soll nach In­for­ma­tio­nen des SONN­TAG auch Jan Mau­ers­ber­ger zum KSC zu­rück­keh­ren, was bei Re­dak­ti­ons­schluss die­ser Aus­ga­be aber noch nicht fest­stand. Noch kei­nen neu­en Ver­ein ge­fun­den ha­ben Re­né Voll­ath und Yl­li Sal­lahi, de­nen der KSC na­he­leg­te, sich ei­nen sol­chen zu su­chen. Ob Mat­thi­as Ba­der (hat Aus­stiegs­klau­sel), Mar­vin Meh­lem (Darm­stadt soll In­ter­es­se ha­ben) und Bou­ba­car Bar­ry blei­ben wer­den, ist da­ge­gen wei­ter of­fen.

Auch Mau­ers­ber­ger soll noch von 1860 kom­men

Ex-Lö­we im Wild­park: Kai Bü­low, der am Mitt­woch sei­nen 31. Ge­burts­tag fei­er­te, kommt ab­lö­se­frei von 1860 zum Karls­ru­her SC. Ein­satz­ge­biet ist die In­nen­ver­tei­di­gung oder das de­fen­si­ve Mit­tel­feld. Fo­to: ima­go

Geht künf­tig für den KSC auf To­re­jagd: Of­fen­siv­mann Do­mi­nik Stroh-En­gel. Fo­to: GES

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