Das „Bähn­le“zur „Bu­ga“

Der Sonntag (Mittelbaden) - - DIE REGION - SO

Zur Bun­des­gar­ten­schau (Bu­ga) 1967 in Karls­ru­he wur­den vie­le Ve­rän­de­run­gen und Se­hens­wür­dig­kei­ten ge­schaf­fen, die bis heu­te Be­stand ha­ben. Ei­ne die­ser At­trak­tio­nen war ei­ne Klein­bahn, die die Be­su­cher der Gar­ten­schau durch den neu ge­stal­te­ten Schloss­gar­ten und den an­gren­zen­den Fa­sa­nen­gar­ten chauf­fier­te. Hos­tes­sen er­klär­ten auf je­der Run­de die mar­kan­ten Se­hens­wür­dig­kei­ten ent­lang der Schie­nen­stre­cke und die Be­son­der­hei­ten rund um die Bun­des­gar­ten­schau. Vier Zü­ge mit je ei­ner Lo­ko­mo­ti­ve und drei An­hän­ge­wa­gen wa­ren im Ein­satz, bei ho­hem Be­su­cher­an­drang dreh­ten sie pau­sen­los ih­re Run­den. Mit dem En­de der Bun­des­gar­ten­schau im Ok­to­ber 1967 stell­te auch die Klein­bahn ih­ren Be­trieb ein. Es war von vorn­her­ein vor­ge­se­hen ge­we­sen, die Bahn nur wäh­rend die­ses Groß­er­eig­nis­ses fah­ren zu las­sen und dann wie­der ab­zu­bau­en. Aber da hat­te man die Rech­nung oh­ne die ein­hei­mi­schen Zug-Fans ge­macht: Die schnit­ti­gen Lo­ko­mo­ti­ven und die far­ben­fro­hen Wa­gen hat­ten schnell die Her­zen der Karls­ru­her Bür­ger er­obert. Nicht zu­letzt der da­ma­li­ge Ober­bür­ger­meis­ter Gün­ther Klotz hat­te gro­ßen Ge­fal­len an dem drol­li­gen Bähn­chen ge­fun­den. Klotz und der da­ma­li­ge Gar­ten­bau­di­rek­tor Ro­bert Mürb (heu­te auch be­kannt als Vor­sit­zen­der der Lan­des­ver­ei­ni­gung Ba­den in Eu­ro­pa) setz­ten sich für den Er­halt der Bahn ein und ver­han­del­ten mit der Lan­des­re­gie­rung in Stutt­gart, der Ei­gen­tü­me­rin des Schlos­ses und des Schloss­gar­tens, über den Fort­be­stand der be­lieb­ten Ein­rich­tung. Im April 1968 wur­de die Be­triebs­er­laub­nis er­teilt und die Schloss­gar­ten­bahn star­te­te in ih­re ers­te Sai­son nach der Bun­des­gar­ten­schau. Das Bähn­chen war zwar wei­ter­hin be­liebt, warf aber lei­der nicht den er­hoff­ten Ge­winn ab. Da plötz­lich kam dem Karls­ru­her Stra­ßen­bahn­fah­rer Man­fred Hal­le die ret­ten­de Idee: Er hat­te 1967 ei­ne schmal­spu­ri­ge Dampf­lok ge­kauft und lie­be­voll re­stau­riert, wuss­te aber nicht, wo und wann er sie je­mals wür­de ein­set­zen kön­nen. Zu­fäl­li­ger­wei­se hat­ten die Bahn und sei­ne Lok die sel­be Spur­wei­te von 600 Mil­li­me­tern. Was folg­te, war ei­ne Win-Win-Si­tua­ti­on: Die Ver­ei­ni­gung von Schloss­gar­ten­bahn und Dampf­lo­ko­mo­ti­ve war über­aus er­folg­reich. Und die­se al­te, 1939 ge­bau­te „Greif-Lok“, dreht noch heu­te – an Sonn- und Fei­er­ta­gen – ih­re Run­den im Schloss­gar­ten.

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