„Sie ist er­le­digt“

Mas­si­ve Kri­tik an The­re­sa May / St­abs­chefs tre­ten zu­rück

Der Sonntag (Mittelbaden) - - ERSTE SEITE -

Nach der Wahl­schlap­pe der To­ries bei der Par­la­ments­wahl in Groß­bri­tan­ni­en ha­ben zwei lang­jäh­ri­ge Ver­trau­te von Pre­mier­mi­nis­te­rin The­re­sa May den Hut ge­nom­men. Die bei­den St­abs­chefs Nick Ti­mo­thy und Fio­na Hill leg­ten ges­tern ih­re Äm­ter nie­der. Bri­ti­schen Me­dien­be­rich­ten zu­fol­ge hat­ten füh­ren­de Mit­glie­der der kon­ser­va­ti­ven To­ries den Ver­bleib Mays im Amt vom Rück­tritt ih­rer St­abs­chefs ab­hän­gig ge­macht. Nick Ti­mo­thy er­klär­te in ei­nem von der Web­site „Con­ser­va­ti­ve­Ho­me“ver­öf­fent­lich­ten Schrei­ben, er über­neh­me die Ver­ant­wor­tung für sei­ne Rol­le im Wahl­kampf der Kon­ser­va­ti­ven. We­nig spä­ter be­stä­tig­te ein Par­tei­spre­cher, auch Hill ha­be ih­ren Rück­tritt ein­ge­reicht. So­wohl Ti­mo­thy als auch Hill hat­ten May be­reits wäh­rend ih­rer Zeit als In­nen­mi­nis­te­rin von 2010 bis 2016 als Be­ra­ter zur Sei­te ge­stan­den. Als Grund für das „ent­täu­schen­de Er­geb­nis“bei der Wahl am Don­ners­tag führ­te Ti­mo­thy in sei­nem Schrei­ben ei­nen „un­er­war­te­ten An­stieg der Un­ter­stüt­zung für La­bour“an. Ei­nen Man­gel an Un­ter­stüt­zung für May ha­be es hin­ge­gen nicht ge­ge­ben. Ti­mo­thy war vor­ge­wor­fen wor­den, maß­geb­lich hin­ter dem um­strit­te­nen Vor­ha­ben zu ste­hen, äl­te­re Men­schen maß­geb­lich für die Kos­ten ih­rer Pfle­ge auf­kom­men zu las­sen. Selbst in der kon­ser­va­ti­ven Pres­se stieß dies auf mas­si­ve Ab­leh­nung. May zog den Plan an­ge­sichts der ver­brei­te­ten Em­pö­rung schließ­lich mit­ten im Wahl­kampf wie­der zu­rück. Die bei­den St­abs­chefs wur­den bri­ti­schen Me­dien­be­rich­ten zu­fol­ge zu­dem für ei­ne „to­xi­sche“At­mo­sphä­re in Mays Re­gie­rungs­mann­schaft ver­ant­wort­lich ge­macht. Die frü­he­re Kom­mu­ni­ka­ti­ons­che­fin der Pre­mier­mi­nis­te­rin, Ka­tie Per­ri­or, be­klag­te ge­gen­über dem Sen­der BBC ei­ne „schreck­li­che“Stim­mung bei Tref­fen, an de­nen Ti­mo­thy und Hill teil­nah­men. Die bei­den St­abs­chefs hät­ten kei­nen Re­spekt ge­gen­über Mit­ar­bei­tern oder so­gar Ka­bi­netts­mit­glie­dern ge­zeigt. Sie ha­be ge­dacht, May be­nö­ti­ge an­ge­sichts der Br­ex­itVer­hand­lun­gen „Di­plo­ma­ten und kei­ne Stra­ßen­kämp­fer“, sag­te Per­ri­or. Ei­gent­lich hat­te May sich von der vor­ge­zo­ge­nen Neu­wahl ein star­kes Man­dat für die Br­ex­it-Ver­hand­lun­gen er­hofft, ih­re kon­ser­va­ti­ven To­ries er­lit­ten statt­des­sen aber bit­te­re Ver­lus­te und büß­ten ih­re ab­so­lu­te Mehr­heit ein. Trotz Rück­tritts­for­de­run­gen ließ sich May am Frei­tag von Kö­ni­gin Eliz­a­beth II. of­fi­zi­ell mit der Bil­dung ei­ner neu­en Re­gie­rung be­auf­tra­gen. In der bri­ti­schen Pres­se steht May mas­siv in der Kri­tik. „Sie ist er­le­digt“, ti­tel­te die Bou­le­vard-Zei­tung „The Sun“ges­tern. Auch vie­le an­de­re bri­ti­sche Zei­tun­gen se­hen die Pre­mier­mi­nis­te­rin ge­schwächt: „May blickt in den Ab­grund“lau­te­te die Schlag­zei­le in der „Ti­mes“.

„Sie braucht Di­plo­ma­ten, kei­ne Stra­ßen­kämp­fer“

Über­nahm die Ver­ant­wor­tung: The­re­sa Mays St­abs­chef Nick Ti­mo­thy trat zu­rück. Fo­to: AFP

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