„40 Jah­re sind ge­nug“

Polan­ski-Op­fer for­dert En­de der Straf­ver­fol­gung

Der Sonntag (Mittelbaden) - - AKTUELL - AFP

Vier Jahr­zehn­te nach ih­rer Ver­ge­wal­ti­gung durch Star­re­gis­seur Ro­man Polan­ski hat das Miss­brauchsop­fer Sa­man­tha Gei­mer die US-Jus­tiz persönlich um die Ein­stel­lung des Ver­fah­rens ge­be­ten. Sie bit­te dar­um „als Akt der Barm­her­zig­keit für mich und mei­ne Fa­mi­lie“, sag­te die 54-Jäh­ri­ge am Frei­tag vor Ge­richt in Los An­ge­les. Gei­mer leg­te dem Rich­ter Scott Gor­don zu­dem drin­gend ans Herz, ei­nen 83-Jäh­ri­gen nicht ins Ge­fäng­nis zu ste­cken. Polans­kis An­walt Har­land Braun sag­te: „Sie will, dass es vor­bei ist“. 40 Jah­re sei­en ge­nug. Gei­mer hat­te be­reits mehr­fach dar­um ge­be­ten, den Fall zu den Ak­ten zu le­gen und sie end­lich ihr Le­ben le­ben zu las­sen. Polan­ski hat­te 1977 im Al­ter von 43 Jah­ren Sex mit der da­muss. mals 13-Jäh­ri­gen im Haus des Schau­spie­lers Jack Ni­chol­son in Los An­ge­les. Er war zu­nächst we­gen Ver­ge­wal­ti­gung an­ge­klagt, spä­ter lau­te­te der Vor­wurf auf un­er­laub­ten Sex mit ei­ner Min­der­jäh­ri­gen. Polan­ski be­kann­te sich schul­dig und saß 42 Ta­ge in Haft, um sich psych­ia­tri­schen Tests un­ter­zu­zie­hen. Doch dann ließ der Rich­ter den De­al plat­zen und for­der­te ei­ne 50-jäh­ri­ge Haft­stra­fe für den pol­nisch-fran­zö­si­schen Re­gis­seur. Polan­ski floh dar­auf­hin vor der Ur­teils­ver­kün­dung nach Eu­ro­pa und kehr­te seit­dem nicht mehr in die USA zu­rück. Auch im neu­er­li­chen Ver­fah­ren wei­ger­te er sich, vor Ge­richt zu er­schei­nen, weil er nach An­ga­ben sei­nes An­walts mit ei­nem un­fai­ren Pro­zess rech­nen Braun warf der Jus­tiz vor, „Fak­ten und das Ge­setz zu miss­ach­ten“, um die Öf­fent­lich­keit mit ih­rem har­ten Vor­ge­hen zu be­ein­dru­cken. Gei­mers An­walt hat­te im Na­men sei­ner Man­dan­tin schon vor Jah­ren die Ein­stel­lung des Ver­fah­rens ver­langt. Gei­mer sei durch „un­fai­re“und „un­sach­ge­mä­ße“Ge­richts­ver­fah­ren ge­scha­det wor­den. Auch Gei­mer selbst ging die Jus­tiz hart an. In ei­nem Schrei­ben hat­te sie Be­zirks­staats­an­wäl­tin Ja­ckie Lacey und de­ren Stell­ver­tre­te­rin Mi­che­le Ha­ni­see vor­ge­wor­fen, nur ih­re ei­ge­ne Kar­rie­re im Kopf zu ha­ben. Pro­mi­nen­te Fäl­le soll­ten von „Leu­ten wie Ih­nen“nicht da­zu miss­braucht wer­den, selbst ins Ram­pen­licht zu kom­men und ih­re Kar­rie­re vor­an­zu­trei­ben, schrieb sie.

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