„Summ summ summ“

War­um Bie­nen sehr wich­tig sind

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SONNTAGSKINDER - Tanja Ka­sisch­ke

Dass die Tem­pe­ra­tu­ren im Früh­ling noch ein­mal ab­sack­ten, setz­te nicht nur den Men­schen zu. Lässt der Früh­ling auf sich war­ten, hun­gern die Bie­nen. Sie müs­sen im Stock blei­ben und kön­nen nicht aus­flie­gen. Wenn noch nichts blüht, sind die In­sek­ten dar­auf an­ge­wie­sen, vom Im­ker ge­füt­tert zu wer­den. Ei­ni­ge Bie­nen­völ­ker ge­hen trotz­dem ein. Der Bie­nen­for­scher Kas­par Bie­ne­feld vom Län­der­in­sti­tut für Bie­nen­kun­de aber sagt: „Die Bie­nen sind nicht am Aus­ster­ben.“Er be­ob­ach­te, „dass die Bie­nen­hal­tung welt­weit zu­nimmt. Die Zahl der Be­rufs­im­ker sinkt zwar, da­für steigt die Zahl der Hob­by­im­ker. Selbst Ho­nig zu pro­du­zie­ren, ist ein Trend. Und gut für die Um­welt: Bie­nen sind wich­tig für die öko­lo­gi­sche Viel­falt“. Äp­fel, Bir­nen, Pflau­men, Kir­schen, Was­ser­me­lo­nen, Gur­ken, Pa­pri­kas: Al­les Früch­te, die wir den Bie­nen ver­dan­ken. Sie be­stäu­ben die Blü­ten der Pflan­zen und sor­gen so da­für, dass sich die Früch­te bil­den. In der Wahr­neh­mung der meis­ten Men­schen ist die Rol­le der Bie­ne aber die der Ho­nig­pro­du­zen­tin. Witz­bol­de spre­chen von Ho­nig als „Bie­nen­spu­cke“, das klingt ab­wer­tend, ist aber tech­nisch rich­tig. Je­de Bie­ne, die vom Nekt­ar­sam­meln in den Stock zu­rück­kehrt, über­gibt den In­halt ih­rer Ho­nig­bla­se ei­ner Ar­bei­te­rin. Sie spuckt ihn tat­säch­lich aus. Die Ar­bei­te­rin saugt ihn mit ih­rem Rüs­sel wie mit ei­nem Stroh­halm auf und la­gert ihn ei­ner Ho­nig­wa­be des Stocks ein. Et­wa 40000 Bie­nen zählt ein Volk. Für 500 Gramm Ho­nig müs­sen die flei­ßi­gen In­sek­ten meh­re­re Mil­lio­nen Blü­ten an­flie­gen und 120000 Ki­lo­me­ter zu­rück­le­gen. Das ent­spricht ei­ner Stre­cke, die drei­mal die Er­de um­run­det. An­ge­führt wird das Volk von sei­ner Kö­ni­gin, die drei bis vier Jah­re alt wird. Ar­beits­bie­nen wer­den nur fünf bis sechs Wo­chen alt. Ei­ne Aus­nah­me sind die im Herbst ge­bo­re­nen Ar­bei­te­rin­nen, sie über­le­ben den Win­ter und le­ben bis zu neun Mo­na­te. Die Kö­ni­gin ist die ein­zi­ge Bie­ne, die Eier legt und für die Fort­pflan­zung ih­res Vol­kes sorgt. 2 000 Eier kom­men pro Tag zu­sam­men, in ei­nem Kö­ni­gin­nen­le­ben gut ei­ne Mil­li­on, Herbst- und Win­ter­mo­na­te aus­ge­nom­men. Schlüpft ei­ne neue Kö­ni­gin, fliegt die bis­he­ri­ge An­füh­re­rin aus: Sie ver­lässt den Stock und nimmt die Hälf­te des Vol­kes mit. Der Rest schließt sich der jun­gen Kö­ni­gin an. Weil Bie­nen ih­rer Kö­ni­gin fol­gen, ha­ben es die Im­ker leicht, ei­nen Schwarm ein­zu­fan­gen oder um­zu­sie­deln. Sie müs­sen nicht je­des In­sekt ein­zeln fan­gen, nur die Kö­ni­gin. Al­le an­de­ren Bie­nen flie­gen ihr nach. Au­ßer der Kö­ni­gin und den Ar­bei­te­rin­nen zäh­len auch „Bie­nen­män­ner“zu ei­nem Volk, die Droh­nen. Sie sam­meln kei­nen Ho­nig, wer­den da­für al­ler­dings auch nicht im Win­ter durch­ge­füt­tert, son­dern im Herbst aus dem Stock ge­wor­fen und ver­hun­gern. Mit blo­ßem Au­ge sind Droh­nen von den Ar­bei­te­rin­nen nicht zu un­ter­schei­den, ob­wohl sie drei Mil­li­me­ter grö­ßer sind. Und: Ein Drohn hat kei­nen St­a­chel. Der künst­lich an­ge­leg­te Bie­nen­stock ei­nes Im­kers heißt Beu­te. In die Holz­rah­men im In­nern ei­ner Beu­te bau­en die Bie­nen ih­re Wa­ben und fül­len sie mit Ho­nig. Wenn der Im­ker Ho­nig „er­beu­tet“, nimmt er die Rah­men her­aus und stellt die Wa­ben in die Ho­nig­schleu­der, ei­ne Art Ka­rus­sell, das sich auch dreht. Aus ei­ner Öff­nung am Bo­den fließt der ge­schleu­der­te Ho­nig her­aus. Frei­wil­lig über­las­sen die Bie­nen dem Im­ker das Feld nicht. Sie kön­nen ziem­lich un­ge­müt­lich wer­den, wenn man ih­re Vor­rä­te an­greift. Doch der Im­ker ist vor­be­rei­tet, trägt ei­nen Schutz­an­zug mit Helm ge­gen Sti­che und ver­teilt Rauch aus sei­nem Smo­ker, ei­nem Rauch­ge­rät. Der Rauch stellt die Bie­nen ru­hig und er­leich­tert dem Im­ker die Ar­beit

Ein Bild aus dem Buch „Bie­nen“von Piotr Socha. Er ist Zeich­ner und Au­tor und ein be­kann­ter pol­ni­scher Car­too­nist. Sein Va­ter hielt au­ßer­dem Bie­nen, des­halb kennt er sich so gut aus. Bild: Gers­ten­berg-Ver­lag

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