Pe­dro Weiss: Trom­mel-Le­gen­de aus Karlsruhe

Der Sonntag (Mittelbaden) - - ERSTE SEITE - Tho­mas Liebs­cher

Die Trom­mel­brem­se hat er prak­tisch noch nie ein­le­gen müs­sen. Zum Rhyth­mus sei­nes Le­bens ge­hört Mu­sik in Hand­ar­beit ein­fach da­zu. Schlag­fer­tig war er schon im­mer. „Mei­ne Mut­ter er­zähl­te, dass ich wirk­lich schon als klei­ner Bub auf ver­schie­de­nen Koch­töp­fen ge­trom­melt ha­be. Und ich wuss­te tat­säch­lich schon ganz früh: ,Schlag­zeug, des is­ses‘, be­rich­tet Pe­dro Weiss. Er sitzt in sei­nem hel­len Un­ter­richts- und Übungs­raum im Krea­tiv­park Al­ter Schlacht­hof Karlsruhe, um­ge­ben von je­der Men­ge klei­ner und gro­ßer Trom­meln so­wie dut­zen­den von Per­cus­sions-In­stru­men­ten: Gro­ßen fass­för­mi­gen Con­gas mit der Va­ria­ti­on Tum­ba (tie­fer ge­stimmt) oder Quin­to (hö­her klin­gend). Ob die klei­ne­ren, gut mit den Fin­gern zu be­ar­bei­ten­den Bon­gos oder ge­heim­nis­vol­le afri­ka­ni­sche Trom­meln – Pe­dro Weiss hat al­les, spielt al­les, lehrt al­les für Grup­pen. Den 58-jäh­ri­gen Karls­ru­her darf man als ei­ne In­sti­tu­ti­on in der Mu­sik­sze­ne be­zeich­nen. Seit Jahr­zehn­ten ist er ein ge­frag­ter Schlag­zeu­ger bei vie­len For­ma­tio­nen, un­er­müd­lich krea­ti­ver Hand­tromm­ler so­wie Leh­rer plus Leit­wolf für di­ver­se Rhyth­mus-For­ma­tio­nen. Wie bei­spiels­wei­se die „Fa­mi­ly of Groo­ve“. Dort sind fünf Per­cus­sio­nis­ten er­gänzt mit Sa­xo­fon, Pia­no, Ge­sang und Bass. Ma­gisch und me­di­ta­tiv er­füllt dann vi­brie­ren­der Sound den gan­zen Kör­per der Zu­hö­rers. Wie­der zu er­le­ben ist das am 24. Ju­ni abends bei der Gröt­zin­ger Kul­tur­mei­le. „Mit ’Fa­mi­ly of Groo­ve’ möch­te ich wirk­lich so weit kom­men, ein­mal gar kei­ne Co­ver-Songs zu spie­len, son­dern nur ei­ge­nes. Ganz so wie in mei­nen An­fangs­zei­ten der 80er Jah­re“, meint Weiss, der Pe­dro nicht erst als Künst­ler­na­men er­hielt. Sei­nen Weg eb­ne­te auch ein auf­merk­sa­mer Mu­sik­leh­rer an der Dur­la­cher Fried­rich-Re­al­schu­le, der Pe­dros Ta­lent er­kann­te und ihn nach­mit­tags ei­nen Raum mit Schlag­zeug öff­ne­te. In Schul­bands und Ju­gend­zen­tren fand die un­bän­di­ge Lust an die­sem In­stru­ment Re­so­nanz. Fu­si­on und Art-Rock, das wa­ren sei­ne Rich­tun­gen. So ver­tieft und stets un­ter Trom­mel­span­nung Weiss er­scheint, er hat die Lei­den­schaft für sei­ne Mu­sik im­mer mit dem in der Re­gi­on ver­wur­zel­tem, Le­ben zu­sam­men­ge­bracht „Ich ha­be den Zi­vil­dienst in der Psych­ia­trie ge­macht, Psy­cho­lo­gie und Päd­ago­gik stu­diert, auch ab­ge­schlos­sen und früh be­gon­nen, in Karlsruhe Schlag­zeug zu un­ter­rich­ten. Jahr­zehn­te­lang in der Süd­stadt“. Ein Bo­he­me­le­ben mit Tour­ne­en war nicht das gro­ße Ziel. Lie­ber bil­de­te sich Weiss stän­dig wei­ter, un­ter an­de­rem auf Ku­ba oder bei noch be­rühm­te­ren Kol­le­gen. Er hat nie auf­ge­hört sti­lis­tisch aus­zu­pro­bie­ren, muss aber nicht mehr über­all wir­beln mit sei­nen Trom­meln. „Ich leis­te es mir ein­fach in­zwi­schen, mehr aus­zu­wäh­len und wirk­lich das an­zu­neh­men, was mir mu­si­ka­lisch Spaß macht – und das im­mer noch viel“, er­zählt Weiss mit sei­ner in­ten­si­ven Ernst­haf­tig­keit, die er mit sei­ner tag­hel­len Tran­ce bei schweiß­trei­ben­der Pra­xis auf der Büh­ne zu ver­bin­den weiß. Und Zu­sam­men­ar­beit, trotz al­ler In­di­vi­dua­li­tät, in jah­re­lang be­ste­hen­den Grup­pen hat er sich wohl früh zu ei­gen ge­macht – in der Fa­mi­lie als jüngs­tes Kind mit vier äl­te­ren Schwes­tern.

Den Rhyth­mus sei­nes Le­bens be­stim­men Schlag­zeug und Trom­meln je­der Art: Pe­dro Weiss. Der Karls­ru­her Per­cus­sio­nist und Trom­mel­leh­rer ist so et­was wie ei­ne In­sti­tu­ti­on in der Bran­che. Fo­to: Ar­tis

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