„Stra­ßen nach Kohl be­nen­nen“

Der Tod des Alt­bun­des­kanz­lers ruft wei­ter gro­ße An­teil­nah­me her­vor

Der Sonntag (Mittelbaden) - - ERSTE SEITE -

Der Tod von Alt­bun­des­kanz­ler Hel­mut Kohl (CDU) ruft wei­ter­hin gro­ße An­teil­nah­me her­vor. Po­li­ti­ker von CDU und SPD spra­chen sich ges­tern da­für aus, den „Kanz­ler der Ein­heit“durch ei­ne Stif­tung oder die Be­nen­nung von Stra­ßen und Plät­zen nach Kohl zu eh­ren. Papst Fran­zis­kus wür­dig­te den ver­stor­be­nen Alt­kanz­ler als „gro­ßen Staats­mann und über­zeug­ten Eu­ro­pä­er“. Kohl ha­be „mit Weit­blick und Hin­ga­be für das Wohl der Men­schen in Deutsch­land und der eu­ro­päi­schen Nach­barn ge­ar­bei­tet“, er­klär­te der Papst in ei­nem Bei­leids­te­le­gramm an die Bun­des­re­gie­rung. Fran­zis­kus lob­te Kohls „un­er­müd­li­ches Wir­ken für die Ein­heit Deutsch­lands und die Ei­ni­gung Eu­ro­pas so­wie sei­nen Ein­satz für Frie­den und Ver­söh­nung“. In Ge­den­ken an Kohl wird die deut­sche Fuß­ball-Na­tio­nal­mann­schaft bei ih­rem Auf­takt­spiel beim Con­fed Cup am Mon­tag in Sot­schi Trau­er­flor tra­gen. Ein ent­spre­chen­der An­trag des Deut­schen Fuß­ball-Bunds (DFB) für das Spiel ge­gen Aus­tra­li­en wur­de vom Welt­ver­band ge­neh­migt. Ort und Zeit­punkt für ei­nen deut­schen Staats­akt zu Eh­ren Kohls stan­den ges­tern noch nicht fest. Er könn­te in Rhein­land-Pfalz statt­fin­den. EU-Kom­mis­si­ons­prä­si­dent Je­an-Clau­de Juncker will den Alt­kanz­ler mit ei­nem erst­ma­li­gen eu­ro­päi­schen Staats­akt in Straß­burg eh­ren. Der lang­jäh­ri­ge Kanz­ler Hel­mut Kohl war am Frei­tag­mor­gen im Al­ter von 87 Jah­ren in sei­ner rhein­land-pfäl­zi­schen Hei­mat Lud­wigs­ha­fen ge­stor­ben. Seit ei­nem Sturz und Schä­del-Hirn-Trau­ma 2008 war Kohl schwer krank, saß im Roll­stuhl und konn­te nur schwer spre­chen. 2015 hat­te sich sein Zu­stand deut­lich ver­schlech­tert. Nach Ope­ra­tio­nen lag er mo­na­te­lang im Kran­ken­haus. Kohl kehr­te wie­der in sein Haus in Lud­wigs­ha­fen-Og­gers­heim zu­rück, wo er zu­letzt im April 2016 noch Un­garns Mi­nis­ter­prä­si­den­ten Vik­tor Or­ban emp­fing. Die Jun­ge Uni­on woll­te ges­tern Abend ei­ne Ge­denk­wa­che vor Kohls Haus im Lud­wigs­ha­fe­ner Stadt­teil Og­gers­heim ab­hal­ten. An Kohls Wohn­haus wur­den seit Frei­tag Blu­men ge­bracht. Zum Ge­den­ken an ih­ren lang­jäh­ri­gen Vor­sit­zen­den leg­te die CDU in ih­rer Par­tei­zen­tra­le in Ber­lin ein Kon­do­lenz­buch aus. Au­ßer vor Ort im Kon­rad-Ade­nau­erHaus kön­nen letz­te Grü­ße auch auf der In­ter­net­sei­te der Par­tei ab­ge­ge­ben wer­den. Die Ber­li­ner CDU-Vor­sit­zen­de Mo­ni­ka Grüt­ters kann sich vor­stel­len, dass in Ber­lin ei­ne Stra­ße oder ein Platz nach dem Ex-Kanz­ler be­nannt wird. Dies stößt auch in der SPD auf Zu­stim­mung. „Mit sei­nen be­son­de­ren Ver­diens­ten um Eu­ro­pa und um die Ein­heit der Deut­schen hat Hel­mut Kohl es ver­dient, dass in Ber­lin und an­de­ren Städ­ten auch Stra­ßen und Plät­ze nach ihm be­nannt wer­den“, sag­te der frü­he­re SPD-Vor­sit­zen­de Ru­dolf Schar­ping der „Welt am Sonn­tag“. Auch US-Prä­si­dent Do­nald Trump hat die Leis­tun­gen des Alt­kanz­lers ge­wür­digt. Er re­agier­te deut­lich spä­ter als vie­le an­de­re am­tie­ren­den und ehe­ma­li­ge Staats- und Re­gie­rungs­chefs. Der Chef­re­dak­teur der Ber­li­ner Ta­ges­zei­tung „taz“hält die ei­ge­ne Ti­tel­sei­te zum Tod von Hel­mut Kohl für miss­glückt. „Die taz ge­stal­tet ih­re Ti­tel­sei­ten nach dem Prin­zip „Lie­ber frech und frei als brav“. In die­sem Fall ist das miss­glückt. Und das tut mir leid“, schrieb Chef­re­dak­teur Ge­org Lö­wisch auf der Web­site der Zei­tung (taz.de). Auf dem Co­ver der „taz. am Wo­che­n­en­de“war un­ter der Zei­le „Blü­hen­de Land­schaf­ten“üp­pi­ger Gr­abblu­men­schmuck samt ei­ner Bir­ne über ei­nem Trau­er­flor zu se­hen. In so­zia­len Netz­wer­ken fan­den das vie­le ge­schmack­los.

Fo­to: avs

In der CDU-Par­tei­zen­tra­le Ber­lin kön­nen sich Men­schen in ein Kon­do­lenz­buch für Hel­mut Kohl ein­tra­gen. Der „Kanz­ler der Ein­heit“war am Frei­tag im Al­ter von 87 Jah­ren in Lud­wigs­ha­fen ge­stor­ben.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.