Hei­ße Hö­schen: Je­ans wer­den im­mer wie­der neu er­fun­den

Bestickt, zer­fetzt und zu­sam­men­ge­stü­ckelt: Je­ans wer­den im­mer wie­der neu er­fun­den

Der Sonntag (Mittelbaden) - - ERSTE SEITE -

Gibt es ei­gent­lich ir­gend­je­man­den, der kei­ne Je­ans im Klei­der­schrank hat? Und selbst wenn – dass die Je­ans ei­ne Al­ler­welts­ho­se ist, wird kaum je­mand be­strei­ten. Und doch gilt in der zur Skur­ri­li­tät nei­gen­den Mo­de­welt Denim im Som­mer 2017 als ei­ner der ganz gro­ßen Trends. Ne­ben den her­kömm­li­chen lan­gen Je­ans er­obern mehr und mehr kur­ze Va­ri­an­ten die Som­mer­kol­lek­tio­nen. „7/8-Je­ans ge­hö­ren zum Beid­ar­aus spiel da­zu“, sagt Mo­de­be­ra­te­rin Andrea La­ke­berg aus Ber­lin. Aber auch Röh­ren- und Ka­rot­ten­ho­sen sei­en ak­tu­ell mo­di­sche For­men, meint Ein­kaufs­be­ra­te­rin Anet­te Hel­big aus Han­no­ver. Und auch Je­ans-Latz­ho­sen oder Over­alls aus Denim sind zu ha­ben. Vor al­lem die hell­blau­en Va­ri­an­ten sei­en der­zeit an­ge­sagt, er­läu­tert Andrea La­ke­berg. „Oft­mals sind die­se Mo­del­le be­son­ders läs­sig, mit aus­ge­frans­ten Säu­men oder aus­ge­stell­tem Bein.“Und die De­si­gner wa­gen man­ches Ex­pe­ri­ment: „Da­zu ge­hö­ren un­ter an­de­rem Je­ans, die zu­nächst aus­ein­an­der­ge­schnit­ten und dann neu wie­der zu­sam­men­ge­setzt wer­den – aber so, dass man die­ses Flick­werk ganz be­wusst sieht“, be­rich­tet Anet­te Hel­big. So­wie­so sind Je­ans jetzt häu­fig mit bun­ten Pat­ches be­setzt oder bestickt, et­wa mit Blu­men­ran­ken. Be­son­ders ger­ne grei­fen die De­si­gner der­zeit aber zum La­ser-Cut: Ein fei­ner La­ser­strahl ritzt Mus­ter auf den Den­im­stoff, auch mehr oder we­ni­ger kunst­vol­le Ris­se las­sen sich so her­stel­len. Was die ei­nen als tren­di­gen De­s­troy­ed-Look fei­ern, schmä­hen die an­de­ren als zer­fetz­te Ho­sen. Kei­ne Fra­ge: Der ech­te Klas­si­ker zeigt sich in die­sem Mo­de­som­mer in sei­ner gan­zen Viel­falt und mit vie­len neu­en Ide­en. Gleich ge­blie­ben al­ler­dings ist der Stoff, aus dem Je­ans ge­macht sind: Denim. „Der Be­griff ist ei­ne Ver­kür­zung der fran­zö­si­schen Wor­te de Nî­mes – aus Nî­mes“, er­klärt Stil­be­ra­te­rin Kat­ha­ri­na Star­lay aus Wies­ba­den. Aus die­ser Stadt ka­men Mit­te des 19. Jahr­hun­derts die kräf­ti­gen Baum­woll­stof­fe und das zur Blau­fär­bung be­nö­tig­te In­di­go. Die Stof­fe wur­den via Ge­nua in die USA ver­schifft. Das fran­zö­si­sche Wort für die ita­lie­ni­sche Stadt ist Gê­nes, mach­ten die Ame­ri­ka­ner kur­zer­hand die Je­ans. Be­reits seit mehr als 160 Jah­ren gibt es die un­ver­wüst­li­che Ho­se. In den 1950er Jah­ren hat sie den Sprung von der Ar­beits­be­klei­dung in die Mo­de ge­schafft. Auf den Ar­beits­be­zug darf man sich aber nicht blind er­las­sen: Zwar trägt man Je­ans heu­te wirk­lich über­all, aber nicht un­be­dingt zur Ar­beit. „Das kommt na­tür­lich we­sent­lich dar­auf an, wie der Dress­code und die Ziel­grup­pe des Un­ter­neh­mens sind, in dem man ar­bei­tet“, sagt Star­lay. „Aber nicht nur: Lö­cher und aus­ge­frans­te Säu­me sen­den im Be­rufs­le­ben die fal­sche Bot­schaft, und auch das ty­pi­sche hel­le Blau vie­ler Je­ans passt bes­ser in die Frei­zeit.“

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