„Mol wid­der nee­dich“

Ra­s­an­tes „Lust­spiel“an der Ba­disch Bühn Karls­ru­he

Der Sonntag (Mittelbaden) - - DIE REGION - Tho­mas Liebs­cher

Ein som­mer­ty­pisch schwü­ler Tag in Karls­ru­he. In der Wohn­ge­mein­schaft der Stu­den­ten Flo und Vinz ver­treibt die Putz­frau be­reits Schna­ken und Mü­cken. In der Hit­ze des Ta­ges ist ein Be­su­cher­pär­chen be­son­ders heiß auf­ein­an­der. Be­vor aber das stun­den­wei­se ver­mie­te­te Zim­mer frei ist, ver­kün­det die Rei­ni­gungs- und Haus­meis­te­rin Re­geln fürs Lie­bes­stünd­chen. Die Ge­schäf­te mit ih­nen lau­fen gut für die flei­ßi­gen Stu­den­ten-Ver­mie­ter. Stän­dig kom­men neue Te­le­fon­re­ser­vie­run­gen hin­zu. Vie­le ha­ben „es mol wid­der nee­dich“. Ein Pär­chen oh­ne Vor­an­mel­dung bringt den Be­trieb durch­ein­an­der. Flos „Leit kum­me“. Al­so sei­ne El­tern vom Dorf. Die „Hin­ner­wäld­ler“möch­ten ih­ren Sohn in der UniS­tadt be­su­chen und län­ger blei­ben. Da dürf­te es bald knal­len. „Do braut sich was z’sam­me“. So heißt denn auch das neue Stück der „Ba­disch Bühn“. Aus der heik­len Aus­gangs­si­tua­ti­on ent­wi­ckeln die sie­ben Ak­teu­re ein ziem­lich wil­des Lust­spiel um die Lust. In zwei St­un­den sind Miss­ver­ständ­nis­se wie Lü­gen auf­zu­bau­en und zu klä­ren. Klug vor­be­rei­tet wird der gar nicht so na­he­lie­gen­de Schluss. Die Schau­spie­ler agie­ren äu­ßerst mun­ter und ha­ben al­le Hän­de voll zu tun. Auf der ko­mö­di­an­ti­schen Mit­tel­stre­cke in vier Ak­ten geht die Pus­te nicht aus. Re­gis­seur Hans-Rü­di­ger Ku­cich bringt mit all sei­ner Er­fah­rung als Karls­ru­her Schau­spiel-In­sti­tu­ti­on Ra­s­anz hin­ein. Die al­le­samt lang­jäh­ri­gen Ak­teu­re blei­ben im Tem­po noch in­di­vi­du­ell. In der Haupt­rol­le agiert der ar­ri­vier­te Ko­mö­di­en­au­tor selbst. Pro­fi Jür­gen Hör­ner, ist das sou­ve­rä­ne, sprü­che­klop­fen­des Ehe­man­nEkel. Sei­ne lei­den­de Frau (Andrea Rihm) gibt sich in al­len schwie­ri­gen La­gen knitz und wan­del­bar. Mo­ni­ka Ker­pe haut nicht we­ni­ger über­zeu­gend auf den Putz als re­so­lu­te Rei­ni­gungs­kraft Hert­zen­stil. Die jün­ge­re Ge­ne­ra­ti­on über­nimmt mit Ver­ve ih­re Parts: Henk Em­mel­mann und Oli­ver Meer­graf als ge­schäfts­tüch­ti­ge Stu­den­ten so­wie Ri­ta Grimm und Andre­as Stark als bes­te Kun­den für St­un­den. Die bei­den „Trieb­fe­dern“tes­ten die Bett­fe­dern am stärks­ten. Im schwar­zen Lie­bes­ho­tel oh­ne ro­ten Plüsch (Büh­nen­bild Mar­kus Dötsch) geht es bis­wei­len zur Sa­che, aber sprach­lich nicht all­zu hef­tig un­ter die Gür­tel­li­nie. Kunst der An­deu­tung und die wohl­ge­setz­te Über­trei­bung sor­gen für stär­ke­re Ef­fek­te. Die Mun­d­art mit Karls­ru­her Schwer­punkt kommt nicht nur weich­ge­spült zur Gel­tung. Es ist im­mer noch ein Glücks­fall, dass die Ba­disch Bühn von Tho­mas Munz die­se Art von Dia­lekt­kul­tur das gan­ze Jahr über mit ho­hen An­sprü­chen pflegt. (Drei Pro­ben pro Wo­che seit Fe­bru­ar fürs neue Stück.) Das Pre­mie­ren­pu­bli­kum war höchst an­ge­tan. Man könn­te mit ei­nem Spruch der Zu­geh­frau bi­lan­zie­ren: „Do ver­recksch im Schat­te.“

Andrea Rihm und Jür­gen Hör­ner sor­gen als über­ra­schend beim stu­die­ren­den Sohn auf­tau­chen­de El­tern für reich­lich Ver­wir­rung in der Ko­mö­die „Do braut sich was z’sam­me“an der Ba­disch Bühn. Fo­to: pr

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