Die Ma­gie der Ost­see­küs­te

Das kla­re Licht be­geis­tert Strand­läu­fer und Künst­ler glei­cher­ma­ßen

Der Sonntag (Mittelbaden) - - REISE & URLAUB - Mag

Der Blick durch Bäu­me hin­durch auf das graue Meer ist poe­tisch und für Herz und Sin­ne un­end­lich wohl­tu­end ... Man hat Ru­he und fri­sche Luft und die­se bei­den Din­ge wir­ken wie Wun­der und er­fül­len Ner­ven, Blut, Lun­gen mit ei­ner stil­len Won­ne.“Theo­dor Fon­ta­ne, der fünf Jah­re sei­ner Kind­heit in Swi­ne­mün­de auf Use­dom ver­brach­te, ist auch als Er­wach­se­ner be­ein­druckt von der Ma­gie der Ost­see­küs­te. In ei­nem Brief an sei­ne Frau be­schreibt er 1863 ei­ne Stim­mung, die auch heu­te noch den be­son­de­ren Reiz ent­lang der bal­ti­schen See aus­macht. Nicht nur für Li­te­ra­ten und Li­te­ra­tur­be­geis­ter­te; auch wenn die­se zwi­schen Deutsch­lands nörd­lichs­ter Stadt Glücks­burg mit ih­rem mär­chen­haf­ten Was­ser­schloss und der Pom­mer­schen Bucht ei­ne Rei­he be­son­de­rer Sehn­suchts­zie­le ha­ben. 750 Ki­lo­me­ter Strän­de und Steil­küs­ten, so­wie mehr als 1 500 Ki­lo­me­ter Haff- und Bod­den­küs­te wol­len auf viel­fäl­ti­ge Wei­se ent­deckt wer­den. In Schles­wig-Hol­stein um­schlie­ßen Flens­bur­ger För­de und Lü­be­cker Bucht fast 400 Ki­lo­me­ter Küs­te. Et­wa 80 Strän­de la­den zum Ba­den. Da­vor liegt ei­nes der schöns­ten Se­gel­re­vie­re Eu­ro­pas, und der Ost­see­küs­ten­rad­weg ist ei­ne der be­lieb­tes­ten Stre­cken Deutsch­lands. Man muss ja nicht gleich die kom­plet­te Dis­tanz von 1 100 Ki­lo­me­tern bis zur pol­ni­schen Gren­ze stram­peln. Über Kiel, Feh­marn und den Tim­men­dor­fer Strand geht es Rich­tung Lü­beck, des­sen Alt­stadt an ei­ne Pup­pen­stu­be er­in­nert. Mit schmu­cken Stra­ßen und hüb­schen Gas­sen ist es ei­ne Stadt zum Schlen­dern und Ent­de­cken. Na­tür­lich ge­hört die Meng­stra­ße 4 da­zu, die Tho­mas Mann als Vor­bild für die „Bud­den­brooks“dien­te und heu­te Mu­se­um, Ge­denk- und For­schungs­stät­te für das Werk der Brü­der Tho­mas und Hein­rich Mann ist. Auch in der Glo­cken­gie­ßer­stra­ße wird Li­te­ra­tur er­leb­bar. Das Haus von Gün­ther Grass mit dem schö­nen Gar­ten und der von Os­kar Ma­zer­ath im „Butt“so kräf­tig ge­schla­ge­nen Blech­trom­mel am Ein­gang ist ein Ort der Be­geg­nung. Vom Lü­be­cker Markt aus führt die Han­si­sche Ost­see­stra­ße durch Meck­len­burg. Durch Wis­mar, Ros­tock, Stral­sund und Stet­tin geht es nach An­klam, wo Uwe John­son bis zum En­de des Zwei­ten Welt­krie­ges leb­te. Klütz soll dem „Dich­ter bei­der Deutsch­land“als Vor­la­ge für sein Je­ri­chow aus den „Jah­res­ta­gen“ge­dient ha­ben. Ah­rensho­op auf der Halb­in­sel Fisch­lan­dDarß-Zingst zog schon im­mer Künst­ler an. Im einst welt­ab­ge­schie­de­nen Fi­scher­dorf mit dem kla­ren Licht und den reet­ge­deck­ten Häu­schen ent­stan­den 1909 die Kunst­ka­ten. Heu­te gibt es in der Ma­ler­ko­lo­nie ei­ne re­ge Kul­tur­sze­ne. Und drum her­um viel Na­tur. See­ad­ler gibt es hier, Ke­gel­rob­ben und ei­nen der größ­ten Grau­kra­nich-Rast­plät­ze in Eu­ro­pa. In der Vor­pom­mer­schen Bod­den­land­schaft ver­su­chen die „Vö­gel des Glücks“bei ih­ren Weib­chen mit Balz­tän­zen Ein­druck zu ma­chen. Die Scha­len von 50 000 Ein­zel­lern brau­che es, bis ein Gramm Krei­de ent­steht, er­fährt man an­ge­sichts des Krei­de­fel­sens auf Rü­gen, und kann sich das vor der Steil­wand kaum vor­stel­len. Von Cas­par Da­vid Fried­rich 1818 in Öl ver­ewigt, ist sie aus je­der Per­spek­ti­ve im­po­sant. Rü­gen als größ­te deut­sche In­sel ist der Ur­lau­ber­ma­gnet an der Ost­see: Die Bä­der­ar­chi­tek­tur von Binz, der Na­tio­nal­park Jas­mund, das Welt­na­tur­er­be Al­te Bu­chen­wäl­der oder die Stör­te­be­ker-Fest­spie­le in Ralswiek. Da­zu die klei­nen In­sel­schwes­tern Umm­anz und Hid­den­see, wo Ger­hart Haupt­mann sein Som­mer­haus hat­te und sei­ne letz­te Ru­he fand. Schließ­lich, ganz im Os­ten, Use­dom. Re­gel­mä­ßig ver­zeich­nen die Me­teo­ro­lo­gen hier mehr Son­nen­stun­den als an­ders­wo im Land. Die Vil­len in den Kai­ser­bä­dern Ahl­beck, Ban­sin und He­rings­dorf er­in­nern an Zu­cker­bä­cke­rei. Noch heu­te geht ein be­son­de­rer Reiz von den ele­gan­ten Som­mer­do­mi­zi­len der Ber­li­ner High So­cie­ty des aus­ge­hen­den 19. und be­gin­nen­den 20. Jahr­hun­derts aus. Vor al­lem in Ahl­beck, das man aus dem Show­down in Lo­ri­ots Ki­no­klas­si­ker „Pap­pa an­te Por­tas“(1991) kennt, der auf Deutsch­lands äl­tes­ter See­brü­cke spielt. 280 Me­ter führt der See­steg ins Meer. Das seit der Kai­ser­zeit als Ba­de­wan­ne Ber­lins be­kann­te He­rings­dorf hat mit 508 Me­ter die längs­te See­brü­cke Eu­ro­pas und ei­ne Rei­he nam­haf­ter Li­te­ra­ten, die hier ih­re Som­mer­fri­sche ver­brach­ten: Lyo­nel Fei­nin­ger, Theo­dor Fon­ta­ne, Leo Tol­stoi und Tho­mas Mann ge­hör­ten da­zu. Ma­xim Gor­kis Woh­nund Ar­beits­zim­mer in der Vil­la Irmgard wird heu­te für Aus­stel­lun­gen, Le­sun­gen und Kon­zer­te ge­nutzt. Hil­fe bei Män­geln auf Rei­sen: Der Rei­se­ver­an­stal­ter ist üb­li­cher­wei­se ver­ant­wort­lich, wenn auf ei­ner Ur­laubs­rei­se Män­gel auf­tre­ten – et­wa Schmutz im Ho­tel oder schlech­tes Es­sen. Doch es gibt auch Fäl­le, in de­nen das Rei­se­bü­ro ver­ant­wort­lich ist – wenn es den Ein­druck er­weckt, die Rei­se­leis­tun­gen in ei­ge­ner Ver­ant­wor­tung zu er­brin­gen, so ein Ur­teil des Land­ge­richts Frank­furt (Az.: 2-24 S 99/15). In dem ver­han­del­ten Fall kam die Rol­le des Ver­an­stal­ters in den Rei­se­un­ter­la­gen des Klä­gers nur am Ran­de zum Tra­gen, be­rich­tet die Deut­sche Ge­sell­schaft für Rei­se­recht in ih­rer Zeit­schrift „Rei­se­Recht ak­tu­ell“. Viel­mehr trat das Rei­se­bü­ro als Ver­an­stal­ter auf. Der Kun­de muss­te sich auf der Platt­form des Rei­se­bü­ros an­mel­den und dort ei­ne Ge­samt­zah­lung für die Rei­se leis­ten. Au­ßer­dem stell­te das Rei­se­bü­ro dem Klä­ger kei­nen Si­che­rungs­schein aus – was es als rei­ner Ver­mitt­ler der Rei­se hät­te tun müs­sen. Aus die­sen Grün­den muss­te der Kun­de da­von aus­ge­hen, dass das Rei­se­bü­ro die Rei­se ver­an­stal­te­te, ent­schied das Ge­richt. Da­mit war es auch ver­ant­wort­lich für Män­gel – und muss­te dem Kun­den ei­nen Teil des Rei­se­prei­ses er­stat­ten.

Blech­trom­mel vor dem Haus von Grass

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