Auf­ge­fal­len

Der Sonntag (Mittelbaden) - - AKTUELL - Wolf­gang We­ber

So schnell kann’s ge­hen: Ge­ra­de noch stand der jun­ge Bur­sche mit dem Pilz­kopf mit sei­nen Kol­le­gen im Stu­dio, um das Lied „When I’m Six­ty-Four“auf­zu­neh­men. Und heu­te fei­ert er schon sei­nen 75. Ge­burts­tag und darf sich „Sir Paul Mc­Cart­ney“nen­nen. Der Song übers Äl­ter­wer­den, vor ge­nau 50 Jah­ren als Teil des le­gen­dä­ren Al­bums „Sgt. Pep­per’s Lo­nely Hearts Club Band“ver­öf­fent­licht, klingt ei­gent­lich ganz put­zig, hat aber den­noch ei­nen erns­ten Hin­ter­grund. Der lang­jäh­ri­ge Beat­les-Pro­du­zent Ge­or­ge Mar­tin drück­te es so aus: „Be­trach­tet man den Text ge­nau­er, wird man fest­stel­len, dass zwi­schen den ul­ki­gen Zei­len et­was an­de­res ge­schrie­ben steht: ‚Ist das Al­ter nicht ent­setz­lich? Ba­na­li­tät, Lan­ge­wei­le, Nich­tig­keit, Ar­mut, Ge­wohn­heit‘.“Auf den ers­ten Blick mag es er­staun­lich klin­gen, dass sich Jungspun­de wie die Beat­les da­mals schon mit dem Äl­ter­wer­den be­fass­ten. Auf den zwei­ten Blick aber sieht man: Sie wa­ren bei­lei­be nicht die ein­zi­gen. Der Song „My Ge­ne­ra­ti­on“mit der be­rühm­ten Zei­le „I Ho­pe I Die Be­fo­re I Get Old“(Ich hof­fe, dass ich ster­be, be­vor ich alt wer­de) wur­de von Pe­te Town­s­hend (The Who) im zar­ten Al­ter von 20 Jah­ren ge­schrie­ben. Town­s­hend ist mitt­ler­wei­le 72 Jah­re alt und er­freut sich – mit Aus­nah­me ei­nes Hör­scha­dens – noch im­mer bes­ter Ge­sund­heit. Lie­der übers Äl­ter­wer­den gibt es wie den bue­rühm­ten Sand am Meer: Man den­ke nur an Schla­ger­sän­ger Chris Ro­berts, der 1974 mit dem Hit „Du kannst nicht im­mer 17 sein“die Hit­pa­ra­den stürm­te. In­zwi­schen ist Chris Ro­bert 73. Auch Al­pha­vil­le („Fo­re­ver Young“), Neil Young („Old Man“), Da­vid Bo­wie („Chan­ges“), Eric Bur­don and the Ani­mals („When I Was Young“), Bru­ce Springs­teen („Glo­ry Days“) oder Ex-Beat­le Ge­or­ge Har­ri­son („All Things Must Pass“) be­fass­ten sich mit dem Äl­ter­wer­den, dem Jung-ge­we­sen-sein oder der Ver­gäng­lich­keit im All­ge­mei­nen. Als Rein­hard Mey (der in­zwi­schen auch schon 74 Jah­re alt ist) 50 wur­de, ver­öf­fent­lich­te er das Lied „50! Was, jetzt schon?“mit den schö­nen Schluss­wor­ten: „50? Ja, wohl schon – Na, herz­li­che Gra­tu­la­ti­on.“Üb­ri­gens: Wenn Sie als ge­neig­ter Le­ser al­le hier im Text vor­kom­men­den Lie­der ken­nen oder mög­li­cher­wei­se so­gar mit­sin­gen kön­nen – dann sind Sie ver­mut­lich auch schon aus dem Al­ter raus, in dem man beim Bier­kau­fen sei­nen Aus­weis zei­gen muss.

Du kannst nicht im­mer 64 sein

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