Me­mo­ries of Hei­del­berg

Vor 50 Jah­ren sang Peg­gy March den Ohr­wurm / Mit 17 hat­te sie noch Träu­me in Ba­den-Ba­den

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region - Mt

Ein Ohr­wurm wird 50 Jah­re alt: „Me­mo­ries of Hei­del­berg“heißt der Schla­ger, den die jun­ge Peg­gy March am 7. Ju­li 1967 ver­öf­fent­licht: In dem Lied geht es na­tür­lich um die Lie­be – aber das Hei­del­ber­ger Schloss spielt als Schau­platz des Hits eben­falls ei­ne Rol­le. „Me­mo­ries of Hei­del­berg“war ein gro­ßer Singleer­folg: 1967 stand der Song fast fünf Mo­na­te in den deut­schen Sing­le-Charts, noch län­ger in Ös­ter­reich. Peg­gy March, die 1948 in den USA ge­bo­ren wur­de, hat­te be­reits als 15-Jäh­ri­ge er­staun­li­che Er­fol­ge ge­fei­ert. Mit „I Will Fol­low Him“be­setz­te sie auf An­hieb Platz Eins in der US-Hit­pa­ra­de – als die jüngs­te Sän­ge­rin, der das bis zu die­sem Zeit­punkt ge­lun­gen war. Zwei Jah­re spä­ter kam sie nach Deutsch­land: In Ba­den-Ba­den ge­wann sie 1965 bei den Deut­schen Schla­ger-Fest­spie­len. Ihr Sie­ger­ti­tel ist bis heu­te le­gen­där: „Mit 17 hat man noch Träu­me“. Die Lis­te ih­rer Hits ist lang – „Me­mo­ries of Hei­del­berg“ist aber ei­ner der größ­ten. Vie­le Men­schen kön­nen bis heu­te den ein­gän­gi­gen Ti­tel mi­t­sum­men. 1968 ent­stand dann ei­ne gut zwei­mi­nü­ti­ge Film­se­quenz, in der Peg­gy March durch das Hei­del­ber­ger Schloss tanzt und ihr dort emp­fun­de­nes Glück im Schloss be­singt. Der Schwarz-weiß-Strei­fen ist längst auch im In­ter­net zu se­hen. Dar­über freut man sich bei den Staat­li­chen Schlös­sern und Gär­ten Ba­den-Würt­tem­berg (SSG), denn der knapp ein hal­bes Jahr­hun­dert al­te Zwei-Mi­nü­ter hat al­les, was ein Wer­be­film für das Bau­denk­mal in Hei­del­berg braucht – und er ge­fällt durch sei­ne char­mant alt­mo­di­sche Art. Der Clip be­ginnt mit ei­nem Pan­ora­ma­schwenk über das Neckar­tal, auf­ge­nom­men vom gro­ßen Al­tan, der Aus­sichts­ter­ras­se des Schlos­ses. Und dann Peg­gy March ins Spiel – im groß­ge­blüm­ten Mi­ni­kleid mit Six­ties-Fri­sur. Sie macht sich, be­staunt von Schloss­tou­ris­ten, auf den Weg. Und der führt zu al­len High­lights des Mo­nu­ments: in den son­ni­gen Schloss­hof, vor­bei an den Sand­stein­fas­sa­den von Fried­richs­bau, Glä­ser­nem Saal­bau und Otthein­richs­bau, durch den Gar­ten und auf die Schef­fel­ter­ras­se, von wo aus die Ka­me­ra die mäch­ti­gen Mau­ern und Tür­me er­fasst. „Me­mo­ries of Hei­del­berg sind Me­mo­ries of you“– der Schla­ger­text spielt na­tür­lich mit der ame­ri­ka­ni­schen Her­kunft und dem reiz­vol­len Ak­zent der Künst­le­rin. Und be­zieht sich zugleich auf die Hei­del­berg-Ro­man­tik so­wie das „Schloss in Flam­men“, die bis heu­te sehr be­lieb­te Il­lu­mi­na­ti­on der Rui­ne: „Beim Feu­er­werk, im al­ten Schloss. Da sah ich dich, Se­kun­den bloß“. Da­mit reiht sich der Er­folgs­schla­ger der 1960er Jah­re ein in ei­ne lan­ge Rei­he mehr oder we­ni­ger qua­li­tät­vol­ler Tex­te, die von der Stim­mung des Schlos­ses in­spi­riert wur­den. Auch Höl­der­lin oder Goe­the lie­ßen sich einst von der Schön­heit des Or­tes zu poe­ti­schen Er­güs­sen an­ge­regt. An­läss­lich des Ju­bi­lä­ums des Peg­gy-Mar­chOhr­wurms bie­ten die SSG am 7. Ju­li um 17 Uhr ei­ne be­son­de­re Füh­rung im Hei­del­ber­ger Schloss an. Der Rund­gang soll al­ler­dings nicht nur die „Me­mo­ries vom Glück“her­auf­be­schwö­ren, son­dern auch die un­ru­hi­gen Zei­ten vor 50 Jah­ren be­leuch­ten. Schließ­lich wur­den da­mals die Stu­den­ten un­ru­hig und in der Hei­del­ber­ger Alt­stadt wa­ren De­mons­tra­tio­nen an der Ta­ges­ord­nung. Mit von der Par­tie ist der Sän­ger Mar­tin Grif­fiths, der „Me­mo­ries of Hei­del­berg“sin­gen wird. Die ein­stün­di­ge Füh­rung kos­tet sie­ben Eu­ro (er­mä­ßigt 3,50 Eu­ro) zu­züg­lich Schloss­ti­cket. Ei­ne An­mel­dung ist er­for­der­lich.

Im Mi­ni­kleid durchs Schloss ge­tanzt

Das Co­ver der Sing­le zeigt Peg­gy March vor dem Hei­del­ber­ger Schloss. Fo­to: pri­vat

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