Pack die Ba­de­ho­se ein

Öf­fent­li­che Bä­der hat­ten frü­her ei­ne ganz an­de­re Funk­ti­on als heu­te

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sonntagskinder - Tan­ja Ka­sisch­ke

Spon­tan mit der Fa­mi­lie in die Ther­me fah­ren? Vor 150 Jah­ren war das un­mög­lich. Ei­nen Be­such im Ther­mal­bad von Ba­den-Ba­den muss­te man min­des­tens ei­nen Tag im Vor­aus an­mel­den. Da­mit das Ba­de­was­ser recht­zei­tig er­wärmt wer­den konn­te. Dar­an lässt sich ab­le­sen, dass öf­fent­li­che Hal­len­bä­der ur­sprüng­lich ei­ne an­de­re Funk­ti­on hat­ten als die, Spaß zu ha­ben oder Sport zu trei­ben. Mo­der­ne Woh­nun­gen ha­ben ei­ge­ne Ba­de­zim­mer. Die Ge­ne­ra­ti­on der Ur­groß­el­tern, teil­wei­se so­gar noch der Groß­el­tern, hat das an­ders er­lebt. Lan­ge Zeit nutz­ten die Men­schen öf­fent­li­che Bä­der, um sich zu wa­schen. Die Hal­len wa­ren gleich­zei­tig ein be­lieb­ter Treff­punkt, ähn­lich wie man sich heut­zu­ta­ge mit Freun­den zum Ba­den am Bag­ger­see ver­ab­re­det und dort zwar schwimmt, aber eben auch tratscht und pick­nickt. Das The­ma Kör­per­pfle­ge ist aus den Schwimm­hal­len kom­plett ver­schwun­den, da­bei hat es zu ih­rer Ent­ste­hung bei­ge­tra­gen. Seit 2 500 Jah­ren gibt es öf­fent­li­che Bä­der. Be­son­ders er­fin­de­risch wa­ren die Rö­mer, sie bau­ten ein­drucks­vol­le Ba­de­an­stal­ten mit Fuß­bo­den­hei­zung und Warm­was­ser­ver­sor­gung. Auch Ba­den-Ba­den hat­te so ei­ne rö­mi­sche Ther­me. Ih­re Rui­nen be­fin­den sich un­ter dem heu­ti­gen Markt­platz, die Um­ris­se der Be­cken sind durch schwar­zes Kopf­stein­pflas­ter mar­kiert. Nur ein paar Mi­nu­ten zu Fuß ent­fernt liegt das Fried­richs­bad aus dem 19. Jahr­hun­dert. Dort kann man heu­te noch ba­den wie ein Rö­mer. Die wech­seln­den Tem­pe­ra­tu­ren und das wert­vol­le Ther­mal­was­ser in den ver­schie­de­nen Ba­de­for­men ga­ran­tie­ren Ent­span­nung. Vor 200 Jah­ren fühl­ten sich die Men­schen wie­der woh­ler in ih­rer Haut, wenn sie ge­ba­det hat­ten. Zu­vor war öf­fent­li­ches Ba­den ei­ne Zeit­lang un­ter­sagt, weil man fürch­te­te, in Schwimm­bä­dern mit ih­rer war­men, feuch­ten Luft ver­mehr­ten sich Krank­heits­kei­me. Des­halb wu­schen sich die Men­schen im 17. und 18. Jahr­hun­dert sel­te­ner und be­nutz­ten statt­des­sen Pu­der und Par­füm, um un­an­ge­neh­me Kör­per­ge­rü­che zu über­de­cken. 100 Jah­re spä­ter war es vor­bei da­mit, Bä­der ka­men wie­der in Mo­de. Da­mals hie- ßen sie Volks­bä­der. Frei­bä­der bau­te man viel­fach nicht ex­tra, son­dern nutz­te vor­han­de­ne Flüs­se, Se­en, so­wie die Nord- und Ost­see. Die Ost­see er­hielt so­gar den Spitz­na­men „Ba­de­wan­ne Ber­lins“, weil sich re­gel­mä­ßig an den Wo­che­n­en­den und in den Fe­ri­en vie­le Ber­li­ner dort­hin auf­mach­ten. Vie­le Flüs­se wa­ren nicht sau­ber ge­nug, um dar­in zu ba­den, vor al­lem in grö­ße­ren Städ­ten und in dem Ma­ße, wie die In­dus­tria­li­sie­rung zu­nahm und mehr und mehr Men­schen in die Städ­te zo­gen. Sie be­hal­fen sich schnell – mit Ba­de­flö­ßen oder Ba­de­schif­fen, zu Schwimm­be­cken um­ge­bau­ten Last­käh­nen, die am Fluss­ufer an­ker­ten. Das ers­te Ba­de­schiff er­öff­ne­te 1810 in Ham­burg. Das äl­tes­te Frei­bad in Deutsch­land be­fin­det sich in Ba­den: Das Lo­ret­to­bad in Frei­burg ent­stand 1841. Der Höl­der­le­bach, der es mit Was­ser ver­sorg­te, fließt noch heu­te hin­durch. Das äl­tes­te Wel­len-Frei­bad in Deutsch­land ist das Bilz­bad in Ra­de­beul bei Dres­den. Es ist seit 105 Jah­ren in Be­trieb. Aus Frank­reich kam um 1900 die Mo­de, dass Fa­mi­li­en ge­mein­sam ins Schwimm­bad gin­gen. Zu­vor ba­de­ten Frau­en und Män­ner, auch Mäd­chen und Jun­gen, nach Ge­schlech­tern ge­trennt. Im Frei­bur­ger Lo­ret­to­bad exis­tiert bis heu­te ein Da­men­bad, zu dem Män­ner und Jungs ab sechs Jah­ren kei­nen Zu­tritt ha­ben. Ku­ri­os, denn das Lo­ret­to­bad war ur­sprüng­lich ein rei­nes Her­ren­bad ge­we­sen. Erst 1886 er­öff­ne­te das Da­men­bad. Der fran­zö­si­sche Vor­schlag ge­misch­ten Ba­dens setz­te sich ins­ge­samt aber schnell durch. Statt in Bo­xer­shorts und Bi­ki­ni aus Mi­kro­fa­sern ba­de­ten Er­wach­se­ne vor 100 Jah­ren in Ba­de­ho­sen und Ba­de­an­zü­gen aus Wol­le oder Lei­nen. Die so­gen sich im Was­ser schnell voll und trock­ne­ten lang­sa­mer. Was da­zu führ­te, dass vie­le Frau­en das Schwim­men mie­den. Nicht im Schwimm­bad, son­dern in ei­ner Kir­che in West-Ber­lin sang die sie­ben­jäh­ri­ge Con­ny Fro­boess am 26. Ju­ni 1951 zum ers­ten Mal den Schla­ger „Pack die Ba­de­ho­se ein“. Ihr Va­ter hat­te die mun­te­re, ein­gän­gi­ge Me­lo­die kom­po­niert. Den Text schrieb ein be­freun­de­ter Co­mic­zeich­ner. Ein­ge­fal­len war ihm die Zei­le mor­gens beim Ra­sie­ren.

Die klei­ne En­te Emil ist was­ser­scheu. Für die gro­ße En­te Henry ist das ei­ne ganz schö­ne Her­aus­for­de­rung, schließ­lich soll Henry Emil Schwim­men bei­brin­gen. Wie es ihm ge­lingt, er­zählt das Bil­der­buch „Schnab­bel­di­plapp“von Gün­ther Ja­kobs, er­schie­nen im Carl­sen-Ver­lag. Zeich­nung: Gün­ther Ja­kobs

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