Bi­lanz der Re­form

Mehr An­trä­ge für Leis­tun­gen aus der Pfle­ge

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sonntagskinder -

N ach dem größ­ten Re­form­schritt in der Pfle­ge­ver­si­che­rung zieht die Tech­ni­ker Kran­ken­kas­se (TK) ei­ne Bi­lanz: Seit der Um­stel­lung von drei Pfle­ge­stu­fen auf fünf Pfle­ge­gra­de zum Jah­res­wech­sel ist die Zahl der Erst­an­trä­ge auf Leis­tun­gen aus der Pfle­ge­ver­si­che­rung bei der TK um rund 65 Pro­zent ge­stie­gen. Be­reits seit Mit­te No­vem­ber 2016 stellt die TK ei­nen deut­li­chen An­stieg der An­trä­ge fest, seit­dem hält sich die Zahl der Erst­an­trä­ge kon­stant auf ho­hem Ni­veau.

„Der deut­li­che An­stieg zeigt gro­ßen Be­darf bei de­nen, die vor der Um­stel­lung noch nicht von Leis­tun­gen aus der Pfle­ge- ver­si­che­rung pro­fi­tier­ten. Die Zahl der Pfle­ge­be­dürf­ti­gen wächst zwar auch auf­grund des de­mo­gra­fi­schen Wan­dels kon­ti­nu­ier­lich, die­ser sprung­haf­te An­stieg zum Jah­res­wech­sel zeigt je­doch deut­lich die Aus­wir­kun­gen der Re­form. Die TK ist auf den An­stieg durch den Aus­bau im Be­reich Pfle­ge gut vor­be­rei­tet. Schon seit Ok­to­ber küm­mern sich die Mit­ar­bei­ter in ei­nem zu­sätz­li­chen drit­ten Pfle­ge­zen­trum um die Be­lan­ge Pfle­ge­be­dürf­ti­ger und ih­rer An­ge­hö­ri­gen“, sagt Tho­mas Bal­last, stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der des Vor­stands der TK.

Um die zahl­rei­chen Erst­an­trä­ge küm­mern sich die drei Pfle­ge­zen­tren der TK. Nach An­trags­ein­gang be­auf­tragt die Pfle­ge­kas­se der TK den Me­di­zi­ni­schen Di­enst der Kran­ken­kas­sen (MDK), ein Gut­ach­ten zu er­stel­len, auf des­sen Grund­la­ge über die Ein­stu­fung in ei­nen Pfle­ge­grad ent­schie­den wird.

Seit Jah­res­be­ginn fin­det die­se Be­gut­ach­tung auf Ba­sis ei­nes neu­en Ver­fah­rens statt, das bei­spiels­wei­se auch ko­gni­ti­ve und kom­mu­ni­ka­ti­ve Fä­hig­kei­ten stär­ker mit ein­be­zieht, bei­spiels­wei­se die zeit­li­che und räum­li­che Ori­en­tie­rung oder die Fä­hig­keit, ele­men­ta­re Be­dürf­nis­se zu äu­ßern. Ziel der Re­form war un­ter an­de­rem, Be­trof­fe­nen mit De­menz ei­nen ein­fa­che­ren Zu­gang zu Leis­tun­gen aus der Pfle­ge­ver­si­che­rung zu er­mög­li­chen.

Gleich­zei­tig be­steht nach wie vor ein ho­her In­for­ma­ti­ons­be­darf bei Pfle­ge­be­dürf­ti­gen und ih­ren An­ge­hö­ri­gen. Auch die aus­führ­li­che­ren Gut­ach­ten, die aus dem neu­en Be­gut­ach­tungs­sys­tem re­sul­tie­ren, sor­gen für er­höh­te Nach­fra­gen in den Pfle­ge­zen­tren der TK. Wie das Sys­tem funk­tio­niert, wird in zwei Fil­men un­ter www.tk.de ge­zeigt. G ute Be­ra­tung zur Pfle­ge hilft, die Pfle­ge best­mög­lich zu or­ga­ni­sie­ren. Sie trägt da­zu bei, dass Pfle­ge­be­dürf­ti­ge gut ver­sorgt und An­ge­hö­ri­ge ent­las­tet wer­den. Doch für vie­le Bür­ger gibt es of­fen­bar Hür­den, die Be­ra­tungs­an­ge­bo­te zu nut­zen: Laut ei­ner re­prä­sen­ta­ti­ven Stu­die des Zen­trums für Qua­li­tät in der Pfle­ge (ZQP) sind die Be­ra­tungs­stel­len oft nicht be­kannt. Au­ßer­dem ist die Be­ra­tungs­land­schaft un­über­sicht­lich. Mehr als 4 500 nicht-kom­mer­zi­el­le An­ge­bo­te hat das ZQP im ge­sam­ten Bun­des­ge­biet re­cher­chiert – und in ei­ner frei zu­gäng­li­chen Da­ten­bank auf­Wich­ti­ge find­bar ge­macht. Ist dann ein An­ge­bot ge­fun­den, bleibt al­ler­dings die Fra­ge, was man von der Be­ra­tung er­war­ten darf.

„Das Be­ra­tungs­an­ge­bot zur Pfle­ge ist re­gio­nal sehr un­ter­schied­lich. Teil­wei­se ist es dünn ge­sät, an­dern­orts so viel­fäl­tig, dass es selbst für Ex­per­ten kaum durch­schau­bar ist. An­for­de­run­gen an Be­ra­tungs­leis­tun­gen wa­ren zu­dem bis­her nur va­ge for­mu­liert. Für Be­ra­tungs­su­chen­de ist die Qua­li­tät da­her auch nur sehr schwer selbst ein­zu­schät­zen“, er­läu­tert Dr. Ralf Suhr, Vor­stands­vor­sit­zen­der des ZQP.

Da­her hat das ZQP nun ei­ne Check­lis­te mit den zehn wich- tigs­ten Merk­ma­len gu­ter Be­ra­tung zur Pfle­ge her­aus­ge­ge­ben. Die­se ba­siert auf dem im ver­gan­ge­nen Jahr vor­ge­leg­ten „Qua­li­täts­rah­men für Be­ra­tung in der Pfle­ge“. Der Qua­li­täts­rah­men for­mu­liert um­fas­send die An­for­de­run­gen an gu­te Be­ra­tung in der Pfle­ge und wur­de vom ZQP ge­mein­sam mit aus­ge­wie­se­nen Wis­sen­schaft­lern und an­de­ren re­le­van­ten Ak­teu­ren er­ar­bei­tet, wie Bun­des­mi­nis­te­ri­en, Ver­brau­cher­ver­tre­tern, Pfle­ge­kas­sen, Leis­tungs­er­brin­gern und Ver­tre­tern der Pfle­ge­be­ru­fe.

„Be­ra­tung soll pfle­ge­be­dürf­ti­ge Men­schen und ih­re An­ge­hö­ri­gen un­ter­stüt­zen, selbst­be­stimmt über Pfle­ge zu ent­schei­den. Ho­he Be­ra­tungs­qua­li­tät ist ein zen­tra­ler Bei­trag zu gu­ter Pfle­ge. Des­we­gen bie­ten wir an, un­se­re kos­ten­lo­se Check­lis­te als Ori­en­tie­rungs­hil­fe im Be­ra­tungs­dschun­gel zu nut­zen“, so Suhr.

Merk­ma­le gu­ter Be­ra­tung sind zum Bei­spiel, dass die Be­ra­tung sich nach der in­di­vi­du­el­len Si­tua­ti­on des Pfle­ge­be­dürf­ti­gen rich­tet und die Be­ra­tungs­zie­le mit dem Rat­su­chen­den ab­ge­stimmt wer­den. Der Be­ra­ter soll für die Be­ra­tungs­auf­ga­be qua­li­fi­ziert sein und von sich aus zen­tra­le The­men an­spre­chen, wie z. B. die fa­mi­liä­re Si­tua­ti­on, Fi­nan­zie­rung der Pfle­ge, pfle­ge­prak­ti­sche Fra­gen und Mög­lich­kei­ten zur Entlastung pfle­gen­der An­ge­hö­ri­ger. Über­dies klä­ren sie über An­sprü­che z. B. aus der Pfle­ge­ver­si­che­rung und zu Rech­ten ge­gen­über Pfle­ge­an­bie­tern auf. Zu­dem soll­te die Be­ra­tung, wenn nö­tig, zeit­nah – et­wa 48 Stun­den nach An­fra­ge – er­fol­gen.

Die voll­stän­di­ge Check­lis­te fin­den Sie im neu­en ZQP-The­men­brief „1-BLICK Pfle­ge“. Sie kann kos­ten­los be­stellt wer­den un­ter be­stel­lung@zqp.de.

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