„Kein Selbst­läu­fer“

Con­fed Cup: Löw warnt vor Ka­me­run – und schal­tet in Wett­kampf­mo­dus

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport -

Sot­schi oder Ka­san – Haupt­sa­che Halb­fi­na­le! Vor dem Grup­pen­fi­na­le beim Con­fed Cup in Russ­land heu­te ge­gen Ka­me­run (17 Uhr MESZ/ZDF) hat den lan­ge so ex­pe­ri­men­tier­freu­di­gen Fuß­ball-Bun­des­trai­ner Joa­chim Löw die Lust auf Sie­ge ge­packt. „Im Halb­fi­na­le sind wir noch nicht, es darf nie­mand den­ken, dass das ein Selbst­läu­fer wird“, warn­te Löw sei­ne bis­lang so ge­leh­ri­ge Stu­di­en­grup­pe vor dem Du­ell ge­gen den Afri­ka­meis­ter in Sot­schi. „Es stört mich ein biss­chen, dass al­le nur noch da­von re­den, spie­len wir in Sot­schi oder Ka­san“– bei ei­ner 0:2-Nie­der­la­ge et­wa gin­ge es heim nach Frank­furt. Um als Grup­pen­sie­ger an der Schwarz­meer­küs­te blei­ben zu kön­nen, muss im Fern­du­ell mit Chi­le (ge­gen Aus­tra­li­en) ein hö­he­rer Er­folg her, als Zwei­ter müss­te Löws Per­spek­tiv­team zu­rück nach Ka­san. „Die Rei­sen sind nicht ganz so oh­ne“, sag­te Löw, der sich in sei­nem 150. Län­der­spiel (99 Sie­ge) vor ei­nem „Kon­flikt“sieht. Lässt er, vor der Mi­ni-WM an­ge­kün­digt, nun auch die bis­lang we­nig ge­tes­te­ten Kräf­te ran? Oder ver­traut er wei­ter sei­nem Ge­rüst in der Hoff­nung, erst­mals den Con­fed Cup zu ge­win­nen? „Ich darf nicht zu viel ver­än­dern“, sag­te er, das wä­re für die jun­ge Mann­schaft nicht gut. „Wir müs­sen den Spa­gat schaf­fen für Ka­me­run – in der Hoff­nung, noch die nächs­ten zwei Spie­le zu ma­chen“, er­gänz­te Löw, der von der Test­pha­se in den Wett­kampf­mo­dus um­ge­schal­tet hat. Des­halb wird es nur „drei, vier oder fünf Wech­sel“ge­ben. Die Auf­ga­be, glaubt Löw, wird ähn­lich kniff­lig wie zu­letzt ge­gen Chi­le (1:1). „Es wird de­fi­ni­tiv das lauf- in­ten­sivs­te, kör­per­lich an­stren­gends­te Spiel“, sag­te er. Kei­ne Mann­schaft „liebt es so sehr“wie Ka­me­run, „eins ge­gen eins zu spie­len und den Geg­ner in Zwei­kämp­fe zu ver­wi­ckeln. Das ist ih­re Lieb­lings­be­schäf­ti­gung“, er­gänz­te der Bun­des­trai­ner und schwärm­te von der „sel­te­nen Mi­schung“aus Aus­dau­er­fä­hig­keit und Schnel­lig­keit beim Geg­ner. „Wir brau­chen gu­te Of­fen­siv­kräf­te, um uns be­frei­en zu kön­nen, und wir müs­sen Kon­ter ver­mei­den“, meint Joa­chim Löw. Des­halb scheint es mög­lich, dass er Ti­mo Wer­ner im An­griff ei­ne Chan­ce gibt. Noch of­fen ist der Ein­satz von Em­re Can, der im Trai­ning um­knick­te. Löw kün­dig­te an, dass An­to­nio Rü­di­ger wie­der in die Start­elf rü­cken wer­de, der mit Schnel­lig­keit und kör­per­be­ton­ter Spiel­wei­se hel­fen soll, „Pa­ro­li zu bie­ten“. Au­ßer­dem könn­te Mar­vin Plat­ten­hardt als Er­satz für Jo­nas Hec­tor auf­lau­fen. Im Tor dürf­te sich Löw auf Marc-And­re ter Ste­gen als Stamm­kee­per für den wei­te­ren Tur­nier­ver­lauf fest­wie le­gen. Ka­me­run hat bis­her we­nig Angst und Schre­cken ver­brei­tet. Nach dem 0:2 zum Auf­takt ge­gen Chi­le müh­ten sich die „Un­zähm­ba­ren Lö­wen“ge­gen Aus­tra­li­en zu ei­nem 1:1. „Kör­per­lich und läu­fe­risch sind sie sehr stark, aber ich glau­be: Lau­fen kön­nen wir auch sehr gut, und fuß­bal­le­risch sind wir si­cher­lich bes­ser“, sag­te Ka­pi­tän Ju­li­an Drax­ler. Ver­lo­ren hat die DFB-Elf bis­lang kei­nes ih­rer drei Du­el­le mit Ka­me­run. Soll­te der er­hoff­te deut­li­che Sieg ge­lin­gen, hät­te das aus Sicht von Le­on Go­retz­ka gleich meh­re­re Vor­tei­le: Kei­ne wei­te­re Rei­se, ein zu­sätz­li­cher frei­er Tag, weil das Halb­fi­na­le dann am Don­ners­tag statt­fän­de, und: „Es es ist auch nicht das Ver­kehr­tes­te der Welt, wenn man beim Es­sen aufs Meer guckt.“

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