Ma­drid stellt sich neu auf

Spa­ni­ens Haupt­stadt: mehr als Pra­do

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Reise & Urlaub - Tin­ga Hor­ny

Lie­ber Bar­ce­lo­na oder Ma­drid? Wer jetzt Bar­ce­lo­na sagt, wird es be­reu­en. Denn Bar­ce­lo­na kämpft der­zeit mit jähr­lich über 30 Mil­lio­nen Be­su­chern, von de­nen die Hälf­te Ta­ges­tou­ris­ten sind. Die 1,6 Mil­lio­nen Ein­woh­ner hei­ßen die Gäs­te in­zwi­schen nicht mehr will­kom­men, weil es ein­fach zu vie­le ge­wor­den sind. Von sol­chen Er­folgs­zah­len ist Ma­drid mit neun Mil­lio­nen Be­su­chern pro Jahr noch weit ent­fernt. „Not macht er­fin­de­risch“lau­te­te die De­vi­se der Drei-Mil­lio­nen-Me­tro­po­le wäh­rend der Kri­se. Es ent­stan­den vie­le Klein­un­ter­neh­men, Kn­ei­pen, Eis­ca­fés, Mi­kro-Braue­rei­en und Fach­ge­schäf­te. Mög­lich war das, weil hier das Ar­beits­lo­sen­geld für zwei Jah­re auf ein­mal aus­ge­zahlt wer­den kann – Start­ka­pi­tal für ei­ne Selbst­stän­dig­keit. Zu­sam­men mit Stadt­sa­nie­rungs­pro­jek­ten und neu­en Ho­tels ist es Spa­ni­ens Haupt­stadt auf die­se Wei­se ge­lun­gen, sich als Rei­se­ziel neu auf­zu­stel­len.

Mo­der­ne So­li­tä­re

Am Caixa Fo­rum ha­ben die Ar­chi­tek­ten Her­zog und de Meu­ron ge­übt, wie man auf ein al­tes Ge­bäu­de ein neu­es Top setzt. Das Re­sul­tat ist an Ma­drids Kunst­mei­le Pa­seo del Pra­do na­he des welt­be­rühm­ten Mu­se­ums glei­chen Na­mens zu be­sich­ti­gen: Dort wur­de ein al­tes E-Werk zum Kul­tur­zen­trum mit hän­gen­dem Gar­ten um­ge­baut. Am sel­ben Bou­le­vard be­fin­det sich auch das Mu­se­um für mo­der­ne Kunst – Rei­na So­fia – mit Pi­cas­sos welt­be­rühm­ten An­ti-Kriegs-Bild „La Gu­er­ni­ca“. Ar­chi­tek­tur­fans in­ter­es­siert be­son­ders der mo­der­ne An­bau von Starar­chi­tekt Je­an Nou­vel. Weit­hin sicht­bar am Stadt­rand auf dem ehe­ma­li­gen Trai­nings­ge­län­de von Re­al Ma­drid ra­gen die neu­en Wahr­zei­chen „Cua­tro Tor­res Bu­si­ness Area“in den Him­mel – vier ele­gan­te Wol­ken­krat­zer, dar­un­ter der Tor­re Ca­ja Ma­drid von Sir Nor­man Fos­ter.

Zim­mer in al­ten Ge­mäu­ern

Ver­gli­chen mit den durch­schnitt­li­chen Ho­tel­prei­sen von Pa­ris (138 Eu­ro) oder Lon­don (189 Eu­ro) liegt Ma­drid mit 86 Eu­ro am un­te­ren En­de. Das heißt, Vier- und Fünf-Ster­ne-Ho­tels kos­ten kein Vermögen. Da es in der In­nen­stadt kaum Platz für Neu­bau­ten gibt, wer­den oft his­to­ri­sche Ge­bäu­de in Her­ber­gen um­ge­baut. Ein Klos­ter und ein Pa­last wur­den für die Lu­xus­her­ber­ge Gran Mé­lia Pa­la­cio de los Du­ques zu­sam­men­ge­legt. Und das erst kürz­lich er­öff­ne­te Bar­celó de Tor­re Ma­drid lo­giert in ei­ner Ar­chi­tek­tu­ri­ko­ne aus den 1950er-Jah­ren: Ma­drids einst ein­zi­gem Hoch­haus an der Pla­za de España.

Spa­ni­en auf dem Tel­ler

Ide­al für den Hun­ger zwi­schen­durch: Ma­drids Märk­te. Gleich ne­ben der Pla­za Mayor lockt der Mer­ca­do de San Mi­guel. Präch­tig re­no­viert und mit viel Glas kommt das al­te guss­ei­ser­ne Trag­werk schön zur Gel­tung. Ne­ben fri­schen Le­bens­mit­teln bie­tet der Markt klei­ne Ge­rich­te, bes­ten Wein und na­tür­lich Ta­pas. Auf Spa­ni­ens re­gio­na­le De­li­ka­tes­sen ist der Mer­ca­do San An­tón, nicht weit ent­fernt vom Bou­le­vard Gran Via, spe­zia­li­siert. Das Ge­bäu­de aus den 1980er Jah­ren ist we­nig an­spre­chend, da­für nicht so eng. Wer Schutz vor der Hit­ze oder ei­nem Re­gen­guss sucht, der taucht ins Pla­tea ab. Das Ge­bäu­de ist ein ehe­ma­li­ges Ki­no, das zum mehr­stö­cki­gen Food Court um­ge­baut wur­de.

Le­bens­wert und li­be­ral

Wo einst Ein­hei­mi­sche un­ter sich blie­ben und wo­hin sich kaum Be­su­cher ver­irr­ten, tobt heu­te in den Stra­ßen das pral­le Le­ben. Nörd­lich der prunk­vol­len Stadt­ach­se Gran Via mit ih­ren vie­len Thea­tern und Shows ha­ben sich die be­nach­bar­ten Vier­tel Ma­lasaña und Chue­ca zu Trend­spots für Jun­ge und Jung­ge­blie­be­ne ent­wi­ckelt. Wäh­rend Ma­lasaña al­ter­na­tiv mit preis­wer­ter Gas­tro­no­mie, al­tem Hand­werk und aus­ge­fal­le­ner Mo­de lockt, punk­tet Chue­ca mit Ta­pas und schi­cken Designer-Lo­ka­len. Chue­ca ist in der Schwu­len­sze­ne be­liebt, aber – und das zeich­net Ma­drid aus – Pubs, Ta­pas­bars, Lä­den und Kn­ei­pen ste­hen al­len of­fen.

Dem Him­mel so nah

Ma­drid hat in der In­nen­stadt kei­ne Wol­ken­krat­zer, trotz­dem sind Dach­ter­ras­sen ein be­vor­zug­ter Ort zum Chil­len. Wer nur ei­nen Drink oder Snack mit Blick ge­nie­ßen will, dem sei­en die Gour­me­t­ab­tei­lun­gen der Kauf­haus­ket­te El Cor­te des In­glès emp­foh­len. So bie­tet die gro­ße Nie­der­las­sung an der Cal­le de Pre­cia­dos 3, im neun­ten Stock ei­nen tol­len Blick auf den zen­tra­len Platz Pu­er­ta del Sol be­zie­hungs­wei­se auf der an­de­ren Seite auf den Kö­nigs­pa­last. Das Kauf­haus in der Cal­le Ser­ra­no 52, hat eben­falls ei­ne De­li­ka­tes­sen­ab­tei­lung mit Ter­ras­se, die Ein­bli­cke in die be­grün­ten Dach­gär­ten des fei­nen Wohn­vier­tels Sa­la­man­ca er­laubt. Ent­spannt bei ei­nem Cock­tail lässt sich der Son­nen­un­ter­gang auch auf der Dach­ter­ras­se des Mer­ca­do San An­tón ge­nie­ßen.

Als Rei­se­ziel neu auf­ge­stellt: Nicht so über­lau­fen wie Bar­ce­lo­na, aber nicht we­ni­ger schön ist Spa­ni­ens Haupt­stadt Ma­drid. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren ent­stan­den vie­le Kn­ei­pen, Eis­ca­fés, Mi­kro-Braue­rei­en und Fach­ge­schäf­te. Fo­to: wit

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