Himm­lisch warm oder höl­lisch heiß

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Aktuell -

Ken­nen Sie den? Herr Mül­ler will wis­sen, ob es sich lohnt, ein gu­ter Mensch zu sein, und fragt Pe­trus: „Kannst Du mir mal zei­gen, wie’s im Him­mel zu­geht?“Pe­trus öff­net ei­ne Tür. Da sitzt auf ei­ner Wol­ke ein et­was schmud­de­lig aus­se­hen­der Mann, der Herrn Mül­ler ziem­lich ähn­lich sieht. Um den Schmud­de­li­gen her­um flat­tern bild­hüb­sche Frau­en, die dem Mann Ge­trän­ke rei­chen und sei­ne schlaf­fen Wan­gen strei­cheln. Herr Mül­ler ist von der pa­ra­die­si­schen Sze­ne sehr an­ge­tan. Trotz­dem fragt er Pe­trus: „Und wie geht’s in der Höl­le zu?“Pe­trus öff­net ei­ne an­de­re Tür – und wie­der fällt der Blick auf ei­nen schmud­de­li­gen Mann, der von bild­hüb­schen Frau­en um­garnt wird. Herr Mül­ler ist ir­ri­tiert: „Wor­in be­steht den nun der Un­ter­schied zwi­schen Him­mel und Höl­le?“, will er wis­sen. Pe­trus er­wi­dert lä­chelnd: „Nun ja. Hin­ter der ers­ten Tür ist der Him­mel für schmud­de­li­ge Män­ner. Und hin­ter der zwei­ten die Höl­le für hüb­sche Frau­en.“Zu­ge­ge­ben, über den Witz kann man ge­teil­ter Mei­nung sein. Aber es liegt ei­ne tie­fe Wahr­heit dar­in, dass der Him­mel des ei­nen für den an­de­ren die Höl­le sein kann. Zum Bei­spiel, wenn der Som­mer auf­dreht und die Tem­pe­ra­tu­ren wie in den ver­gan­ge­nen Ta­gen den Hö­hen­kol­ler be­kom­men. „Himm­lisch warm“, freut sich ein Kol­le­ge. „Höl­lisch heiß“stöhnt ein an­de­rer. Der Hit­ze­emp­find­li­che wür­de so­fort ei­ne Ex­kur­si­on in die Ant­ark­tis bu­chen, wenn er nur nicht ar­bei­ten müss­te (und das nö­ti­ge Klein­geld hät­te). Selbst sein auf Kühl­schran­kni­veau her­un­ter­kli­ma­ti­sier­tes Bü­ro kann ihn mit dem Karls­ru­her Som­mer nicht ver­söh­nen. Denn ir­gend­wann ist der cools­te Ar­beits­tag vor­bei und er muss raus – in die schwü­le Rest­wär­me der Groß­stadt. Wel­ten tren­nen ei­ne sol­che Schat­ten­pflan­ze vom be­ken­nen­den Son­nen­an­be­ter. Der nimmt es lo­cker, wenn sein Au­to Back­ofen-Qua­li­tä­ten ent­wi­ckelt – am Bag­ger­see und bei feucht­fröh­li­chen Grill­aben­den wird er für sol­che Unan­nehm­lich­kei­ten schließ­lich mehr als ent­schä­digt: „Das Le­ben fängt doch ei­gent­lich erst bei 30 Grad an“, ju­belt er und schmort mit Won­ne im über­füll­ten Freizeit-Pa­ra­dies. Weil er im Über­schwang aber ver­ges­sen hat, Son­nen­creme auf­zu­tra­gen, kom­men sich am En­de Him­mel und Höl­le doch ganz nah. Die Bläs­chen auf krebs­ro­ter Haut, sie bren­nen – der Son­nen­an­be­ter geht durchs Fe­ge­feu­er. Bis der Schmerz ab­ge­klun­gen ist, dürf­te es schon wie­der reg­nen. Das ist für ihn die Höchst­stra­fe.

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