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Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region - Tho­mas Liebs­cher

Die Fin­ger sei­ner lin­ken Hand dre­hen in wech­seln­den Tem­po am lan­gen Glas­rohr. An des­sen an­de­ren En­de zieht die rech­te Hand von Micha­el Schwarz­mül­ler oder schiebt den Werk­stoff an der Flam­me hin und her. „Ich ar­bei­te mit Pro­pan­gas und Sau­er­stoff, die Flam­me ist bis zu 1 400 Grad warm“, sagt der Karls­ru­her Glas­künst­ler bei der Vor­füh­rung in sei­ner klei­nen Werk­statt. Ei­gent­lich ist aus dem 44 Mil­li­me­ter di­cken Glas­rohr recht schnell ein kunst­vol­les, er­staun­lich leich­tes Trink­ge­fäß fer­tig Und den­noch dau­ert es lan­ge: „30 Jah­re und zehn Mi­nu­ten“, meint der in­ter­na­tio­nal re­nom­mier­te Glas­de­si­gner und Kunst­hand­wer­ker. Will sa­gen, oh­ne jahr­zehn­te­lan­ge hand­werk­li­che Er­fah­rung wür­de das fi­li­gra­ne Pro­dukt gar nicht ent­ste­hen. Schwarz­mül­ler ar­bei­tet zu Hau­se ganz oh­ne Ma­schi­nen. Ex­klu­si­ve Trink­ge­fä­ße und Des­sert­ge­schirr für Ster­nel­re­stau­rants und an­de­re am­bi­tio­nier­te Gas­tro­no­men von Wi­en, Frank­furt, Dei­des­heim oder Eg­gen­stein stellt Schwarz­mül­ler in sei­nem Grün­wet­ters­ba­cher Haus ver­stärkt her. Der 61-Jäh­ri­ge er­hielt in die­sem Jahr den „Eu­ni­que-Award“für Kunst­hand­werk und De­sign. Auch ein Hes­si­scher Staats­preis wur­de ihm schon zu­er­kannt. In Bar­ce­lo­na stellt er aus, in den USA war er mit Glas­schmuck sehr er­folg­reich. „Es geht im­mer et­was Neu­es, es ist span­nend, wie mei­ne Produkte beim Pu­bli­kum an­kom­men“, meint Schwarz­mül­ler, der sei­ne Selbst­stän­dig­keit ganz be­schei­den in der Wasch­kü­che sei­ner da­ma­li­gen WG in Karls­bad-Au­er­bach be­gann. 15 Jah­re be­trieb er sei­ne Werk­statt plus La­den in Dur­lach. Sein im­mer er­folg­rei­che­rer Be­rufs­weg be­gann mit ei­ner Stel­len­an­zei­ge in den BNN: „Am Ett­lin­ger Ei­chen­dorff-Gym­na­si­um klapp­te es 1973 nicht so gut mit mei­ner Schul­kar­rie­re, da las ich, dass die Uni Karls­ru­he Lehr­lin­ge für den Be­ruf des Glas­ap­pa­rate­blä­sers such­te. Ich be­kam den Job und wur­de glück­lich da­mit.“In den na­tur­wis­sen­schaft­li­chen La­bors der Hoch­schu­len wer­den die Glas­hand­wer­ker ge­braucht, um im­mer neue Ap­pa­ra­tu­ren für For­schung und Leh­re zu er­stel­len. Dem Raum Karls­ru­he ist der in Bu­sen­bach auf­ge­wach­se­ne Schwarz­mül­ler treu ge­blie­ben, gera­de weil er viel in al­ler Welt un­ter­wegs ist. „Ich schwim­me ger­ne in den hei­mi­schen Bag­ger­se­en wie in Gröt­zin­gen oder ma­che mich mit der Ve­s­pa auf in den Schwarz­wald. Und im Herbst ge­he ich Pil­ze sam­meln.“Op­ti­mis­tisch und doch rea­lis­tisch, zu­pa­ckend und rück­sichts­voll gibt sich der sym­pa­thi­sche Künst­ler. „Ich woll­te als Ju­gend­li­cher et­was Krea­ti­ves und mit den Hän­den ma­chen. Jetzt kann ich im­mer noch ge­nie­ßen, dass ich das ver­wirk­licht ha­be und da­von le­ben kann.“

In­ter­na­tio­nal re­nom­mier­ter Glas­künst­ler: Fi­li­gra­ne Ge­fä­ße und mehr stam­men aus den Hän­den des Karls­ru­hers Micha­el Schwarz­mül­ler. Einst be­gann er als Glas­ap­pa­ra­te­bau­er an der Uni­ver­si­tät. Fo­to: Jür­gen Rös­ner / KMK

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