Ein lan­ger Tag des Ab­schieds

Trau­er­fei­er­lich­kei­ten für Hel­mut Kohl in Straß­burg, Lud­wigs­ha­fen und Spey­er

Der Sonntag (Mittelbaden) - - ERSTE SEITE -

Mit his­to­ri­schen Trau­er­fei­er­lich­kei­ten ha­ben Deutsch­land und Eu­ro­pa Ab­schied vom ver­stor­be­nen Alt­kanz­ler Hel­mut Kohl ge­nom­men. Bei ei­nem Trau­er­akt in Straß­burg er­wie­sen ges­tern Spit­zen­po­li­ti­ker und Weg­ge­fähr­ten aus al­ler Welt Kohl die letz­te Eh­re. Am Nach­mit­tag säum­ten in sei­ner Hei­mat­stadt Lud­wigs­ha­fen bei ei­nem Trau­er­zug Hun­der­te Men­schen die Stra­ßen und ap­plau­dier­ten dem Kon­voi. Beim abend­li­chen Re­qui­em im Dom von Spey­er be­zeich­ne­te Bi­schof Karl-Heinz Wie­se­mann den Ver­stor­be­nen als „wahr­haft gro­ßen Staats­mann“. Zu dem Got­tes­dienst ka­men wie zu dem Trau­er­akt er­neut zahl­rei­che ak­ti­ve und frü­he­re Staats- und Re­gieEin rungs­chefs. Kohls Wit­we, Mai­ke Kohl-Rich­ter trug ei­ne Son­nen­bril­le und nahm zwi­schen EU-Kom­mis­si­ons­prä­si­dent Je­an-Clau­de Juncker und dem frü­he­ren US-Prä­si­den­ten Bill Cl­in­ton Platz. Kohls Söh­ne wur­den nicht im Dom ge­se­hen. Erst­mals in der EU-Ge­schich­te fand im Straß­bur­ger Eu­ro­pa­par­la­ment ein eu­ro­päi­scher Trau­er­akt zu Eh­ren Kohls statt. Bei ih­rer An­spra­che ne­ben dem auf­ge­bahr­ten Sarg wür­dig­te Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel des­sen „al­les über­ra­gen­de, ein­ma­li­ge his­to­ri­sche Leis­tung“für die deut­sche Wie­der­ver­ei­ni­gung und die Ein­heit Eu­ro­pas. An der Ze­re­mo­nie, die auch von Mu­sik un­ter­malt wur­de und an de­ren En­de die deut­sche Na­tio­nal- hym­ne und die Eu­ro­pa­hym­ne („Ode an die Freu­de“aus Lud­wig van Beet­ho­vens Neun­ter Sin­fo­nie) ge­sun­gen wur­de, nah­men am­tie­ren­de und frü­he­re Staats- und Re­gie­rungs­chefs teil. Es spra­chen un­ter an­de­rem der frü­he­re US-Prä­si­dent Bill Cl­in­ton, Frank­reichs Staats­chef Em­ma­nu­el Ma­cron und der rus­si­sche Mi­nis­ter­prä­si­dent Dmi­tri Med­we­dew. Auch Sil­vio Ber­lus­co­ni, Ex-Re­gie­rungs­chef von Ita­li­en, war da­bei, eben­so wie der is­rae­li­sche Mi­nis­ter­prä­si­dent Ne­tan­ja­hu und sei­ne Frau. In der ers­ten Rei­he saß Kohls Wit­we, Mai­ke Kohl-Rich­ter. Die bei­den Söh­ne des Alt­kanz­lers wa­ren nicht an­we­send. Deut­sche Sol­da­ten brach­ten zu Klän­gen von Beet­ho­ven den Sarg aus dem Plenar­saal. Hub­schrau­ber der Bun­des­po­li­zei trans­por­tier­te den Sarg nach Lud­wigs­ha­fen auf das Ge­län­de der Au­to­bahn­po­li­zei in Ruch­heim. Nach dem Trau­er­zug durch die Hei­mat­stadt wur­den die sterb­li­chen Über­res­te Kohls in Ref­fen­thal auf die MS „Mainz“ge­bracht. Das Schiff fuhr die kur­ze Stre­cke nach Spey­er, es­kor­tiert von Po­li­zei­boo­ten. Ein acht­köp­fi­ges Eh­ren­ba­tail­lon der Bun­des­wehr trug na­he des Doms den Sarg von Bord, be­ob­ach­tet von zahl­rei­chen Men­schen. Zwi­schen­fäl­le wur­den bis zum Abend nicht be­kannt.

Fo­to: AFP

Der Sarg von Hel­mut Kohl wur­de von ei­nem Eh­ren­ba­tail­lon deut­scher Sol­da­ten al­ler Waf­fen­gat­tun­gen auf der MS „Mainz“be­glei­tet. Das Schiff leg­te auf dem Rhein ei­ne kur­ze Stre­cke nach Spey­er zu­rück. Im dor­ti­gen Kai­ser­dom fand ges­tern Abend ein Re­qui­em zu Eh­ren des im Al­ter von 87 Jah­ren ver­stor­be­nen Alt­bun­des­kanz­lers statt. An­schlie­ßend wur­de Kohl auf ei­nem klei­nen Speye­rer Fried­hof be­er­digt.

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