Auch im Fei­ern hoch­ta­len­tiert

U -21-EM: Nach dem Ti­tel Trä­nen bei Hru­besch

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SPORT - Erik Roos

Ir­gend­wann nach Mit­ter­nacht stieg Ju­li­an Pol­lers­beck auf ei­nen Stuhl und stimm­te die letz­te Stro­phe sei­nes Fi­de­r­al­la­la-Lie­des an. „Eu­ro­pa­meis­ter, das sind wir – da vor­ne gibt es ganz viel Bier“, gröl­te der Tor­hü­ter ins Mi­kro­fon und gab den Start­schuss zur gro­ßen Ti­tel­par­ty. Die Ant­wort kam wie wäh­rend der ge­sam­ten EM laut und deut­lich zu­rück: Mann­schaft und Trai­ner brüll­ten „Fi­de­r­al­la­la, fi­de­r­al­la­la, fi­de­r­al­la­l­a­la­la“– so­gar DFB-Prä­si­dent Rein­hard Gr­in­del und der Sport­di­rek­tor Horst Hru­besch stimm­ten mit ein. Mit ben­ga­li­schem Feu­er und gol­de­nem Kon­fet­ti war der neue U-21-Eu­ro­pa­meis­ter zu­vor im Te­am­ho­tel Tu­row­ka emp­fan­gen wor­den, wo die Mann­schaft mit Freun­den und Fa­mi­lie fei­er­te. In Wie­licz­ka fand so die aus­ge­las­se­ne Par­ty ih­re Fort­set­zung, die nach dem 1:0 ge­gen Spa­ni­en in der Ka­bi­ne ih­ren An­fang ge­nom­men hat­te. „Das war ein kom­plet­ter Ab­riss. Die Ka­bi­ne steht nicht mehr, glau­be ich“, sag­te Stür­mer Da­vie Sel­ke. Spä­ter zog das Team durch die Klubs von Kra­kau, wäh­rend sich Trai­ner Ste­fan Kuntz vor dem Ho­tel ei­nen Rot­wein und ei­ne Zi­gar­re gönn­te. Der Hit des Ta­ges war da­bei „Die Num­mer eins der Welt sind wir“, auch wenn die Mann­schaft ge­ra­de „nur“Eu­ro­pa­meis­ter ge­wor­den war, ge­folgt von Songs wie „Drei Ta­ge wach“und „Skan­dal im Sperr­be­zirk“. Im Te­am­bus be­kam so­gar He­le­ne Fi­scher den Zu­schlag. Da­bei hat­te die U 21 „Atem­los“und Co vier Wo­chen lang aus der Ka­bi­ne ver­bannt. Nach dem EM-Tri­umph war aber al­les egal. Grund zum Fei­ern gab es schließ­lich ge­nug. Der Ti­tel war zu Tur­nier­be­ginn zwar er­hofft, aber nicht un­be­dingt er­war­tet wor­den. Kuntz muss­te ins­ge­samt acht Ak­teu­re an Joa­chim Löw ab­ge­ben, der mit ei­ner „zwei­ten U 21“zum Con­fed Cup reis­te. Auch die Ver­let­zung von Jo­na­than Tah kurz vor dem EM-Start steck­te die U 21 weg und hol­te mit ei­nem star­ken Te­am­geist den Po­kal. Im Fi­na­le ge­gen Spa­ni­en ge­lang zum Ab­schluss die bes­te Tur­nier­leis­tung. „Ich ha­be zehn Mi­nu­ten vor Schluss im Sta­di­on ge­ses­sen, und ich sa­ge es ganz deut­lich: Ich ha­be mich mei­ner Trä­nen nicht ge­schämt, als die Zeit um war und da un­ten mei­ne, un­se­re Eu­ro­pa­meis­ter rum­ge­lau­fen sind“, sag­te Horst Hru­besch auf dem Emp­fang im Ho­tel. Der DFBS­port­di­rek­tor hat­te 2009 als Trai­ner den zu­vor letz­ten U-21-Ti­tel ge­holt und kennt auch aus dem jet­zi­gen Ka­der noch vie­le Spie­ler. Auch Trai­ner Ste­fan Kuntz, der von DFBPrä­si­dent Gr­in­del nach Schluss­pfiff ei­nen neu­en Ver­trag bis 2020 an­ge­bo­ten be­kam, war ge­rührt. „Wenn man so ei­nen Po­kal ge­winnt, wird man das nie­mals ver­ges­sen. In zwei Jah­ren wird sich je­der an die­ses Team er­in­nern“, sag­te Kuntz. So wie an die „Klas­se von 2009“, die vor acht Jah­ren Eu­ro­pa­meis­ter ge­wor­den war und spä­ter sechs Welt­meis­ter stell­te. Der Held des Abends hielt sich der­weil ein we­nig zu­rück. Mit­chell Wei­ser von Her­tha BSC, der in der 40. Mi­nu­te mit ei­ner „Kopf­ball-Bo­gen­lam­pe“das ein­zi­ge Tor des Spiels er­zielt hat­te, muss­te die 90 Mi­nu­ten erst ein­mal sa­cken las­sen. „Mir sind die Trä­nen ge­kom­men. Das letz­te hal­be Jahr war nicht ein­fach“, sag­te der lan­ge ver­letz­te Wei­ser. Spä­ter ließ er sich dann doch noch für sein Kunst-Tor

Sel­ke: Die Ka­bi­ne steht nicht mehr, glau­be ich

fei­ern. „Ich weiß gar nicht, wie der rein­ge­gan­gen ist. Da war auf je­den Fall Glück da­bei“, gab Wei­ser zu. Par­ty­ma­cher Num­mer eins blieb aber Ju­li­an Pol­lers­beck. Der Schluss­mann gab noch wei­te­re, nicht ju­gend­freie Stro­phen sei­nes Fi­de­r­al­la­la-Songs zum Bes­ten, ehe er den EM-Po­kal zum Trink­ge­fäß um­funk­tio­nier­te. „Kann man da was rein­schüt­ten? Das ist wich­tig, denn ein Po­kal oh­ne Öff­nung ist kein rich­ti­ger Po­kal“, sag­te Pol­lers­beck und kam nach kur­zer Über­le­gung zu dem Er­geb­nis: „Da ge­hen be­stimmt vier Li­ter rein.“Da­nach kam die Par­ty erst rich­tig in Schwung.

Ein ex­trem emo­tio­na­ler Mo­ment war der Ti­tel­ge­winn „sei­ner“ehe­ma­li­gen Mann­schaft auch für Sport­di­rek­tor Horst Hru­besch, der sich hier mit Kee­per und Vor­sän­ger Ju­li­an Pol­lers­beck freut. Fo­to: GES/Ei­sen­huth

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