Mar­tins Traum ist ge­platzt

Tour de Fran­ce: Zeit­fahr-Welt­meis­ter ver­passt in Düs­sel­dorf das Gel­be Tri­kot

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SPORT -

Der Traum ist ge­platzt: To­ny Mar­tin hat in der Düs­sel­dor­fer Wet­ter­lot­te­rie ei­ne Nie­te ge­zo­gen und auch be­dingt durch die reg­ne­ri­schen Be­din­gun­gen das Gel­be Tri­kot zum Auf­takt der Tour de Fran­ce ver­fehlt. Trotz ei­ner be­herz­ten Vor­stel­lung reich­te es für den Zeit­fahr-Welt­meis­ter beim ers­ten Grand De­part in Deutsch­land seit 30 Jah­ren nur zum vier­ten Rang. „Die Ent­täu­schung ist un­end­lich groß. Ich hat­te die kla­re Ziel­stel­lung zu ge­win­nen. Es ist sehr scha­de für mich, ich ha­be ge­sagt, dass es ei­ne ein­ma­li­ge Chan­ce ist, in Deutsch­land in Gelb zu fah­ren“, sag­te ein sicht­lich frus­trier­ter To­ny Mar­tin im Ziel. Auf dem 14 Ki­lo­me­ter lan­gen Stadt­kurs ent­lang des Rhein­ufers ris­kier­te Mar­tin im Kampf ge­gen die Uhr viel, aber hat­te an­schei­nend nicht die nö­ti­gen Re­ser­ven, um den Bri­ten Ge­raint Tho­mas aus der Sky-Mann­schaft von Ti­tel­ver­tei­di­ger Chris Froo­me zu schla­gen. Der Wa­li­ser Tho­mas fuhr in 16:04 Mi­nu­schig, zum Sieg, acht Se­kun­den mehr be­nö­tig­te Mar­tin, ob­wohl er al­les aus sich her­aus­hol­te. Der 32 Jah­re al­te deut­sche Hoff­nungs­trä­ger war mu­tig in das Ren­nen ge­gan­gen, ließ sich nicht zu sehr be­ein­dru­cken vom Re­gen, der die Stra­ße in ei­ne Rutsch­bahn ver­wan­delt hat­te. Bei der Zwi­schen­zeit lag der vier­ma­li­ge Welt­meis­ter noch vier Se­kun­den vor Tho­mas, doch im zwei­ten Teil büß­te Mar­tin zu viel Zeit ein. „Hin­ten­raus ist der Ak­ku leer ge­wor­den“, sag­te Mar­tin. Von den Ge­samt­fa­vo­ri­ten mach­te Froo­me die mit Ab­stand bes­te Fi­gur – und dis­tan­zier­te als Sechs­ter sei­ne Kon­kur­ren­ten wie den Aus­tra­li­er Ri­chie Por­te deut­lich. Ei­ne star­ke Vor­stel­lung zeig­ten Sprin­ter Mar­cel Kit­tel als Neun­ter (+0:16) und Ni­ki­as Arndt als Elf­ter (+0:16). Um 18.20 Uhr hat­te Mar­tin die Start­ram­pe an der Düs­sel­dor­fer Mes­se im Re­gen­bo­gen­tri­kot des Welt­meis­ters ver­las­sen. Tief at­me­te er ein letz­tes Mal ein, der Blick starr fo­kus­siert auf sein gro­ßes Ziel – dann be­gann die Rei­se zum „Mit­tel­punkt der Rad­sport-Welt“, wie er das Gel­be Tri­kot die­ser Ta­ge be­zeich­ne­te. Mar­tin hat­te schon im Vor­feld vor den Ge­fah­ren ge­warnt, die bei Re­gen ent­ste­hen wür­den. Stra­ßen­bahn-Schie­nen, Ze­bra­strei­fen, rot ein­ge­färb­te Rad­we­ge – es gab zahl­rei­che po­ten­zi­el­le Fal­len bei Näs­se. Wie tü­ckisch die Ver­hält­nis­se wa­ren, er­leb­te der spa­ni­sche Rou­ti­nier Ale­jan­dro Val­ver­de, der hef­tig zu Fall kam und die Tour auf­ge­ben muss­te. Schon vor Mar­tins Start zeich­ne­te sich ab, dass auch das Glück ei­ne ge­wis­se Rol­le spie­len wür­de. Die Be­din­gun­gen wech­sel­ten häu­fig, der Re­gen ließ mal nach, wur­de wie­der stär­ker, und war zwi­schen­durch auch ganz weg. Die Stra­ße aber blieb durch­weg rut­ten es war für die Fah­rer vor al­lem in den Kur­ven ein wah­rer Ba­lan­ce­akt, ein Ritt auf der Ra­sier­klin­ge. Für Mar­tin war es der wich­tigs­te Tag der Sai­son. Akri­bisch hat­te er sich vor­be­rei­tet, seit Mo­na­ten hat­te der WahlSchwei­zer an der rich­ti­gen Ab­stim­mung ge­feilt, an je­dem Mil­li­me­ter sei­ner Po­si­ti­on, schlicht an je­dem De­tail. Al­les soll­te per­fekt har­mo­nie­ren an die­sem Fest­tag für den deut­schen Rad­sport. Hun­dert­tau­sen­de Fans aus al­ler Welt hat­ten sich in der Rhein­me­tro­po­le trotz des wech­sel­haf­ten Wet­ters ent­lang der Stre­cke ver­sam­melt. Und vie­le da­von drück­ten Mar­tin die Dau­men, wünsch­ten sich, ihn am Abend im Gel­ben Tri­kot zu se­hen. Die­ser Traum wur­de je­doch kei­ne Rea­li­tät. Pech hat­te De­bü­tant Rick Za­bel, der bei sei­ner TourP­re­mie­re gleich zu Sturz kam. „Ich ha­be ein biss­chen zu viel Ri­si­ko ge­nom­men und bin weg­ge­rutscht. Är­ger­lich, aber Schwamm drü­ber“, sag­te der Sohn der Sprin­ter-Le­gen­de Erik Za­bel.

Heu­te, 12 Uhr; ARD: Tour de Fran­ce

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.