Das Aben­teu­er kann be­gin­nen

Zweit­li­ga-Pre­mie­re rückt nä­her

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SPORT - Pe­ter Tre­bing

Wie man Meis­ter in der 2. Vol­ley­bal­lBun­des­li­ga wird, das weiß Die­go Ron­co­ni be­reits. Mit dem SV Fell­bach, wo er sich nach sechs Jah­ren Auf­bau­ar­beit und den bei­den Ti­teln in der Re­gio­nal­li­ga und der 2. Bun­des­li­ga bei den Schwa­ben ver­ab­schie­de­te, hat er dies schon vor­ge­macht. Ei­gent­lich war da­nach ei­ne Pau­se ge­plant. Doch der Vol­ley­ball ließ den Rast­lo­sen mit der A-Trai­ner-Li­zenz nicht lan­ge los, das Pro­jekt beim SSC Karls­ru­he war dann doch zu reiz­voll. Mit der Über­nah­me der Li­zenz des ehe­ma­li­gen Dritt­li­gis­ten TuS Dur­mers­heim ver­schaff­ten sich die Vol­ley­bal­ler des SSC den Zu­tritt zu der Li­ga, die schnell zum Sprung­brett zur Zweit­klas­sig­keit wur­de.

SSC-Coach Ron­co­ni: „Das wird rich­tig su­per“

Im ers­ten Jahr ver­sperr­te noch die über­mäch­ti­ge TG 1862 Rüs­sels­heim den Weg nach oben. De­ren zwei­te Mann­schaft ist Zweit­li­gist, die „Ers­te“sorgt un­ter dem Na­men Uni­ted Vol­leys Rhein-Main für Fu­ro­re in der Bun­des­li­ga. In der vor we­ni­gen Mo­na­ten be­en­de­ten Run­de wa­ren Ki­e­n­ast und Co al­ler­dings nicht mehr auf­zu­hal­ten, am En­de stand die Meis­ter­schaft. Und da bis auf den ge­nann­ten Hau­de­gen Ki­e­n­ast, der aus ge­sund­heit­li­chen Grün­den sei­ne Kar­rie­re be­en­det hat, al­le Mann an Bord blie­ben, sieht man dem Aben­teu­er 2.Bun­des­li­ga re­la­tiv ent­spannt ent­ge­gen. Aber auch mit dem nö­ti­gen Ehr­geiz, den Ron­co­ni ein­mal mehr in am­bi­tio­nier­te Wor­te ver­packt: „Wir wol­len je­des Spiel ge­win­nen“, heißt das un­ver­än­der­te Cre­do des ehr­gei­zi­gen Chef­coa­ches. Al­ler­dings bremst er sich auch gleich selbst wie­der ein, denn an­ge­sichts der „enor­men Leis­tungs­dich­te“(Ron­co­ni) in Li­ga zwei, gibt er auch zu Pro­to­koll: „Wir ha­ben der­zeit aber kei­ne Ah­nung, wo wir am En­de ste­hen wer­den.“ Man kön­ne mit dem qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­gen und mo­ti­vier­ten Ka­der ver­mut­lich je­des Spiel ge­win­nen, doch ge­nau­so gut auch al­le ver­lie­ren, ora­kelt Die­go Ron­co­ni. Doch zu­min­dest die zwei­te ge­nann­te Op­ti­on zieht er wohl nicht ernst­haft in Be­tracht. Wenn es nach dem Trai­ner gin­ge, dann könn­te die Sai­son so­wie­so am bes­ten gleich an­fan­gen: „Das wird rich­tig su­per. Ich freue mich auf die 2. Bun­des­li­ga.“Klar ist, dass er mit die­ser Vor­freu­de nicht al­lei­ne ist. Auch sei­ne Spie­ler sind „heiß­auf­vol­ley­ball“, wie das pas­sen­de Mot­to des Auf­stei­gers lau­tet. Der Ka­der bleibt bis auf die be­reits ge­nann­te Aus­nah­me kom­plett zu­sam­men, da­zu kom­men vier Neu­zu­gän­ge, von de­nen Jens Sand­mei­er si­cher der pro­mi­nen­tes­te ist. Der hat drei Jah­re Erst­li­ga-Er­fah­rung beim TV Bühl in sei­ner Vi­ta ste­hen – spe­zi­ell in den letz­ten bei­den Run­den konn­te er enorm viel Spiel­pra­xis sam­meln. Beim SSC trifft er auch auf sei­nen Bru­der Thor­ben, der bei Ron­co­ni als Mit­tel­blo­cker ver­plant ist. Erst­klas­sig im Ein­satz war vom Zweit­li­ga-Auf­stei­ger auch schon Ben­ja­min Doll­ho­fer. Und zwar eben­falls beim TV Bühl. Der ist nach sei­ner „Um­schu­lung“zum Li­be­ro ein enorm wich­ti­ger Fak­tor für Die­go Ron­co­ni, der von sei­nem „frei­en Mann“in höchs­ten Tö­nen schwärmt: „Für mich ist Ben­ja­min ei­ner der bes­ten deut­schen Li­be­ros. Und: Er iden­ti­fi­ziert sich to­tal mit sei­ner Rol­le.“Apro­pos deutsch – si­cher be­mer­kens­wert ist beim SSC die Tat­sa­che, dass sich der kom­plet­te Ka­der aus deut­schen Spie­lern re­kru­tiert. Zu­fall oder ge­wollt? Ron­co­ni: „Das er­gibt sich ein­fach so. Wir müs­sen nicht im Aus­land nach Spie­lern su­chen, das Re­ser­voir an leis­tungs­star­ken Vol­ley­bal­lern im Raum Karls­ru­he ist sehr groß. Die Si­tua­ti­on ist eben so, dass wir nicht weit weg schau­en müs­sen, wenn wir Spie­ler su­chen. Und of­fen­sicht­lich kommt un­se­re Phi­lo­so­phie bei vie­len Ta­len­ten gut an.“Dies in Kom­bi­na­ti­on mit den „sen­sa­tio­nell gu­ten Rah­men­be­din­gun­gen“(Ron­co­ni) beim SSC – das sind wich­ti­ge Er­folgs­fak­to- ren. „Un­ser Zweit­li­ga-Team ar­bei­tet sehr ziel­ori­en­tiert und mit gro­ßem Idea­lis­mus. Das ist enorm wich­tig, schließ­lich gibt es bei uns ja nichts zu ver­die­nen“, be­tont Ron­co­ni. Schon seit April ar­bei­ten sei­ne Jungs ih­re Trai­nings­plä­ne ab. Seit zwei Wo­chen läuft das Te­am­trai­ning, das bis zum Sai­son­start nur für ei­ne kur­ze Pau­se un­ter­bro­chen wird. Erst­mals vor ei­ge­nem Pu­bli­kum an­tre­ten wer­den die „SSC-ler“am 23. Sep­tem­ber ge­gen den TSV Gra­fing. Na­tür­lich im Ot­toHahn-Gym­na­si­um. Und na­tür­lich mit je­der Men­ge Eu­pho­rie und Selbst­be­wusst­sein. Schließ­lich ha­ben die Mann­schaft und das gro­ße Be­treu­er­team ei­nen ein­fach ge­strick­ten und uni­ver­sel­len Match­plan für die 2. Bun­des­li­ga, den Coach Ron­co­ni vor­ge­ge­ben hat: „Wir wol­len je­des Spiel ge­win­nen.“Ein eben­so sim­ples wie ge­nia­les Er­folgs­re­zept – wenn es funk­tio­niert.

„Fa­mi­li­en­zu­sam­men­füh­rung“beim SSC Karls­ru­he: Jens Sand­mei­er (rechts) kommt vom Vol­ley­ball-Bun­des­li­gis­ten TV Bühl zum Zweit­li­ga-Auf­stei­ger, für den Bru­der Thor­ben schon län­ger ak­tiv ist. Fo­to: GES/Henn­rich

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