Das Pro­jekt wa­ckelt

DOSB-Prä­si­dent Hör­mann zur Leis­tungs­sport­re­form

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SPORT - Ha­rald Lin­der

Das „Ti­ming“bei der ers­ten „BSB.Platt­form“, dem neu­en Ver­an­stal­tungs­for­mat des Ba­di­schen Sport­bun­des (BSB) Nord in Karls­ru­he war nicht ge­ra­de per­fekt, denn die Po­di­ums­dis­kus­si­on zum The­ma „Spit­zen­sport in Deutsch­land“mit DOSB-Prä­si­dent Al­fons Hör­mann fand just zu dem Zeit­punkt statt, als die­ser ein Schei­tern der ge­plan­ten Leis­tungs­sport­re­form nicht mehr aus­schloss. Auch weil vom In­nen­mi­nis­te­ri­um zu­ge­sag­te Gel­der in Hö­he von 39 Mil­lio­nen Eu­ro im Ent­wurf des Bun­des­haus­halts für 2018 nicht ent­hal­ten sind und erst nach der Bun­des­tags­wahl wie­der auf der Agen­da ste­hen sol­len. Zu­dem kann das „Po­ten­zi­al­ana­ly­se­sys­tem“(Po­tAS), mit dem die durch das die För­de­rungs­wür­dig­keit der ein­zel­nen Fach­ver­bän­de be­ur­teilt wer­den soll und das als „Herz­stück“die­ser Spit­zen­sport­re­form gilt, erst nach den Olym­pi­schen Spie­len in To­kio 2020 um­ge­setzt wer­den. Dass des­halb die Spit­zen­sport­re­form ge­fähr­det sei, glaubt Hör­mann zwar nicht. Er macht aber deut­lich, dass dies aber der Fall wä­re,

Zu­ge­sag­te Gel­der nicht mehr im Bun­des­haus­halt

wenn zu­ge­sag­te Mit­tel für die Neu­or­ga­ni­sa­ti­on der Olym­pia­stütz­punk­te nicht zur Ver­fü­gung stün­den. „Da­zu gab es kla­re Ver­ein­ba­run­gen. Wenn das nicht klappt, schei­tert die Re­form“, so Hör­mann. Was das für die Ver­bän­de, die Ath­le­ten und de­ren Trai­ner be­deu­tet, dar­um ging es in der Dis­kus­si­on im Sport­park des SSC Karls­ru­he, bei der auch die Prä­si­den­tin des Lan­des­sport­ver­ban­des (LSV) Ba­den-Würt­tem­berg, El­vi­ra Men­zer-Haa­sis, und der Prä­si­dent des Ba­di­schen Sport­bun­des (BSB) Nord, Karls­ru­hes Sport­bür­ger­meis­ter Mar­tin Lenz, da­bei wa­ren. So mahn­te bei­spiels­wei­se Frank Man­tek, Sport­di­rek­tor des Deut­schen Ge­wicht­he­ber­ver­ban­des, die Si­tua­ti­on der Trai­ner an, de­ren Ver­trä­ge zum Jah­res­en­de aus­lau­fen und die nicht wis­sen, ob sie wei­ter­be­schäf­tigt wer­den. Ein Ding der Un­mög­lich­keit, wie Man­tek meint. „Oh­ne Top­trai­ner gibt es kei­ne To­p­ath­le­ten“, so der eins­ti­ge Coach von Pe­king-Olym­pia­sie­ger Mat­thi­as St­ei­ner. Man­tek fand in die­sem Punkt auch die Un­ter­stüt­zung von Al­fons Hör­mann. Der DOSB-Prä­si­dent sprach von „zä­hen Dis­kus­sio­nen“mit dem Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um, um das Ver­ständ­nis da­für zu we­cken, dass „Trai­ner und Ath­let glei­cher­ma­ßen in den Mit­tel­punkt rü­cken“. Man­tek for­dert auch, dass die „Struk­tur­re­form un­ten be­gin­nen muss“. Mit die­ser Aus­sa­ge liegt er auf ei­ner Li­nie mit BSB-Chef Lenz. Der sieht die Leis­tungs­sport­re­form eher skep­tisch und meint, dass sie „nicht ver­wirk­lich­bar ist, wenn sie nicht von un­ten angeich packt wird und die Kom­mu­nen und die Ver­ei­ne kon­se­quent mit ein­be­zieht“. Für Hör­mann ist dies kein Wi­der­spruch. Auch der DOSBPrä­si­dent mach­te deut­lich, dass es oh­ne die Zu­sam­men­ar­beit über al­le Ebe­nen, wo­zu auch die Ver­ei­ne ge­hö­ren, nicht geht. „Wer meint, dass der deut­sche Leis­tungs­sport nur aus dem Bun­des­haus­halt be­steht, der liegt im Grund­satz falsch“, sagt Hör­mann „und in­so­fern kann das nur in ei­nem gro­ßen ge­mein­sa­men Pro­jekt er­folg­reich sein“. Zugleich er­teilt Hör­mann Über­le­gun­gen nach ei­ner Kon­zen­tra­ti­on auf ein­zel­ne Sport­ar­ten wie bei­spiels­wei­se in En­g­land prak­ti­ziert ei­ne kla­re Ab­sa­ge. „Das kann für mich nie ein Vor­bild sein. Deutsch­land mit sei­nen 90 000 Ver­ei­nen und sei­nen 27 Mil­lio­nen Mit­glie­dern hat ei­ne Ba­sis, um die wir welt­weit be­nei­det wer­den. Ich wür­de nie­mals um ei­ni­ger Me­dail­len mehr zu­lie­be die deut­sche Sport­kul­tur auf­ge­ben“, be­tont Hör­mann: „Neh­men Sie das Bei­spiel Win­ter­sport. In Sot­schi hat Hol­land in ei­ner Sport­art, dem Eis­schnell­lauf, mehr Me­dail­len ge­holt, als wir in zahl­rei­chen Dis­zi­pli­nen. Den­noch wür­de zu je­der Tag- und Nacht­zeit die deut­sche Lö­sung wäh­len. Un­ser breit auf­ge­stell­tes Sport­sys­tem ist ein ho­hes Gut und das wür­de ich nie­mals für ei­ne zu gro­ße Fo­kus­sie­rung oder zu star­ke Kon­zen­tra­ti­on op­fern wol­len. Die Viel­falt im deut­schen Sport­sys­tem ist für mich obers­tes Ge­bot“, sag­te Hör­mann, der dar­in aber kei­nen Wi­der­spruch zur ge­plan­ten Leis­tungs­sport­re­form sieht. Un­ter­stüt­zung er­fährt er von Alexander Bach­may­er, dem Vor­sit­zen­den der Kunst­turn Re­gi­on Karls­ru­he (KRK). „Was ich heu­te ge­hört ha­be, stimmt mich zu­ver­sicht­lich, dass die­se Leis­tungs­sport­re­form in die rich­ti­ge Rich­tung geht. Ich bin noch et­was un­si­cher, was Po­tAS an­be­langt, aber ich den­ke, es ist der rich­ti­ge Weg“, meint Bach­may­er. Sa­bi­ne Kus­te­rer vom KSV Dur­lach, die als Ge­wicht­he­be­rin bei den Olym­pi­schen Spie­len in Rio da­bei war (Zehn­te in der 58-Ki­lo-Klas­se), ist sich noch nicht ganz si­cher, wie sie die ge­plan­te Re­form ein­ord­nen soll. Sie macht aber deut­lich, dass es „um Leis­tung zu brin­gen, zu­erst der För­de­rung be­darf“. Ob das jetzt auf 2020 ver­scho­be­ne „Po­ten­zi­al­ana­ly­se­sys­tem“(Po­tAS) dem ge­recht wird, müs­se sich zei­gen. Un­ge­ach­tet des­sen, dass „der ur­sprüng­li­che Zeit­plan für die Ein­füh­rung von Po­tAS nicht funk­tio­niert, will Hör­mann wei­ter dar­an fest­hal­ten, die ge­plan­te Leis­tungs­sport­re­form „kon­se­quent um­zu­set­zen“.

„Oh­ne Top­trai­ner gibt es kei­ne To­p­ath­le­ten“

The­ma Spit­zen­sport: LSV-Prä­si­den­tin El­vi­ra Men­zer-Haa­sis, DOSB-Prä­si­dent Al­fons Hör­mann und BSB-Prä­si­dent Mar­tin Lenz (von rechts) mit Nach­wuchs­tur­ne­rin­nen der Kunst­turn Re­gi­on Karls­ru­he. Fo­to: GES/Prang

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