Gar nicht lang­wei­lig

Phil­ipp Dörf­ler ist 21 Jah­re alt und macht ei­ne Aus­bil­dung zum Kir­chen­ma­ler

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SONNTAGSKINDER - Mag/SO

In vie­len Kir­chen – vor al­lem in ka­tho­li­schen – gibt es zahl­rei­che Bil­der und Fi­gu­ren­schmuck. Sie zei­gen meist Sze­nen aus bi­bli­schen Ge­schich­ten, Je­sus am Kreuz oder Hei­li­ge. Ei­ni­ge der Bil­der sind sehr alt und manch­mal geht an ih­nen auch et­was ka­putt. Des­halb küm­mern sich Fach­leu­te dar­um, dass sie gut er­hal­ten blei­ben oder, wenn nö­tig, re­stau­riert wer­den. Das ist nicht nur aus re­li­giö­sen Grün­den wich­tig. Vie­le Bil­der und Fi­gu­ren in Kir­chen sind näm­lich ech­te Kunst­wer­ke und man­che sind ziem­lich wert­voll. Da­her ge­hen manch­mal auch Leu­te in Kir­chen, die gar nicht am Got­tes­dienst teil­neh­men wol­len: Sie wol­len vor al­lem die Bil­der an­schau­en und die oft präch­ti­ge Kir­chen­aus­stat­tung. Phil­ipp Dörf­ler ist 21 Jah­re alt. Sein Va­ter ist Kir­chen­ma­ler. Als Kind fand Phil­ipp Dörf­ler die Ar­beit sei­nes Va­ters lang­wei­lig. In­zwi­schen macht er selbst die Aus­bil­dung zum Kir­chen­ma­ler – im vä­ter­li­chen Be­trieb. Drei Jah­re dau­ert die Aus­bil­dung zum Ma­ler und La­ckie­rer der Fach­rich­tung Kir­chen­ma­le­rei und Denk­mal­pfle­ge, wie der Be­ruf of­fi­zi­ell heißt. Phil­ipp Dörf­ler lernt, De­cken, Wän­de, Fas­sa­den, Wand­ma­le­rei­en, Stuck und Plas­ti­ken zu er­hal­ten, zu er­neu­ern und zu re­stau­rie­ren. Kir­chen­ma­ler ver­gol­den und ver­zie­ren auch. Es sei ein schö­nes Ge­fühl, Fi­gu­ren zu se­hen, die man selbst ein­ge­fasst und ver­gol­det hat, sagt Phil­ipp Dörf­ler: „Da ist man schon stolz.“Ei­ne sei­ner Mit­schü­le­rin, De­bo­rah Schön­burg, mag die­se Ar­beit ganz be­son­ders – dar­um lernt sie den eng ver­wand­ten Be­ruf der Ver­gol­de­rin. Die jun­gen Leu­te, die Kir­chen­ma­ler wer­den wol­len, ler­nen in den ers­ten bei­den Aus­bil­dungs­jah­ren zu­sam­men mit an­de­ren Ma­lern und La­ckie­rern. Da­nach spe­zia­li­sie­ren sie sich. „Man muss Fin­ger­spit­zen­ge­fühl mit­brin­gen, Sorg­falt und Ge­wis­sen­haf­tig­keit“, er­klärt Ve­ro­ni­ka Schierl. Sie ist Leh­re­rin an den Be­ruf­li­chen Schu­len für Far­be und Geern, stal­tung in Mün­chen. Wich­tig sei in die­sem Be­ruf, dass man künst­le­ri­sches und zeich­ne­ri­sches In­ter­es­se hat. Nicht nur die Be­rufs­schu­le für Kir­chen­ma­ler be­fin­det sich in Bay- auch die meis­ten Aus­bil­dungs­be­trie­be: Im Jahr 2015 lern­ten von 42 Aus­zu­bil­den­den 36 in Bay­ern, wo es vie­le ka­tho­li­sche Kir­chen gibt. Phil­ipp Dörf­ler hat Freu­de an sei­ner Aus­bil­dung, die gar nicht lang­wei­lig ist. Und er glaubt, dass es für Kir­chen­ma­ler im­mer Ar­beit ge­ben wird: „Ich den­ke, Ge­bäu­de müs­sen im­mer sa­niert wer­den.“

Die­se Je­sus­fi­gur aus der Pfarr­kir­che St. Vi­tus im baye­ri­schen Hir­schaid muss re­pa­riert wer­den. Phil­ipp Dörf­ler, der ei­ne Aus­bil­dung zum Kir­chen­ma­ler macht, hilft da­bei, die Fi­gur zu re­stau­rie­ren. Da­für braucht man ei­ne sehr, sehr ru­hi­ge Hand. Fo­to: Ni­co­las Ar­mer/mag

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