Gnoc­chi oder No­ckerln?

Un­ter­schied im Ur­laubs­ge­schmack

Der Sonntag (Mittelbaden) - - REISE & URLAUB - Tin­ga Hor­ny/srt

Sag mir, wo­hin du reist, und ich sa­ge dir, wer du bist. Je­der, der schon ein we­nig her­um­ge­kom­men ist, ahnt ver­mut­lich, dass es grund­sätz­li­che Un­ter­schie­de zwi­schen ei­nem Spa­ni­en- und Ita­li­en­ur­lau­ber ge­ben muss. Und das nicht nur, weil sich be­reits beim Wein und Es­sen die Geis­ter schei­den: Lie­ber Rio­ja oder Bru­n­el­lo? Lie­ber Pa­el­la oder Pas­ta? In der Tou­ris­mus­ana­ly­se 2017 der BAT-Stif­tung für Zu­kunfts­fra­gen geht es aber nicht um ku­li­na­ri­sche Prä­fe­ren­zen, son­dern um Zah­len. De­nen zu­fol­ge ist Spa­ni­en der gro­ße

Spa­ni­en und Ita­li­en an der Ta­bel­len­spit­ze

Ge­win­ner des ver­gan­ge­nen Jah­res. Et­wa je­der sieb­te Rei­sen­de ver­brach­te sei­nen Ur­laub auf dem spa­ni­schen Fest­land, den Ba­lea­ren oder Ka­na­ren. Auf Platz zwei folgt Ita­li­en. Um Platz drei bal­gen sich die Tür­kei und Ös­ter­reich. Für die Tür­kei be­deu­tet das ei­nen ge­hö­ri­gen Ab­stieg – sie ver­lor rund 40 Pro­zent der deut­schen Gäs­te. Schuld dar­an dürf­ten die Ter­ror­an­schlä­ge und die zu­neh­mend au­to­ri­tä­re Po­li­tik des tür­ki­schen Prä­si­den­ten Er­do­gan sein. Fa­mi­li­en und jun­ge Paa­re schät­zen Spa­ni­ens me­di­ter­ra­nes Flair, das Meer und die Son­nen­nied­ri­ge sehr. Aber sie kön­nen sich das Land nicht im­mer leis­ten. Im Schnitt kos­tet ein Tag 95 Eu­ro pro Per­son, auf den In­seln liegt der Satz so­gar noch ein paar Eu­ro hö­her. Das ist der Grund, war­um sich ein über­wie­gend nicht mehr ganz tau­fri­sches Pu­bli­kum auf Mallor­ca, Gran Ca­na­ria oder an der Cos­ta Bra­va er­holt. Es ist über 55 Jah­re alt und ver­fügt über mehr als 3 500 Eu­ro Haus­halts­net­to­ein­kom­men. Die Frak­ti­on mit den grau­me­lier­ten Haa­ren ist dar­über hin­aus ei­ne sehr treue Kli­en­tel und kommt ger­ne wie­der. Sie stammt zu­dem meist aus dem Wes­ten der Re­pu­blik: Auf neun Gäs­te aus dem Wes­ten kommt ei­ner aus dem Os­ten. Seit vie­len De­ka­den un­ver­än­dert lie­ben die Deut­schen Ita­li­ens Dol­ce Vi­ta. Et­wa je­der zwölf­te Rei­sen­de ent­schied sich der Tou­ris­mus­ana­ly­se zu­fol­ge für Bel­la Ita­lia. Doch trotz Wirt­schafts­kri­se und sta­gnie­ren­der Prei­se bleibt das Land ein Ziel für Bes­ser­ver­die­ner, schließ­lich zahlt man durch­schnitt­lich 99 Eu­ro pro Tag, eu­ro­pa­weit ist das der höchs­te Aus­ga­be­satz. So ist es kein Wun­der, dass vor al­lem gut ver­die­nen­de Ur­lau­ber zwi­schen 35 und 54 Jah­ren an den Küs­ten von Adria und Ri­vie­ra ih­re See­le bau­meln las­sen. Wie in Spa­ni­en ent­spricht das Ver­hält­nis von West- und Ost­deut­schen da­bei neun zu eins. Ski­fah­ren, Well­ness­ur­laub oder Som­mer­fri­sche: Ös­ter­reich ist be­kannt für sei­ne gro­ße Gast­freund­schaft und er­lebt ein Come­back. Vor al­lem der Al­pen­tou­ris­mus boomt. Zu den treu­es­ten Gäs­ten ge­hö­ren tra­di­tio­nell die äl­te­ren Herr­schaf­ten. Fast die Hälf­te ist über 55 Jah­re alt, nur je­der fünf­te un­ter 34. Mit 94 Eu­ro Ta­gesaus­ga­ben zählt die Al­pen­re­pu­blik zwar nicht ge­ra­de zu den Bil­lig­län­dern, doch sie zieht nicht nur Bes­ser­ver­die­ner an. Et­wa je­der 15. Gast hat­te ein Haus­ga­ran­tie halts­net­to­ein­kom­men von un­ter 1 500 Eu­ro. Und im Ge­gen­satz zu Spa­ni­en und Ita­li­en ist Ös­ter­reich bei West- und Ost­deut­schen glei­cher­ma­ßen be­liebt. We­gen der po­li­tisch in­sta­bi­len La­ge hat die Tür­kei vie­le deut­sche Ur­lau­ber ver­lo­ren. Trotz­dem mach­te im ver­gan­ge­nen Jahr im­mer noch je­der 25. Rei­sen­de Fe­ri­en im Land am Bo­spo­rus. Ein Grund da­für dürf­te das Preis­ni­veau sein. Mit 76 Eu­ro pro Tag ist Ur­laub zwi­schen Istan­bul und An­ta­lya bil­li­ger als in Deutsch­land – trotz Flug. Der An­teil der Ge­ring­ver­die­ner an Tür­keiGäs­ten ist da­her be­son­ders hoch. Vor al­lem Fa­mi­li­en und jun­ge Er­wach­se­ne flie­gen auf die Tür­kei, aber auch Gäs­te im Al­ter von über 55 Jah­ren schät­zen das be­zahl­ba­re Ur­laubs­an­ge­bot.

Was­ser und Wei­te: Se­hens­wer­te Land­schaf­ten fin­den sich na­he­zu über­all auf der Welt, trotz­dem ha­ben deut­sche Tou­ris­ten Vor­lie­ben für be­stimm­te Rei­se­län­der ent­wi­ckelt. Fo­to: Hack­ner/Ös­ter­reich Wer­bung

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