Zwi­schen Was­ser und Wüs­te

Die Bun­des­kunst­hal­le Bonn zeigt frü­he Schät­ze ira­ni­scher Völ­ker und ei­nen Per­si­schen Gar­ten

Der Sonntag (Mittelbaden) - - FREIZEIT & AUSFLÜGE - Mt

Der Schlei­er wird ge­lüf­tet. Die Aus­stel­lung „Iran. Frü­he Kul­tu­ren zwi­schen Was­ser und Wüs­te“in Bonn rich­tet den Blick auf Schät­ze aus dem sieb­ten bis ers­ten Jahr­tau­send vor Chris­tus, die lan­ge Zeit vor stau­nen­den Au­gen ver­bor­gen wa­ren. Mit mehr als 400 Ob­jek­ten zeich­net die Aus­stel­lung in der Bun­des­kunst­hal­le ei­ne Ent­wick­lung von der Sess­haft­wer­dung der Men­schen bis zum Auf­stieg des ers­ten Groß­reichs auf ira­ni­schem Bo­den nach. Ob­jek­te und Kunst­wer­ke aus dem Ira­ni­schen Na­tio­nal­mu­se­um Te­he­ran und Re­kon­struk­tio­nen ver­mit­teln ei­nen Ein­druck von den Be­son­der­hei­ten ira­ni­scher Bild­wel­ten, von der Na­tur ent­lehn­ten Mo­ti­ven und Frei­land­hei­lig­tü­mern. Vie­le Ex­po­na­te – et­wa St­ein­ge­fä­ße aus Dschi­roft und Fun­de aus dem Gr­ab von ela­mi­schen Prin­zes­sin au­ßer­halb des Irans ge­zeigt. „Neu­es­te For­schungs­er­geb­nis­se und Gra­bungs­fun­de las­sen stau­nen über den Reich­tum kul­tu­rel­ler Zeug­nis­se und die Kom­ple­xi­tät ge­sell­schaft­li­cher Struk­tu­ren in der vor­per­si­schen Zeit“, sagt In­ten­dant Rein Wolfs. Von den schnee­be­deck­ten Gip­feln des Vul­kan­ke­gels Da­ma­vand bis zum hei­ßes­ten Punkt der Er­de in der Wüs­te Lut im Lan­des­in­ne­ren: Das von Ge­bir­gen um­schlos­se­ne Land Iran ver­eint ge­wal­ti­ge land­schaft­li­che Ge­gen­sät­ze. Doch zwi­schen den Ex­tre­men, in den Tä­lern, an den Rän­dern der Wüs­ten und am Ufer des Kas­pi­schen Mee­res fin­det man frucht­ba­re Oa­sen mit üp­pi­ger Ve­ge­ta­ti­on. In sol­chen Ni­schen ha­ben Men­schen seit ih­rer Sess­haft­wer­dung im ach­ten Jahr­tau­send vor Chris­tus ihr Aus­kom­men ge­fun­den. Sie ha­ben Dör­fer, spä­ter Städ­te ge­grün­det und in ih­ren Werk­stät­ten und Un­ter­neh­men wur­den die rei­chen Bo­den­schät­ze des Lan­des ver­ar­bei­tet. Bald ver­ban­den Ka­ra­wa­nen­rou­ten die­se Or­te un­ter­ein­an­der und mit der Welt. Da­bei war die Ab­ge­schie­den­heit der Ge­birgs­tä­ler für die ira­ni­schen Kul­tu­ren zugleich ihr bes­ter Schutz: Als Berg­völ­ker be­haup­te­ten sie sich ge­gen Über­grif­fe aus dem me­so­po­ta­mi­schen Tief­land und konn­ten Fremd­kon­trol­le lang­fris­tig im­mer wie­der ab­schüt­teln. Die hin­ter den Ge­birgs­käm­men ver­bor­ge­nen iraIran ni­schen Völ­ker ent­wi­ckel­ten ei­ne ori­gi­nel­le Bild­spra­che: Seit der Früh­zeit zeu­gen Mo­ti­ve aus der Tier­welt von ge­nau­er Na­tur­be­ob­ach­tung. Be­weg­te Kampf­sze­nen zwi­schen Tie­ren und Fa­bel­we­sen, Schlan­gen und Gei­ern auf pracht­voll ver­zier­ten St­ein­ge­fä­ßen aus den Grä­ber­fel­dern von Dschi­roft über­lie­fern ei­nen My­then­schatz, den die ira­ni­schen Kul­tu­ren über Jahr­tau­sen­de be­wahr­ten. Die­se kul­tu­rel­le Tra­di­ti­on war stark ge­nug, auch neue Ele­men­te zu in­te­grie­ren, die über die sich im zwei­ten Jahr­tau­send v. Chr. kon­so­li­die­ren­den Sei­den­stra­ßen nach Iran ge­lang­ten. Zugleich fan­den An­re­gun­gen aus den Nach­bar­re­gio­nen auch im­mer ih­ren Weg in den Mo­tiv­schatz der ira­ni­schen Völ­ker. Die Bei­ga­ben aus dem Gr­ab zwei­er ela­mi­scher Prin­zes­sin­nen aus Dschubad­schi, ein Neu­fund, spie­geln Gel­tungs­be­dürf­nis der Mäch­ti­gen, wäh­rend der be­rühm­te Gold­be­cher aus Has­an­lu Sze­nen aus dem Krieg zeigt. Aus der fort­wäh­ren­den frucht­ba­ren Syn­the­se ira­ni­scher und frem­der Ele­men­te ent­stand schließ­lich im ers­ten Jahr­tau­send v. Chr. die per­si­sche Kul­tur, die im sechs­ten Jahr­hun­dert v. Chr. mit dem Auf­stieg des Achä­men­iden­rei­ches ih­ren Hö­he­punkt fand. „Man muss nicht erst ster­ben, um ins Pa­ra­dies zu ge­lan­gen, so­lan­ge man ei­nen Gar­ten hat.“Die­ses per­si­sche Sprich­wort zeugt von der Be­deu­tung und Wert­schät­zung der Gär­ten in Iran. Den äl­tes­ten über­lie­fer­ten Per­si­schen Gar­ten ließ Ky­ros der Gro­ße im 6. vor­christ­li­chen Jahr­hun­dert an­le­gen. Pas­send zur Aus­stel­lung prä­sen­tiert die Bun­des­kunst­hal­le bis 15. Ok­to­ber den Ide­al­ty­pus ei­nes Per­si­schen Gar­tens auf dem Mu­se­ums­platz: Ein Hauch von Ori­ent in Bonn. kennt ver­schie­de­ne Ty­pen von Gär­ten im öf­fent­li­chen, aber auch in ei­nem von Wohn­häu­sern um­schlos­se­nen pri­va­ten Raum. Sie al­le sind um das Le­ben spen­den­de Was­ser an­ge­legt. So auch der cir­ca 400 Qua­drat­me­ter gro­ße Gar­ten vor der Bun­des­kunst­hal­le, der dem In­nen­hof-Gar­ten ei­nes gro­ßen Hau­ses nach­emp­fun­den ist. Er ver­setzt die Be­su­cher in ei­ne far­ben­fro­he Welt aus ori­en­ta­li­schen Pflan­zen, Licht und Schat­ten, Or­na­men­ten und Was­ser­spie­len. Der­zeit gibt es 21 Welt­kul­tur­er­be-Stät­ten in Iran. Sie wer­den im Aus­stel­lungs­raum am Ein­gang des Gar­ten­pa­vil­lons vor­ge­stellt. Dar­un­ter sind auch neun im Jahr 2011 von der Unesco zum Wel­ter­be er­nann­ten Gar­ten­an­la­gen. An­hand von Fo­to- und Film­ma­te­ri­al er­hält man ei­nen Ein­druck von der Pracht der Per­si­schen Gär­ten.

Ob­jek­te aus Dschi­roft. Die Ge­fä­ße aus Ala­bas­ter, Pup­pen­köp­fe und an­thro­po­mor­phe Grif­fe stam­men aus der Zeit um 2800 bis 2300 vor Chris­tus. Fo­to: Da­vid Ertl, 2017 © Bun­des­kunst­hal­le Bonn

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