Gros­sen­ba­cher: Der Lu­ther von Ötig­heim

Si­mon Da­vid Gros­sen­ba­cher I Schau­spie­ler

Der Sonntag (Mittelbaden) - - ERSTE SEITE - Ka­trin Kö­nig

Frei­licht­büh­ne Ötig­heim: Ge­ra­de en­de­te das mehr­stün­di­ge Schau­spiel „Lu­ther“, es ist auch am spä­ten Sams­tag­nach­mit­tag noch sehr heiß. Wäh­rend die Be­su­cher zum Aus­gang strö­men, mi­schen sich die Ak­teu­re auf dem Vor­platz mit ge­la­de­nen Gäs­ten, die Stim­mung ist ge­löst. Mit­ten­drin: Si­mon Da­vid Gros­sen­ba­cher, Schau­spie­ler aus der Schweiz, der in der Ins­ze­nie­rung von Re­bek­ka Stan­zel die Haupt­rol­le spielt. Er hat sich aus sei­nem Lu­ther-Ge­wand be­freit und steht nun ent­spannt plau­dernd an ei­nem Tisch des Ca­fés „Ca­si­no“. Wie kommt ein Schwei­zer nach Ötig­heim? Oder auch erst: Wie kam Gros­sen­ba­cher, der in Bern auf­wuchs, zum Schau­spiel? Er sei, er­zählt er, schon als Kind vom Thea­ter fas­zi­niert ge­we­sen; sei­ne Schwes­ter spiel­te beim Jun­gen Thea­ter in Basel, wo auch er sich spä­ter en­ga­gie­ren soll­te. „Als ich im letz­ten Schul­jahr den Schin­der­han­nes spiel­te, war mein wei­te­rer Weg klar.“Die Zeit an der Schau­spiel­schu­le Bern ge­noss er: „Wir ha­ben auch per­for­ma­tiv ge­ar­bei­tet, was von der Bil­den­den Kunst kam und im Thea­ter da­mals erst be­gann.“Die Per­for­mance-Kunst im Schau­spiel ha­be da­mit zu tun, „den Mo­ment zu le­ben“. Das ist bei Gros­sen­ba­cher spür­bar und ent­spricht sei­nem We­sen. So ge­nießt er die At­mo­sphä­re im Thea­ter sicht­lich, eben­so die Her­aus­for­de­rung, ei­ne Open-Air-Büh­ne in sol­chen Di­men­sio­nen zu be­spie­len. Als jun­ger Mann war er zu­nächst bei Pe­ter Lü­di in Ba­den-Ba­den en­ga­giert, spiel­te spä­ter auch in Schwei­zer Pro­duk­tio­nen; es folg­te ei­ne An­stel­lung in Lu­zern. „Ei­ne Zeit lang zog ich mich zu­rück, um mich um mei­ne zwei Kin­der zu küm­mern. Mei­ne Part­ne­rin stu­dier­te.“Mit Ama­teur­schau­spie­lern zu ar­bei­ten ist neu für ihn. „Sie sind groß­ar­tig, und es ist wun­der­bar zu se­hen, wie schon die Kin­der ins Schau­spiel hin­ein­wach­sen. Hier ge­ben Mit­spie­ler auch für ei­nen Satz al­les.“Ei­ne sol­che Kol­le­gia­li­tät ha­be er „noch nie er­lebt“. Der Kon­takt zu den Volks­schau­spie­len war über Stan­zel ent­stan­den, die er vor Jah­ren bei ei­ner Ins­ze­nie­rung von „Le roi Da­vid“in Mann­heim ken­nen­ge­lernt hat­te. Er, der im pro­tes­tan­ti­schen Glau­ben auf­wuchs, aus der Kir­che aber längst aus­trat, mimt nun Lu­ther: Fin­det er sich in die­sem Mann wie­der? „In ei­ner ge­wis­sen Sprung­haf­tig­keit sind wir uns ähn­lich“, sagt Gros­sen­ba­cher lä­chelnd. Ihn rei­zen die Brü­che in der Fi­gur Lu­thers: „Der fei­ne, ver­lo­re­ne, ge­bro­che­ne jun­ge Lu­ther, der sei­nen Weg sucht und fin­det. Auf der an­de­ren Sei­te der Mann, der kom­pro­miss­los und ve­he­ment auf­tritt.“Bei den Pro­ben, er­zählt er, ha­be ihn sei­ne 12jäh­ri­ge Toch­ter manch­mal „ge­part­nert“, sie ha­be ei­ne Nei­gung zum Künst­le­ri­schen. Oh­ne­hin ist die Bin­dung zu sei­nen Kin­dern eng: So oft wie mög­lich ver­bringt er Zeit mit ih­nen, et­wa beim „Wan­dern und Schwim­men“. Be­rufs­be­dingt kön­nen für ihn die „Sonn­ta­ge“na­tür­lich auch mit­ten in die Wo­che fal­len: Gern geht er dann ins Thea­ter, möch­te bald auch sei­nen eins­ti­gen Kol­le­gen und Freund Hannes Fi­scher in Karls­ru­he be­su­chen. Die­sen Abend ver­bringt er in­des mit der Spiel­er­ge­mein­schaft: „Es wird wie im­mer für al­le ge­kocht. Da sit­ze ich na­tür­lich gern da­bei.“

Fo­to: Kö­nig

Er spielt der­zeit Mar­tin Lu­ther bei den Ötig­hei­mer Volks­schau­spie­len: Der Schwei­zer Schau­spie­ler Si­mon Da­vid Gros­sen­ba­cher. In „ge­wis­ser Sprung­haf­tig­keit“sieht er Ähn­lich­kei­ten von sich und der Fi­gur.

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