Ham­burg räumt auf

Nach Ge­walt­ex­zes­sen beim G20-Gip­fel sagt Mer­kel den Op­fern Hil­fe zu

Der Sonntag (Mittelbaden) - - ERSTE SEITE -

In Ham­burg ist Auf­räu­men an­ge­sagt: Nach den Kra­wal­len rund um den G20-Gip­fel hat Bun­des­kanz­le­rin Mer­kel den Op­fern schnellst­mög­li­che Hil­fe und Ent­schä­di­gung zu­ge­sagt. Zum Ab­schluss des Tref­fens der Staats- und Re­gie­rungs­chefs zeig­te sie sich ges­tern em­pört über die Aus­schrei­tun­gen von Links­ra­di­ka­len: „Die ent­fes­sel­te Ge­walt und un­ge­hemm­te Bru­ta­li­tät, auf die die Po­li­zei in die­sen Ta­gen des G20-Gip­fels im­mer wie­der ge­trof­fen ist, ver­ur­tei­le ich auf das Schärfs­te.“Zugleich ver­tei­dig­te Mer­kel ih­re Ent­schei­dung, das Spit­zen­tref­fen der gro­ßen Wirt­schafts­mäch­te in Ham­burg aus­zu­rich­ten. In der Nacht zum Sams­tag wa­ren im links­al­ter­na­ti­ven Ham­bur­ger Schan­zen­vier­tel die Pro­tes­te es­ka­liert: Zu­nächst konn­ten Au­to­no­me des Schwar­zen Blocks meh­re­re St­un­den lang un­ge­hin­dert ran­da­lie­ren, da­bei wur­den auch Ge­schäf­te ge­plün­dert und zer­stört so­wie Au­tos an­ge­zün­det. Da­nach ging die Po­li­zei mit ei­nem mas­si­ven Auf­ge­bot ge­gen meh­re­re hun­dert Kra­wall­ma­cher vor. Das lin­ke Zen­trum „Ro­te Flo­ra“im Schan­zen­vier­tel dis­tan­zier­te sich ges­tern von den Ge­walt­aus­brü­chen. „Wir sa­gen im­mer, dass die be­wuss­te Re­ge­l­über­tre­tung Teil au­to­no­mer Po­li­tik sein muss“, sag­te Andre­as Blech­schmidt. „Aber wir sa­gen auch: Es gibt Kri­te­ri­en da­für und auch ro­te Li­ni­en.“Der an­de­re Spre­cher Andre­as Beuth sprach von „sinn­frei­er Ge­walt“. Bei­de Spre­cher der Ro­ten Flo­ra mach­ten je­doch vor­ran­gig die Po­li­zei für die Ge­walt ver­ant­wort­lich. Am gest­ri­gen letz­ten Gip­fel­tag be­tei­lig­ten sich an der von der Link­s­par­tei aus­ge­rich­te­ten Kund­ge­bung „Gren­zen­lo­se So­li­da­ri­tät statt G20“min­des­tens 50 000 De­mons­tran­ten, mit et­wa 120 Ver­mumm­ten sei es zu Aus­ein­an­der­set­zun­gen ge­kom­men, schrieb die Po­li­zei. Bei der von ei­nem bür­ger­li­chen Bünd­nis ge­tra­ge­nen Kund­ge­bung „Ham­burg zeigt Hal­tung“mit min­des­tens 6 000 De­mons­tran­ten blieb es völ­lig fried­lich. Zum Vor­wurf, der Staat ha­be ver­sagt, sag­te Mer­kel, der Ein­satz der Po­li­zei sei sehr sorg­fäl­tig ge­plant wor­den. Ein G20-Gip­fel müs­se schon we­gen der not­wen­di­gen Ho­tel­ka­pa­zi­tä­ten in ei­ner Groß­stadt aus­ge­rich­tet wer­den. Im An­schluss an ih­re G20-Ab­schluss­pres­se­kon­fe­renz dank­te Mer­kel ge­mein­sam mit Ham­burgs Bür­ger­meis­ter Olaf Scholz Po­li­zis­ten und Hilfs­diens­ten im Na­men al­ler Gip­fel­teil­neh­mer. Bei den Kra­wal­len von Don­ners­tag bis Sams­tag­nach­mit­tag wa­ren 213 Po­li­zis­ten ver­letzt wor­den. Die Zahl der ver­letz­ten De­mons­tran­ten stand noch nicht fest. Die mi­li­tan­ten De­mons­tran­ten ha­ben sich laut Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re ein­ein­halb Jah­re auf die Kra­wal­le vor­be­rei­tet. An den Kra­wal­len in der Nacht zu Sams­tag sei­en „sehr vie­le Chao­ten auch aus dem eu­ro­päi­schen Aus­land“be­tei­ligt ge­we­sen. Mehr zum Gip­fel le­sen Sie auf Sei­te 2.

Ent­set­zen nach der Kra­wall-Nacht: Ein Dro­ge­rie­markt im Ham­bur­ger Schan­zen­vier­tel wur­de von Chao­ten ge­plün­dert und ver­wüs­tet – ähn­lich sah es ges­tern auch in an­de­ren Ge­schäf­ten aus. Fo­to: AFP

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