Die Re­gi­on

Jo­hann Pe­ter He­bel: Sand­korn bringt den Dich­ter ins Thea­ter

Der Sonntag (Mittelbaden) - - ERSTE SEITE - Lie

Die Idee liegt ei­gent­lich auf der Hand: Was wä­ren Hei­mat­ta­ge Ba­den-Würt­tem­berg in Karls­ru­he oh­ne ein Pro­jekt zu Jo­hann Pe­ter He­bel? Al­so zu je­nem Schrift­stel­ler und Theo­lo­gen aus dem süd­ba­di­schen Wie­sen­tal, den es als Leh­rer nach Karls­ru­he ver­schlug, wo er zu­nächst frem­del­te, aber enorm pro­duk­tiv wur­de. Li­te­ra­risch wie als Päd­ago­ge und evan­ge­li­scher Kir­chen­mann. Sei­ne „Ale­man­ni­schen Ge­dich­te“ent­spros­sen als Er­in­ne­rung an die Schwarz­wäl­der Hei­mat auf den san­di­gen Bö­den des Rhein­tals. Mit sei­nen Ka­len­der­ge­schich­ten ging der gro­ße Ba­de­ner – er leb­te von 1760 bis 1826 – in die Welt­li­te­ra­tur ein. Aus be­kann­ten wie eher un­be­kann­ten Er­zäh­lun­gen He­bels stellt das Sand­korn-Thea­ter ei­ne sze­ni­sche Col­la­ge zu­sam­men, die un­ter dem Ti­tel „Der hin­ter­lis­ti­ge He­bel“am Mitt­woch, 12. Ju­li, Pre­mie­re hat. Der ers­te Abend wird im Stän­de­haus­saal ge­spielt. Für Text und Re­gie sorgt Jan Knopf. Der be­kann­te Karls­ru­her Li­te­ra­tur­wis­sen­schaft­ler hat sechs Ge­schich­ten für den He­bel-Abend aus­ge­wählt. „Ge­spielt und ge­le­sen wird in ei­nem Wirts­haus, im Ro­ten Ad­ler, aber oh­ne, dass es folk­lo­ris­tisch wird“, be­rich­tet Knopf. Zu sei­nem Fi­gu­renen­sem­ble ge­hö­ren ein Bau­er, der schlau die Po­li­tik sei­ner Zeit durch­schaut, ein Bür­ger, der al­les bes­ser weiß oder auch ein Spit­zel der Ob­rig­keit. Denn He­bel ver­füg­te über un­bot­mä­ßi­ge In­for­ma­tio­nen und schrieb un­er­schro­cken im „Rhei­ni­schen Haus­freund“. „ Aus­gangs­punkt un­se­rer Col­la­ge ist ei­ne Sa­ti­re, die He­bel nicht ver­öf­fent­li­chen konn­te. Da­rin geht es um Er­eig­nis­se bei der Völ­ker­schlacht von Leip­zig 1815. Die Nie­der­la­ge Na­po­le­ons wur­de im na­tio­na­len Pa­thos schnell mit Le­gen­den um­rankt, die He­bel auf­spieß­te“, so Jan Knopf. Der Au­tor und Re­gis­seur hat aber nicht nur Stoff für He­bel-Spe­zia­lis­ten auf­ge­grif­fen, son­dern so po­pu­lä­re Ge­schich­ten wie je­ne vom „Kan­nit­vers­tan“, um sprach­li­che Miss­ver­ständ­nis­se und tie­fe­re Er­kennt­nis­se. He­bels Hin­ter­sinn und Dop­pel­bö­dig­keit, sei­ne Sprach­kunst und hu­ma­ne Hal­tung wird vom En­sem­ble aus Ro­land Brun­ner, Jo­han­nes Grö­zin­ger, Emil Roth, Sa­rah und Ha­rald Schwiers na­he­ge­bracht. Für Lie­der aus der Zeit des Vor­märz sorgt Ro­man Ro­then. Der hin­ter­lis­ti­ge He­bel, Sze­ni­sche Col­la­ge. 12. Ju­li, 19.30 Uhr Stän­de­haus­saal, Stän­de­haus­stra­ße 2 Karls­ru­he. Au­ßer­dem im Sand­kornStu­dio­thea­ter, Kai­ser­al­lee 11, am Frei­tag, 14. Ju­li und Sams­tag, 22. Ju­li, je 20.30 Uhr.

He­bel als Denk­mal im Karls­ru­her Schloss­park. Das Sand­korn-Thea­ter zeigt ei­ne He­bel-Col­la­ge. Fo­to: bo

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